BERG
DANIEL OLY

Das „Kannerhaus Jean“ in Berg baut aus

Das „Kannerhaus Jean“ bietet verhaltensauffälligen Kindern eine Möglichkeit, zusammen mit ausgebildeten Therapeuten zu mehr Ruhe zu kommen. Das vom luxemburgischen Roten Kreuz organisierte Projekt in Berg setzt dabei neben Tiertherapie (besonders mit Pferden) auch auf andere Therapiemethoden - ob durch Kunst, durch Puppenspiel oder andere.

Stets kommt dabei ein ausgebildetet Psychotherapeut zum Einsatz. Dementsprechend arbeitet derzeit ein Team aus 30 Mitarbeitern im „Kannerhaus“, geleitet von Direktorin Laura Wiesmann. Das Alter der Kinder im „Kannerhaus“ pendelt sich zwischen sechs und zwölf Jahren ein. „In unserer ambulanten Aufnahme für akute Fälle geht das aber auch schon ab vier Jahren los“, meint die Direktorin.

Mut und Vertrauen fassen

Besonders häufig sind das verhaltensauffällige Kinder mit Angst-, Wut- oder Aufmerksamkeitsstörungen. „Kinder, die externalisieren und deshalb auffällig werden“, meint Wiesmann. Das bedeutet leider auch: Diejenigen, die eher ruhig bleiben und nicht auffallen, kommen seltener nach Berg. „Dadurch fallen vermutlich viele, denen wir eigentlich helfen könnten, durch das Raster. Das ist sehr bedauerlich.“

Herzstück des Projektes ist die Therapie mit Pferden; hier sollen die Kinder, die oftmals eine niedrige Frustrationsschwelle haben, wieder Bezug zu Regeln und Gelassenheit lernen. „Die Tiertherapie öffnet eine Tür“, sagt Wiesmann. „Pferde zeigen ihnen ihre Grenzen auf und vermitteln einen respektvollen Umgang.“ Gleichzeitig öffnen sich die Kinder dadurch eher einer Therapie. Das klappt natürlich längst nicht in jedem Fall. „Deshalb fertigen wir zuerst eine psychologische Diagnostik an, bevor wir wirklich anfangen.“ So können die jeweils notwendigen Therapieschritte gefunden werden, die für das Kind am besten passen.

Das Projekt befindet sich derzeit in einer Umbauphase - zum Einen, um mehr Platz für die Therapien zu bieten und die Räumlichkeiten zu renovieren. Aber auch, um endlich Platz zu schaffen für ein Ganzzeit-Internat, das als zusätzliches Angebot für bestimmte Fälle in Zukunft auch ins Programm aufgenommen werden soll. „Manchmal ist es besser, dass die Kinder längere Zeit bei uns verbringen“, erklärt Wiesmann. „Das fängt schon damit an, dass wir Kinder aus dem ganzen Land aufnehmen. Manche von ihnen sind dann vom Norden aus eine Stunde lang mit dem Bus unterwegs, bevor sie hier sind. Das geht auf Dauer nicht.“ In manchen Fällen sei es auch nötig, die Kinder stärker zu unterstützen; ein längerer Aufenthalt könnte da helfen. „Dabei können wir dann auch die Arbeit stärker vertiefen“, erklärt Wiesmann. „Auch mit den Eltern zusammen, was oft nicht so einfach ist.“ Zudem könnte das die bisweilen sehr lange Warteliste für den teilstationären Aufenthalt etwas verkürzen. „Zuletzt mussten wir die Kinder fast ein Jahr lang warten lassen, bis ein Platz frei wurde“, bedauert sie. Das bedeutet, dass von der Kontaktaufnahme bis hin zur Behandlung oft eine lange Zeit verstreicht. „Wir sind zudem selten die erste Station“, erklärt Wiesmann.

Das „Kannerhaus Jean“ ist entsprechend auf jeden Cent angewiesen, denn es finanziert sich ausschließlich über Hilfsgelder. Entsprechend wichtig ist, dass die RBC-Bank auch in diesem Jahr wieder das „Race for the Kids“ im Park „Dräi Eechelen“ organisiert - einen Wohltätigkeitslauf, dessen Erlös integral dem Projekt zugute komme. Auf diese Weise seien schon insgesamt 135.000 Euro gesammelt worden, die nun in Renovation und Ausbau gesteckt werden. „Der Erhalt dieser Einrichtung und insbesondere der Pferdetherapie ist für das Rote Kreuz unerlässlich“, meint Joseph Degrand, der Sprecher der „Croix Rouge Luxembourg“. Entsprechend freue man sich über die rege Teilnahme bei dem Rennen. Die nächste Ausführung findet übrigens am 22. Oktober statt. Teilnahme erwünscht.