CLAUDE LAMBERTY

Eine verantwortungsbewusste Politik muss dafür sorgen, dass die Menschen ihren Alltag so gut wie möglich organisieren können. Dazu gehört, dass Eltern über die nötige Zeit verfügen, ihre Kinder im Krankheitsfall zu versorgen und genügend Zeit haben, eine Beziehung zu ihrem Baby aufzubauen. Getreu ihrem Motto, die Gesetzgebung den reellen Lebensbedingungen anzupassen, hat die Regierung deshalb maßgebliche Änderungen bei den Sonderurlauben aus persönlichen Gründen geplant. Der Gesetzentwurf befindet sich im parlamentarischen Schlussspurt.

„Was ändert sich nun konkret, angefangen beim sogenannten ‚Pappe-Congé‘? Bis jetzt hat der Vater eines Säuglings Anrecht auf zwei Tage Spezialurlaub. Dieser soll nun auf fünf Tage erweitert werden, also um das Anderthalbfache. Beim Mutterschaftsurlaub überdies wird in Zukunft kein Unterschied mehr gemacht zwischen jenen Mütter, die stillen, und jenen, die nicht stillen - das heißt zwölf Wochen für jede Mutter. Dies entspricht auch dem Prinzip der DP, dass es keinen Unterschied macht, ob die Mutter stillt oder nicht. Außerdem sollen Frauen, die nicht in der Lage sind zu stillen, dies nicht weiter als eine Art Makel angekreidet bekommen. 

Junge Eltern sollen allgemein mehr Zeit für ihren Nachwuchs bekommen. Dies gilt in besonderem Maße, wenn die Kinder kurzfristig krank werden. Berufstätige Eltern kennen solche unvorhersehbaren Fälle und können ein Liedchen davon singen, wie schwer es ist, frühmorgens auf die Schnelle Urlaub zu bekommen. Auch Großeltern und Freunde sind nicht von einer Minute auf die andere verfügbar. Bisher hatten Mutter und Vater Recht auf zwei Tage Urlaub im Krankheitsfall eines Kindes, unabhängig vom Alter des Nachwuchses. Nicht sonderlich viel, besonders bei Kleinkindern, die in der Regel öfters zuhause bleiben müssen als beispielsweise Teenager. Die Regierung hat deshalb Altersgruppen eingeführt, die eine längere und flexiblere Praxis des ‚congé pour raisons familiales‘ ermöglichen. 

Bis vier Jahre gilt künftig ein Guthaben von zwölf Tagen Spezialurlaub für Mütter und Väter. Die Tage verfallen also nicht mehr nach einem Jahr, sondern erlauben eine größere Flexibilität in einem festgelegten Zeitrahmen. Im Alter zwischen fünf und 13 Jahren beträgt das Guthaben jeweils 18 Tage. Für Kinder zwischen ihrem 14. Geburtstag und der Volljährigkeit werden fünf Tage gut geschrieben. Bis jetzt lag die Höchstgrenze bei 15 Jahren. Sie wurde demnach um drei Jahre erhöht. Was spezielle Urlaubstage beim Umzug in eine andere Wohnung betreffen, bleibt es bei zwei Tagen, allerdings nur alle drei Jahre. 

Dieses Maßnahmenpaket bedeutet einen erheblichen Fortschritt für die Eltern, da es ihnen mehr Freiheit für die Zeit mit ihren Kinder ermöglicht. Ein Schritt, den die DP ausdrücklich begrüßt. Die Reform wurde zwischen Regierung, Gewerkschaften und Patronat ausgehandelt. Es kommt jetzt darauf an, die formellen Einwände des Staatsrats zügig aus dem Weg zu räumen, damit das Gesetz im Parlament verabschiedet werden kann. Das ist die Politik den Kindern und ihren Eltern schuldig.“