LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Vor Frauenstreik am 7. März: Plattform legt ihre Forderungen vor

Knapp zwei Wochen vor dem Frauenstreik vom 7. März hat die Organisationsplattform JIF ihre Forderungen nach mehr Anerkennung für sowie eine egalitäre Aufteilung von Care-Arbeit vorgestellt. Putzen, Kochen, Wäsche machen, aber auch die Putzfrau im Büro oder die vielen Frauen im Pflegesektor: Ohne Care-Arbeit würde die Gesellschaft nicht mehr funktionieren, sagen die 20 in der Plattform zusammengeschlossenen Organisationen. Damit die Arbeit gerechter aufgeteilt wird, „benötigen wir mehr Zeit, mehr Geld und mehr Respekt“, fasst Tina Koch die Grundzüge der Forderungen zusammen.

Allgemein plädiert die Plattform für eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohneinbußen, einen paritären Elternurlaub nach skandinavischem Vorbild oder auch einen gut ausgebauten und effizienten öffentlichen Transport, auf den sich viele Frauen verlassen können müssen. Koch weist darauf hin, dass Frauen bei gleicher Arbeitszeit und wirtschaftlichen Bedingungen am Tag zwei Stunden mehr in Care-Arbeiten investieren. Zudem sagen viele Frauen, aus familiären Gründen nur mehr halbtags zu arbeiten. Und auch wenn immer mehr Frauen berufstätig sind, arbeiten sie deshalb zuhause nicht weniger beziehungsweise wird dann eine Haushaltshilfe eingestellt, die gegebenenfalls nicht angemeldet ist und nur den Mindestlohn verdient. In den Köpfen vieler Menschen gebe es noch immer die Überzeugung, Frauen seien veranlagt für solche Care-Arbeit und -Berufe oder Frauen treffen diese Wahl freiwillig . Ein „Kulturwechsel“ müsse deshalb „in sehr frühen Jahren stattfinden“.

Mindestlohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung

Da viele Frauen in Luxemburg immer noch weniger Stundenlohn erhalten als ihre männlichen Kollegen, weniger Stunden arbeiten oder von einer niedrigen Beschäftigungsrate betroffen sind, fordert Michelle Cloos eine Gleichbezahlung bei gleicher Arbeit. Das sei nicht nur eine „fundamentale Frage von Gerechtigkeit“ sondern müsse zu dem transparent und überprüfbar sein. Da Frauen häufig in Niedriglohnsektoren wie dem Handel oder im Reinigungssektor tätig sind, müsse der Mindestlohn ein Leben unter würdigen Bedingungen erlauben. Handlungsbedarf sieht die Plattform „Internationaler Frauentag“ auch angesichts des besonders ausgeprägten Armutsrisikos bei Alleinerziehern, des Rentenunterschieds zwischen Männern und Frauen oder beim Kindergeld.

Um die Anerkennung von Care-Arbeit zu verbessern, müssten indes Maßnahmen gegen die Ausbeutung von Arbeitsmigranten im Pflegesektor ergriffen werden, Klagen aufgrund von sexistischer oder sexueller Belästigung schneller behandelt oder auch mehr im Kampf gegen Diskriminierung unternommen werden. Diese und weitere Forderungen werden die JIF-Verantwortlichen am Samstag vor dem Internationalen Frauentag am 8. März bei einer Großkundgebung in der Hauptstadt verlautbaren. Nach dem Vorbild von Frauenstreikbewegungen etwa in Spanien und der Schweiz will die Plattform auch in Luxemburg ein Zeichen setzen, und so Tempo in eine andernfalls nur langsame Entwicklung im Sinne der Gleichberechtigung bringen.

Auch symbolische Streikbeteiligung erwünscht

Hausfrauen sollen in dieser Woche den Haushalt liegen lassen, um zu zeigen, wie viel Arbeit dahinter steckt. Wer am Samstag den 7. März arbeitet, kann auch auf symbolische Art und Weise mitstreiken, sei es nur durch das Tragen von lilafarbenen Kleidungsstücken oder eine angepasste E-Mail-Signatur.

Für alle anderen ist am 7. März um 15.00 die Place d’Armes der Versammlungsort. Von dort aus wird der Streikzug zum Parlament ziehen, wo die Forderungen verlesen werden. Anschließend geht es zur „Gëlle Fra“, wo eine weitere Aktion geplant ist. Gegen 17.30 soll der Frauenstreik enden. Eine Afterparty mit Live-Musik findet ab 18.00 in den Rotunden statt.


Weitere Informationen, auch zu möglichen

symbolischen Protestaktionen, unter fraestreik.lu