LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Der CSV-Abgeordnete Laurent Zeimet sorgt sich um die religiöse Betreuung von Heimbewohnern

Der Bettemburger Bürgermeister, CSV-Generalsekretär und CSV-Abgeordnete Laurent Zeimet hat offensichtlich sein Herz für den streng katholischen Flügel seiner Partei entdeckt. Anders lässt sich seine jüngste parlamentarische Anfrage an Familienministerin Corinne Cahen nicht erklären.

Der schwarze Bürgermeister sorgt sich um den Missbrauch einer Kapelle im „roten“ Rümelingen. Laut Zeimet wird in der ehemaligen Bergbaustadt im Alten- und Pflegeheim „Roude Fiels“ die dortige Kapelle regelmäßig von einer „sozio- gerontologischen Gruppe“ aus Klienten des halbstaatlichen Pflegeunternehmens SERVIOR als „Aufenthaltsraum“ benützt. Für Zeimet ist eine Kapelle nicht nur ein Ort religiöser Feierlichkeiten, sondern auch ein Raum der Besinnung für die Bewohner des Heims.

Gesetzlich sei ausdrücklich festgehalten worden, dass Alten- und Pflegeheimbewohnern religiöser Beistand in Form eines Betraums oder eines Ortes der Mediation bereitgestellt werden muss.

Aufgrund dessen wollte Laurent Zeimet nun von Familienministerin Corinne Cahen wissen, ob die Umnutzung der Heim-Kapelle in Rümelingen nicht gegen die geltende Gesetzgebung verstößt und ob die Regierung dafür Sorge trage, dass die Pflegeheime ihren Bewohnern einen Raum der Besinnung zur Verfügung stellen.

Nachhilfe in Strukturwandel

Wenn Zeimet die parlamentarische Frage möglicherweise nur zur Beruhigung seines klerikalen Parteiflügels oder als lustige kleine Provokation gestellt hat, so erhielt er in der Antwort der Familienministerin umfangreichen Nachhilfeunterricht rund um den Strukturwandel in Altenpflege.

Heute liegt der Schwerpunktauf der häuslichen Pflege

Laut Familienministerium wurde mit Einführung der Pflegeversicherung 1999 der häuslichen Pflege der absolute Vorrang eingeräumt. Damit kam es laut SERVIOR zu einem drastischen Wandel unter den Pflegeheimbewohnern. Senioren die noch halb-autonom leben können, mit vergleichsweise wenigen Ansprüchen an Hilfe und Pflege gehören nicht mehr zu den typischen Altenheimbewohnern. Sie bleiben länger zuhause und werden dort von ambulanten Pflegekräften betreut. Die heutigen Bewohner kommen deutlich später als früher in ein Pflegeheim und weisen erhebliche körperliche oder mentale Defizite auf.

Um diese Heimbewohner in Würde betreuen zu können, müssten die Pflegeeinrichtungen umgestaltet und an die Bedürfnisse der betroffenen Personen angepasst werden , noch bevor eine Renovierung oder eine komplette Modernisierung erfolgen kann. Daher sei es nur normal, dass SERVIOR in Rümelingen eine Umorganisation der Räume vorgenommen hat und man, wie schon in Differdingen 2011 und Niederkorn 2015, auf die Mehrfachnutzung bestimmter Räume setzt.

Was den Fall Rümelingen angehe, sei klar, dass die Umnutzung die gesetzlichen Vorgaben respektiert. Es handele sich um eine Mehrfachnutzung des Raumes die die Betreuung einer bestimmten Patientengruppe erleichtert. Solange der Kapellenraum nicht für diese Aufgabe genutzt wird, steht er als Ort der Besinnung zur Verfügung. SERVIOR achte daher darauf, dass die Mehrfachnutzung des Raumes möglich bleibt.