LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Nathalie Wagner wurde als erste Luxemburgerin mit einem Exzellenzpreis der Deutsch-Französischen Hochschule für ihre Masterarbeit ausgezeichnet - Wie sie dazu kam

Am 24. Januar war ein großer Tag für Nathalie Wagner: In der französischen Botschaft in Berlin wurde der 28-jährigen der durch die ASKO-Europa Stiftung geförderten Exzellenzpreis der Deutsch-französischen Hochschule für ihre Masterarbeit überreicht. Sie war eine von elf Laureaten, die unter 100 Anwärtern für diesen mit 1.500 Euro dotierten Preis ausgewählt wurden und die erste Luxemburgerin, der diese Ehre zuteil wurde. Ein Gespräch über das Potenzial des interkulturellen Dialogs, aktuelle Debatten um Migration und das trinationale Studium.

Frau Wagner, Ihre Masterarbeit ist mit „Interkulturelle Interaktionen und Prozesse der Selbstreflexion in transkulturellen Texten der deutschen Gegenwartsliteratur. Zum didaktischen Potenzial von Literatur für die Vermittlung interkultureller Kompetenzen“ überschrieben. Können Sie bitte knapp zusammenfassen, was sich dahinter verbirgt?

Nathalie Wagner Nun, es ging mir maßgeblich darum, aufzuzeigen, dass interkulturelle Literatur zwischen den Kulturen zu vermitteln vermag. Ich habe deshalb Texte von vier in Deutschland lebenden und schreibenden Autoren analysiert, nämlich Sten Nadolny, Emine Sevgi Özdamar, Rafik Schami und Wladimir Kaminer. In den Texten geht es darum, wie die Protagonisten ihre Umwelt im Spannungsfeld zwischen ihrer und der deutschen Kultur betrachten. Es sind Texte, in denen man viel über andere Kulturen lernt, die einen aber auch über die eigene Kultur nachdenklich stimmen lassen. Das finde ich sehr wichtig für das gegenseitige Verständnis und ich bin überzeugt, dass eine solche Literatur sehr gut im Schulunterricht und in interkulturellen Trainings eingesetzt werden könnte.

Wie kamen Sie auf das Thema?

Nathalie Da ich sowohl in meinem privaten als auch in meinem beruflichen Umfeld tagtäglich mit Angehörigen vieler Kulturen in Kontakt bin, ist Interkulturalität für mich sozusagen gelebter Alltag. Außerdem wird das Thema Migration ja derzeit, insbesondere aufgrund der Flüchtlingswellen der letzten Jahre, wieder viel diskutiert. Ich hatte das Bedürfnis, einen positiven Beitrag zu aktuellen Debatten zu leisten, indem ich die Sichtweisen jener Menschen aufzeigte, die aus den unterschiedlichsten Gründen zu uns kommen, damit wir unser eigenes Kulturverständnis kritischer betrachten. Das Potenzial interkultureller Literatur liegt insbesondere darin, dass sie gesellschaftliche Phänomene aus verschiedenen Perspektiven begreiflich macht.

Migration ist ja mittlerweile zu einem Reizwort geworden, mit dem einige Politiker Angstkampagnen führen. Eine gefährliche Entwicklung?

Nathalie Wenn Angstmacherei über dem Dialog steht, ist das immer gefährlich für eine Gesellschaft. Die andauernde Nutzung von Stereotypen und Vorurteilen ist es auch. Politiker, die fortlaufend Bilder einer Nation propagieren, verkennen, dass sich Kulturen entwickeln. Im Zuge der Globalisierung hat jeder Mensch ohnehin so viele Kulturen in sich aufgenommen, dass nationale Kulturstandards heute kaum noch der Realität entsprechen.

Weshalb haben Sie sich für einen trinationalen Masterstudiengang entschieden?

Nathalie Ich fand es interessant, in verschiedenen Ländern studieren zu können und mir gefiel die proeuropäische und internationale Ausrichtung dieses Studiengangs. Auch war das Programm sehr interdisziplinär gestaltet, indem es sowohl Wirtschafts- als auch Kulturwissenschaften vereinte. Es war eine Erfahrung, die mir fachübergreifende Kenntnisse verschafft hat, was auch für meinen beruflichen Werdegang von großem Vorteil ist. Zwar erfordert das Studium eine hohe Mobilität und Flexibilität, aber dafür werden die Studierenden mit einem trinationalen Diplom belohnt, was ihnen insbesondere auf dem grenzüberschreitenden und europäischen Arbeitsmarkt erhebliche Vorteile verschafft.

Wie war das eigentlich mit dem Exzellenzpreis? Wie wird man ausgewählt?

Nathalie Zunächst muss man sich bewerben. Erforderlich ist ein Motivationsschreiben, eine Zusammenfassung der Masterarbeit und ein persönlicher Erfahrungsbericht über das Studienprogramm. Die Dokumente müssen allesamt in Deutsch und Französisch eingereicht werden. Dann befindet eine Jury aus allen beteiligten Institutionen über die Bewerbungen. Ich glaube es waren rund 100 im letzten Jahr.

Was planen Sie für die Zukunft? Möchten Sie Ihr Master-Thema noch vertiefen?

Nathalie Ich hätte auf jeden Fall früher oder später das Bestreben, das Thema in einer Doktorarbeit weiter zu vertiefen. Nun konnte ich in meiner Masterarbeit zwar aufzeigen, dass interkultureller Literatur ein kulturvermittelndes Potenzial beigemessen werden kann, aber es bedarf natürlich praxisorientierter Forschungen und der Erarbeitung von Lernmaterialen, um dieses auch konkret belegen zu können.