LUXEMBURGSVEN WOHL

Spielkritik: SimCity

Wer es als Kind stets gehasst hat, seinen Sandkasten mit anderen teilen zu müssen, der wird auch „SimCity“ nicht mögen. Zwar kann keines der anderen Kinder rüber kommen und die eigene Sandburg zertreten, aber trotzdem ist die sozial getriebene Spielerfahrung bei „SimCity“ alles andere als optimal. Der Online-Zwang versaut eine ansonsten sehr solide Simulation.

Schreckliche neue Onlinewelt

Bei „SimCity“ ist der Name Programm: Den Spielern werden hier zahlreiche Möglichkeiten zur Hand gegeben, um ihre eigene simulierte Stadt zu bauen. Das Urgestein des Simulationsgenres ist eine feste Größe seit Ende der 1980er Jahre, war jedoch ein ganzes Jahrzehnt über ziemlich von der Bildfläche verschwunden. Mit dem aktuellen Titel soll, wie die Namensgebung bereits vermuten lässt, die Serie auf ein Neues gestartet werden. Dieses Mal liegt der Schwerpunkt auf Online-Spielen. Und mit „Schwerpunkt“ ist hier „Zwang“ gemeint. Denn „SimCity“ erlaubt es einem nicht mehr Offline zu spielen. Zwar kann man eine private Partie aufmachen, an der sich nicht einfach jeder beteiligen kann, jedoch muss man trotzdem Online bleiben. Wenn die Server nicht erreichbar sind, oder diese mal wieder Probleme bereiten, kann nicht gespielt werden. Die schlimmste Art des Kopierschutzes.

Das Argument der Entwickler für diesen Onlinezwang sind die neuen sozialen Komponenten des Spiels. Denn die Städte sind nicht mehr isoliert, sondern befinden sich in Regionen, wo jeder Spieler seine eigene Stadt aufbauen kann und es möglich ist, Dienste, Waren und Personen auszutauschen. Wer beispielsweise zu wenig Geld für ein neues Atomkraftwerk hat, kann einfach den Strom beim Nachbarn einkaufen. Das klingt zunächst einmal ganz toll, bis man bedenkt, dass rein zufällig Personen in die Region rein kommen und ihre Städte nach Belieben aufbauen. Wenn die Kommunikation fehlschlägt, oder diese Person nach ein oder zwei Tagen schlicht das Interesse an der Stadt verliert, ist die Region so ziemlich gescheitert. Wer eine Gruppe von Freunden hat, die ebenfalls „SimCity“ spielen, kann sich hingegen über interessante Interaktionsmöglichkeiten freuen.

Großstädtchen-Plantage

Dies hat noch eine weitere Auswirkung auf den eigentlichen Städtebau. Denn mit den Regionen wird automatisch auch die Größe der Städte mitbestimmt. Und die ist reichlich begrenzt, so dass schon frühzeitig eine Spezialisierung der jeweiligen Stadt gewählt werden muss, damit die Region davon profitieren kann. Kurz, das Online-Problem zieht sich durch den gesamten Aufbau der Mechanismen. Diese sind eigentlich gar nicht schlecht: SimCity ist leicht zugänglich und komplex, sieht gut aus und hört sich gut an. Nur schade, dass man es nur dann spielen kann, wenn die Server bei Electronic Arts vernünftig laufen und die eigene Internetverbindung stabil ist (Erhältlich auf Origin und bei „Le Reservoir“ für 50 Euro).