Er ist Restaurantleiter, Traiteur und Chef der luxemburgischen Koch-Nationalmannschaft - und ganz nebenbei schaut er auch noch auf dem familieneigenen Campingplatz nach dem Rechten: Ben Weber hat einige Baustellen, auf denen er sich aber überall äußerst wohlfühlt.
Locker mit Baseball-Kappe erscheint der fast 28-Jährige zum Gespräch in seinem Restaurant „Gudde Kascht“ in Haller. Zwei Termine hat er da um 10.00 bereits hinter sich gebracht - und ist schon in einem seiner vielen Elemente. Er serviert Kaffee und ein Stück selbstgebackenen Kuchen mit Früchte aus der Region, „und das schmeckt man auch…“, sagt Weber.
Was gibt es denn heute Mittag bei Ben Weber zu essen?
Ben Weber Ich werde nicht großartig dazu kommen, wohl leider nichts. Ich bin in den Vorbereitungen zu einem großen VIP-Catering anlässlich des eLake in Echternach…
Wie sind Sie zum Beruf Koch gekommen?
Weber Das stand bei mir schon im Alter von sieben Jahren fest, wobei ich eigentlich ‚K-K-K‘ werden wollte: Koch, Künstler und Komiker...
...und heute sind Sie Restaurantleiter, Traiteur, Buchautor, Unternehmer und Chef der luxemburgischen Koch-Nationalmannschaft…
Weber Ja, man muss arbeiten, um etwas zu erreichen - da gilt, nur wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt - aber es macht sehr viel Spaß.
Wenn man Sie jetzt fragen würde, was Sie genau von Beruf sind...
Weber ...dann kann ich das so gar nicht sagen, denn die Bezeichnung gibt es nicht. (schmunzelt beim Kuchen essen)
Wie ging es dann mit dem Kochen bei Ihnen weiter?
Weber Nach der Hotelschule habe ich meine Meisterprüfung gemacht und viele Schnupperkurse besucht. Da ich mit der Nationalmannschaft,bei der ich nun schon über zehn Jahre aktiv bin, auch sehr viel herumgekommen bin, habe ich aus vielen Ländern Inspirationen mitgebracht. Man kann sich sicherlich viel selbst aneignen, aber es ist doch besser, wenn man jemanden hat, der einem zeigt, wie es geht. Längere Auslandsaufenthalte haben sich leider noch nicht ergeben. Es muss ja auch nach dem Betrieb geschaut werden.
Den gibt es beim elterlichen Campingplatz in Haller.
Weber Ja; seit etwa fünf Jahren, da hab ich mit einer kleinen Karte als Bistro angefangen. Dann kam eine kleine Pause. Vor drei Jahren habe ich dann den Mut zusammengenommen und Personal für ein Restaurant eingestellt.
Wie sieht denn für Sie ein normales Arbeitstag aus?
Weber Der kann auch schon mal um 4.00 beginnen. Dann wird das Brot für unsere Campingäste gebacken - und der Arbeitstag kann dann auch bis 2.00 in der Nacht gehen, bis ich alles im Restaurant erledigt habe.
Können Sie eigentlich im Urlaub so zwei Wochen richtig abschalten?
Weber Zwei Wochen? Höchstens eine Stunde - und dafür muss ich mich sechs Stunden vorbereiten. Ich kann das nicht. Aber ich bin dabei, vieles etwas umzuorganisieren. Ich möchte schon etwas mehr Leben für mich haben, aber das Umfeld muss es dann auch verstehen: Dafür bin ich dabei, einiges umzustrukturieren, zum Beispiel auch durch einen optimierten Einsatz von Maschinen. Aber egal wie: Die Qualität darf nie zu kurz kommen - bei mir wird alles frisch verarbeitet. Das geht kostengünstig. Ein Drei-Gang-Menü gibt es im Restaurant „Gudde Kascht“ für 37 Euro.
Das bedeutet?
Weber Das ist dann einer der Punkte im Restaurant: Wenn ich am Sonntag nur noch sechs Portionen Fisch habe, dann sind am Samstag viele Portionen verkauft worden. Ich habe aber dann nicht mehr, und der Kunde muss verstehen, dass ich keine Tiefkühlkost präsentiere. Die Qualität muss stimmen: Deshalb mache ich ja auch regelmäßig Schulungen und auch Degustationen mit dem Personal, da,it sie wissen, worüber sie reden. Und dabei ist mir auch der Punkt der Nachhaltigkeit sehr wichtig - Produkte aus der Region, so viel es nur geht.
Was planen Sie noch in der Zukunft?
Weber Da habe ich sehr viele Ideen. Was die Küche angeht, so will ich viel mehr mit dem Gast und bei dem Gast präsentieren - und dafür wird in meiner Küche auch sehr viel experimentiert - ganz nach dem Motto: Das Auge isst mit! Gerne würde ich hier etwas umbauen. Auch der Traum von einem Hotel im Grünen habe ich, vielleicht mit einem Eventangebot oder Wanderungen gepaart. Einfach optimal Natur und Gastronomie verbinden, das wäre schon schön.
Die Natur ist also sehr wichtig für Sie?
Weber Ich habe einmal eine kurze Zeit in Luxemburg-Stadt gewohnt. Aber das war nichts für mich. Ich brauche die Natur, die Vögel - das ist für mich Heimat. Wir haben jetzt erst einen neuen Spielplatz bei uns gebaut, aus nachhaltigem Holz: Bäume bestellt, geschält - alles selbst gebaut!



