LUXEMBURG
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Gemeinderat der Stadt Luxemburg heißt mehrere Konventionen gut

Im hauptstädtischen Gemeinderat legte gestern die Lokalpräsidentin von „Déi Gréng“, die Tierärztin Claudie Reyland, ihren Eid als neues Mitglied ab. Sie ersetzt Gilles Rod, der dem Rat während knapp zwei Jahren angehörte, und ab September der „Oeuvre nationale Grand-Duchesse Charlotte“ vorstehen wird.

Im Rahmen der Fragestunde wünschte sich Rätin Claudine Als (DP), dass die „Gëlle Fra“ zum Wahrzeichen der Hauptstadt werde, ähnlich dem, was der Eiffelturm für Paris darstellt. Bürgermeisterin Lydie Polfer meinte indes, andere Akteure müssten hier handeln. Sicher sei, dass das Denkmal, zusammen mit den anderen historischen Skulpturen der Stadt, als „geschütztes Monument“ im neuen Bebauungsplan der Stadt eingeschrieben sein wird. Eine andere Frage, gestellt von Marc Angel (LSAP), betraf die Buslinie 215, die Bartringen mit der Hauptstadt verband, und die nun durch andere, ungünstigere Verbindungen ersetzt wurde. Schöffin Sam Tanson versicherte, diesbezüglich versuche man wieder verbesserte Bedingungen zu schaffen.

Bücher zu Tabuthemen

Der Gemeinderat hieß eine Reihe Konventionen gut, darunter die Fortsetzung der Konvention mit dem „Cid/Fraen a Gender“. Dieses Zentrum, das sich für die Gleichheit von Frauen und Männern einsetzt, informiert in den Schulen und stellt den Grundschülern unter anderem einen Bücherkoffer zur Verfügung. Ebendieser Koffer sorgte in letzter Zeit für Aufregung, da sich darin auch Bücher über Homosexualität und Transgender befinden. Eltern hatten sich hierüber negativ geäußert, die nationale Kommission im Erziehungsministerium hatte die Bücher verworfen. Während Rätin Marcelle Goergen (ADR) fand, die Eltern müssten bestimmen können, welche Bücher ihre Kinder lesen, meinte Schöffin Colette Mart: „Mir huelen elo kee Buch aus der Valise eraus“. Die Kinder würden in unserer heutigen Welt so oder so mit den angesprochenen Themen konfrontiert.

Schulgebäude: Bedarf nahezu gedeckt

Schöffin Mart stellte anschließend den Mehrjahresplan betreffend die öffentlichen Schulgebäude und Betreuungsstrukturen der Hauptstadt vor. Grundlage war diesmal ein Audit, das seit vergangenem Jahr in der Ausarbeitung ist, und das u.a. aufzeigt, „dass mir der Entwécklung net hannendru lafen“, so die Schöffin. So zählt die Stadt 57 Schulgebäude mit 756 Sälen, davon 367 Klassenräume, und hat in fast allen Stadtvierteln ausreichend Kapazitäten, abgesehen von Kirchberg und Cessingen. Hier würden denn auch neue Infrastrukturen geschaffen, sagte Colette Mart. Durch die Eröffnung der Zentralschule in Clausen werden indes 39 Räume in den anderen Schulen frei. Es gebe aber eine große Nachfrage an Räumlichkeiten, und eine gute Verwaltung der zur Verfügung stehenden Säle sei demnach vonnöten.

In puncto „Foyers scolaires“ verfügt die Hauptstadt über 28 Gebäude und eine Zulassung für rund 3.500 Kinder. Obwohl insgesamt gesehen in den Betreuungsstrukturen Überkapazitäten bestehen (330 Plätze), bleibt auch eine Warteliste (170 Kinder). 2017 kommen neue Räumlichkeiten hinzu, so dass die Kapazität um mehr als 900 Plätze wachsen wird.

Insgesamt, sagte Schöffin Mart, rückten Schule und Betreuungsstruktur näher zusammen. Im Bahnhofsviertel soll indes eine „ganztägige Bildungsstruktur“ entstehen. Die Schule in Dommeldingen wird vergrößert, Erweiterungspläne für andere Schulgebäude wurden jedoch zurückgestellt, da als zurzeit notwendig erachtet. In Bonneweg wird das Foyer in der Rue Demy Schlechter dahingehend erweitert, dass eine neue Modularstruktur in der Rue Vannérus eingerichtet wird. Diese wird zum Teil auch dem „Foyer Pinocchio“ zur Verfügung stehen. Nach Ostern werden Kinder, die die Früherziehung besuchen, in den städtischen Betreuungsstrukturen in Cessingen und im Bahnhofsviertel aufgenommen. Ab dem Herbst wird dies in einer ganzen Reihe weiterer Strukturen der Fall sein.

Sportinfrastrukturen: Bauterrain gesucht

Investitionen von nahezu 260 Millionen Euro werden für die Umsetzung des Mehrjahresplanes im Sportbereich bis 2021 veranschlagt, dies teilte Schöffin Simone Beissel mit. In den nächsten Jahren vorgesehen sind die Fertigstellung des Fußball- und Rugby-Stadions, der Bau eines neuen Schul- und Sportkomplexes auf Cents, der Bau einer Sporthalle mit Schwimmbad in Dommeldingen sowie eine Reihe von zusätzlichen Modularstrukturen in verschiedenen Stadtvierteln. Träumen tut die Stadt immer noch von einem offenen, öffentlichen Schwimmbad, sucht aber auch immer noch nach dem passenden Terrain. Ebenso ist die Suche nach einem Standort für eine achtspurige Athletikpiste noch nicht abgeschlossen, genau wie die nach einem Grundstück auf Kirchberg, das Platz für eine große Sporthalle mit Schwimmbad bietet. Einzig betreffend die VTT-Piste ist der Standort bekannt, nämlich das Terrain Boy-Kohnen in Cessingen.

Erwartungsgemäß nahmen recht viele Gemeinderäte zu den beiden Mehrjahresplänen Stellung, und hoben, je nach Parteizugehörigkeit, die positiven oder eher negativen Seiten hervor. Eine Frage, die immer wiederkehrte war, wieso die Privatschulen so beliebt (46 Prozent der Schüler) sei, und die öffentliche Schule in der Hauptstadt dementsprechend weniger besucht werde. In Sachen Sport hieß es indes, dass viele Vereine ungenügend Platz oder auch finanzielle Schwierigkeiten hätten, um ausreichend Jugendtrainer beschäftigen zu können, und manche Jugendliche abgewiesen werden müssten - was natürlich nicht sein dürfe.

Zum Schluss der Debatte wurde mehrheitlich eine von der Majorität vorbereitete Motion zu den Infrastrukturen angenommen. Der Gemeinderat stimmte auch der Kapitalerhöhung der „Société Nationale des Habitations à Bon Marché“ SNHBM zu, an der die Hauptstadt als Aktionär beteiligt ist.