LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Urteil im „Chinesen-Prozess“ gefallen: Hauptangeklagter muss ins Gefängnis

Am Mittwoch fiel das Urteil im „Chinesischen Prostitutions-Prozess.“ Drei Chinesen wurde Freiheitsberaubung, Menschenhandel zum Zwecke der Prostitution/Zuhälterei und Geldwäsche vorgeworfen.

Die 9. Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg verurteilte den 45-jährigen gebürtigen Chinesen Tianfang Y. (45), der offiziell als Kellner angemeldet ist und in Luxemburg mehrere einschlägige Studios geleitet haben soll, zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Die Strafe wurde 28 Monate zur Bewährung ausgesetzt. Er gilt als die Drahtzieher hinter den Kulissen. Dabei könne die Kammer nicht ausschließen, dass der Chinese mit seiner Frau am Ende nur kleine Rädchen in einem großen Getriebe gewesen sind und es möglicherweise noch „übergeordnete Strukturen“ gibt.

Ein Freispruch und eine Urteilsaussetzung

Seine Ehefrau Jiaying Y. (38) wurde freigesprochen.

Die Dritte im Bunde, die 46-jährige Restaurantangestellte Winnie M., soll den Kontakt zwischen den Prostituierten und den Kunden vermittelt haben. Ihr Urteil wurde nach Artikel 621 des Strafgesetzbuches für drei Jahre ausgesetzt („suspension du prononé“). Die Verurteilte wird für schuldig befunden. Haft- oder Geldbußen werden keine verhängt. Die Verurteilte erhält auch keinen Eintrag in das Strafregister.

In seinem Plädoyer hatte der Verteidiger Winnie M. als sehr naiv und als geistig zurückgeblieben beschrieben. Der Verteidiger versuchte in seinem Plädoyer, mit Artikel 71,1 des Strafgesetzbuches die Argumente der Anklage zu entkräften, da aufgrund der Geistesschwäche eine verminderte Schuldfähigkeit möglich sei. Winnie M. habe sich in einer komplexen psychosozialen Lebenslage befunden und sei von den mutmaßlichen Zuhältern manipuliert und ausgenutzt worden, so der Anwalt.

Das chinesische Ehepaar hatte von Januar 2015 bis Januar 2015 bis Ende Oktober 2017 in Luxemburg illegal Sexappartements betrieben und Steuern hinterzogen. Das Ehepaar soll von den teils minderjährigen Frauen profitiert haben, die als Prostituierte in mindestens fünf Appartements in Luxemburg/Howald anschafften. Die drei Chinesen sollen so insgesamt zwölf junge Chinesinnen mit falschen Versprechungen nach Luxemburg gelockt haben - diese haben dann ohne Papiere in Luxemburg gearbeitete. Die Frauen sollen unabhängig von Zuhältern
auf eigene Faust gearbeitet haben, wodurch sie allerdings auch der Willkür ihrer Kunden und dem Ehepaar schutzlos ausgeliefert waren.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig,