LUXEMBURG
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Was wir von Leistungssportlern lernen können - Sportmediziner Ingo Froböse im Trifolion

Lieber moppelig und fit, statt schlank und unfit“: Der Sportmediziner Ingo Froböse hält es zwar für wichtig, sich fit zu halten. Wenn man aber trotzdem zu viel auf die Waage bringt, sei das nicht so schlimm. „Hauptsache ist, man bewegt sich - Zeit, die man sich einfach nehmen muss“, findet der Professor, der an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) tätig ist: „Denn unser Problem ist nicht, dass wir zu viel arbeiten. Es ist vielmehr so, dass mittlerweile die Zeit darüber hinaus für uns viel zu stressig geworden ist.“ In seinem spannenden und auch unterhaltsamen Vortrag im Trifolion wies der Gesundheitsexperte daher auf die große Bedeutung der „richtigen“ Pause hin - „denn für Arbeitnehmer gilt genauso wie für Spitzensportler: Wenn Du es nicht schaffst, nach einer Belastung eine ausreichend lange Pause einzulegen, verlierst Du an Vitalität und Lebensqualität.“

Ausreden gibt es keine

Was entgegnet Froböse denen, die sagen, dass sie gerne mehr Sport treiben würden, aber ihnen die Zeit fehle? „Das lasse ich überhaupt nicht gelten. Viele, die das sagen, gucken, beginnend am Freitagabend, stundenlang Sport im Fernsehen. Gucken ja, aber auch machen: Nein!“ Es gäbe viele Möglichkeiten, sich im Alltag mehr zu bewegen. Statt zum Beispiel minutenlang auf den Fahrstuhl zu warten, „könnte man ja mal Treppen steigen.“

So kann jeder vom Spitzensport einiges lernen: „Vor dem Sport gibt es das Warm-up, danach das Cool-down“, erklärt Froböse im „Journal“-Interview. Beides sei äußerst wichtig. Auf unseren Alltag übertragen bedeute das: „Stress erzeugt Hitze - und diese Hitze muss wieder raus aus dem Körper. Erst dann kommt man tatsächlich zur Ruhe und regeneriert aktiv“, sagt Froböse. Daher wäre es ein großer Fehler, sich nach der Arbeit direkt vor den Fernseher zu legen. „Dann regeneriert man nicht gut, weil der Stress und die Hitze nicht aus Körper und Geist kommen“, warnt der Gesundheitsexperte.

Couch und Chips sind keine Entspannung

Er verweist wieder auf den Spitzensport. „Die Sportler belasten sich in Training und Wettkampf bis an die Grenze des Machbaren. Mit diesen Belastungen wird der Organismus nur fertig, wenn er ausreichende und erholsame Pausen bekommt - und nur mit diesen Pausen wird ein Sportler besser“, erläutert Froböse. Hört sich alles sehr gut an, doch es muss auch umgesetzt werden. Denn theoretisch wissen die meisten Menschen, dass Stress und Druck Körper und Seele nicht guttun. Und doch fehle diesen Menschen - trotz entsprechender Kenntnis - der Antrieb, Sport zu treiben oder bei Druck im Job gegenzusteuern.

Denn Ausreden haben viele und immer: Nieselwetter, Kälte, Müdigkeit ... angefangen beim „inneren Schweinehund“. Doch diesen Schweinehund habe er auch, verrät Froböse. „Doch in habe ihn dressiert. Ab und zu sagt er mir: ,Nu‘ komm, heute nicht‘ - und ich gebe ihm dann auch recht. Aber in den meisten Fällen sage ich ihm doch, dass er sich zurückhalten soll.“ Denn es ist bekannt: „Durch den Stress ist nicht der Körper erschöpft, sondern man ist mental ausgelaugt“, sagt der Sportwissenschaftler.

Um sich dann zu entspannen, bräuchten Körper und Seele keine Chips auf der Couch, sondern Bewegung, um die vorherige Belastung abzubauen. Nur so schöpften Körper und Seele neue Kraft. „Dafür braucht es nicht viel“, erklärt Froböse. „Wer Stress im Büro hat, der soll zwischendurch die Treppe viermal hoch und wieder runter gehen.“ Am Abend hilft es, eine halbe Stunde stramm spazieren zu gehen. Froböse selbst ist viel unterwegs, sein Tag sei sehr durchgetaktet. Sein Trick: „Ich gehe möglichst viele Wege zu Fuß oder steige ein ganzes Stück vor dem Ziel aus dem Taxi aus“, erklärt er. So setze er ein klares Zeichen gegen die Trägheit, damit man nicht lethargisch werde. Der Körper funke deutliche Signale, denn auf Dauer leidet sonst die Gesundheit. „Kopf- und Rückenschmerzen, Zähneknirschen in der Nacht, Schlafstörungen, man kann nicht abschalten...“

Pausenphasen seien also kein lästiges Übel, „sondern der Mensch regeneriert in dieser Zeit, baut Belastung ab, durch die Pausen sind man wieder erfrischt, man schläft besser und ist bereit für neue Taten.“ Daher der Rat des Sportexperten: „Alle 90 Minuten sollte man eine kurze Pause einlegen!“ Eine gute Pause beinhalte zudem die richtige Ernährung und gesunden Schlaf, denn Regeneration bedeute, dass die inneren Organe am nächsten Morgen zu einer gemeinsamen Melodie gefunden haben müssen, die man anhören kann“, sagt Froböse.