DÜDELINGEN
CORDELIA CHATON

Was macht die Chefin der „Integrated Biobank of Luxembourg“ eigentlich? Und was befindet sich in ihrer Bank?

Dr. Catherine Larue, CEO der „Integrated Biobank of Luxembourg“ (IBBL), gehört zu den Koryphäen in ihrem Bereich. Hier erzählt sie, was sie mit dem Institut noch vor hat und welche Erfolge sie schon vorweisen kann.

Frau Dr. Larue, Sie haben eine internationale Karriere bei Pharmafirmen in Frankreich und den USA hinter sich. Wie sind sie hergekommen?

Dr. Catherine Larue Heute bin ich auf den Tag genau sechs Jahre hier. Und ich muss sagen, dass dies der interessanteste Job außer meinem ersten ist. Hergekommen bin ich durch einen Headhunter. Die Regierung hier in Luxemburg hat vor zehn Jahren darauf gesetzt und sie hat uns auch sehr stark begleitet. Wir wiederum haben einen strategischen Plan entwickelt und umgesetzt - und das ist jetzt das Resultat.

Was haben Sie bislang erreicht?

Dr. Larue Den damaligen verantwortlichen Ministern François Biltgen und Mars Di Bartolomeo war es wichtig, dass es eine klare Strategie und mehr Sichtbarkeit für Luxemburg gibt. Denn nach der Finanzkrise 2008/2009 wollte die neue Regierung diversifizieren und nicht mehr nur vom Finanzsektor abhängig sein. Das hatte Einfluss auf unseren Plan, der sich in vier Bereiche aufteilte: Erstens: Die Forschung und Entwicklung in Luxemburg zu unterstützen, zweitens Verträge und insbesondere Ausschreibungen in der EU zu gewinnen. Hier kann ich unterstreichen, dass wir mit einer Erfolgsquote von 50 Prozent rund zehn Mal höher liegen als der Durchschnitt in der EU. Drittens ist es wichtig, unser Wissen um menschliche Proben weiter zu verbessern. Das kann Blut, Urin, Stuhl, Speichel, Haar oder Gewebe sein. Wir publizieren alle Ergebnisse, damit alle anderen in der Forschungsgemeinschaft davon profitieren können, doch das gibt uns auch eine Nasenlänge Vorsprung. Bei uns gibt es die Möglichkeit, Proben bei -80 Grad Celsius tief zu frieren oder bei -1.960 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff zu lagern. Das Ziel ist es, sie später Forschern weitergeben zu können, damit sie neue Diagnose-Marker testen oder Medikamente entdecken können.

Wir garantieren die beste Auswahl, Lagerung und Behandlung der Proben. Theoretisch ist eine gute Biobank immer leer, aber das trifft natürlich auf keine zu. Diese Lagerung ist unser viertes Standbein. Darüber hinaus bieten wir Dienstleistungen rund um die Proben an; dies ist der vierte Bereich unserer Tätigkeit.

Wie werden sie finanziert?

Dr. Larue Rund 80 bis 85 Prozent des Budgets der IBBL werden durch das Hochschul- und Forschungsministerium finanziert. Deshalb werden wir alle vier Jahre auditiert und unser Dienstleistungsvertrag wird anhand der Leistungsparameter erneuert. Wir müssen Qualitätskriterien im Krebsprogramm nachweisen und haben von Anfang an Kriterien eingeführt. Transparenz und Ethik sind essentiell, Patienten und Teilnehmer müssen beispielsweise einverstanden sein mit der Weiterverwendung ihrer Proben. Darüber hinaus wirken wir beim nationalen Krebs- und Parkinsonprogramm mit. Die übrigen 15 bis 25 Prozent unserer Kosten kommen aus Mitteln der EU-Kommission, des „Fonds National de la Recherche“ sowie aus verschiedenen Dienstleistungsverträgen.

Was bringt es Luxemburg, eine IBBL zu haben?

Dr. Larue Wir fördern Forschung auf höchstem Niveau durch Top-Proben. Wenn Proben schlecht abgenommen, gesammelt, dokumentiert oder gelagert werden, dann haben Sie nie gute Ergebnisse. Deshalb ist das so wichtig. Wir arbeiten darüber hinaus mit Prof. Balling vom „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ zusammen sowie mit dem „Luxembourg Institute of Health“ und der Universität; insbesondere bei den Bereichen Parkinson- und Krebsforschung. Das Daten-Zentrum wurde zeitgleich mit der IBBL gegründet. Jetzt endet im Dezember die erste Phase des ersten nationalen Krebsplans, an dem wir viel mitgewirkt haben. Darüber hinaus hat der „Fonds National de la Recherche“ 2015 ein Nationales Exzellenzzentrum für Parkinsonforschung gegründet, für das unser Beitrag durch die Forschungsresultate anerkannt ist. Dahinter steht immer noch das Ziel der personalisierten Medizin.

Welche Pläne haben Sie für die IBBL?

Dr. Larue Wir überprüfen jährlich alle Prozesse, damit die Gouvernance stimmt. Das läuft in Vier-Jahres-Zyklen. Ab April 2019 würde ich gern über eine disruptive Vision nachdenken, um die Medizin von morgen zu unterstützen. Dazu will ich Fachleute zu einem Rundtischgespräch einladen und mit ihnen über die Bedürfnisse der Medizin von morgen reden, denn das Metier wird sich sehr verändern; denken Sie an künstliche Intelligenz und höhere Lebenserwartung. Wer weiß, vielleicht werden unsere Proben aus Nancy bald von Drohnen eingeflogen? Wir werden ein Brainstorming zur Vision 2050 zu diesen Themen organisieren. Danach konzentrieren wir uns auf eine naheliegendere Vision von 2025-2030. Das erlaubt uns abzusehen, welche Kompetenzen wir brauchen und wie wir uns auf die kommenden fünf bis zehn Jahre vorbereiten.

Haben Sie eine persönliche Vision?

Dr. Larue Heute braucht man für die Proteinanalyse, die Genanalyse und vieles mehr eine Blutabnahme. Ich träume von einer Analyse, die diese lange Etappe überflüssig macht oder wenigstens abkürzt: So etwas wie ein Mini-Spektrometer, so groß wie der Chip im Handy, das ständig misst und bei Bedarf direkt die Ambulanz ruft, wenn jemand einen Infarkt hat. Schon jetzt gibt es Uhren, die unsere Schritte und unseren Herzschlag messen. Warum sollte das also nicht möglich sein? Man könnte vielleicht schon bei Neugeborenen eine umfassende Sequenzierung der DNA durchführen. Erst kürzlich hat man die Bedeutung der Mikrobiome für die Gesundheit erkannt. Das lässt sich nutzen; beispielsweise für die Ernährung von Astronauten, aber vor allem für uns Erdbewohner bei der Erkennung und Bekämpfung von Krankheiten.

Wie war es für Sie als Französin nach Luxemburg zu kommen?

Dr. Larue Am Anfang haben meine Freunde sich ein bisschen darüber lustig gemacht. Aber als die ersten Leute hierher zu Besuch gekommen sind, haben sie verstanden, dass es genial ist: Ein sauberes, kulturell interessantes Land mit charmanten, höflichen Menschen und vor allem mit einer internationalen Kultur. Tatsächlich hatte keiner so richtig eine Vorstellung. Darüber hinaus lebe ich gern hier. Für meine Arbeit schätze ich die kurzen Wege zwischen politischen Entscheidern und Leitern der Institute. So etwas wäre in Frankreich undenkbar.