LUXEMBURG
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Rund um das Thema Stottern herrschen viele falsche Annahmen

Ist es vererbbar oder psychisch bedingt? Wie wird man es wieder los? Wer Stotterern gegenüber steht, stellt sich öfter solche Fragen. Die „deutsche Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V.“ hat typische Fragen beantwortet, die wir hier mit freundlicher Genehmigung übernehmen.

Was ist die Ursache des Stotterns?

Leider sind die Ursachen von Stottern bisher noch nicht ausreichend erforscht. Erklärungen von Laien, wie zum Beispiel die Kinder denken schneller als sie sprechen, sie haben einen stotternden Menschen nachgeahmt, sie sind besonders nervös, sie wollen Aufmerksamkeit erzielen oder sie haben einfach eine träge Zunge, treffen jedoch nicht zu. Die meisten stotternden Menschen haben vermutlich eine Veranlagung zum Stottern, dazu kommen dann auslösende und aufrechterhaltende Faktoren. Stottern entsteht in einer Zeit, in der sich das Kind körperlich, geistig, emotional und sprachlich am schnellsten entwickelt. Viele Einflüsse aus dem körperlichen, dem psychischen, dem sprachlichen und dem sozialen Bereich können bei der Entstehung eine Rolle spielen.

In der weiteren Entwicklung des Stotterns wächst die Anstrengung beim Sprechen und das Kind versucht, Stottern zu vermeiden. Es können negative Gefühle und Einstellungen gegenüber dem Sprechen entstehen. Teufelskreise aus Angst und Vermeidung sowie aus Anstrengung und Frustration erhalten dann das Stottern aufrecht oder verstärken es noch.

In welchem Alter beginnt Stottern und wie viele Menschen sind betroffen?

Das Stottern beginnt meist ohne offensichtlichen Anlass im Alter zwischen zwei und fünf Jahren, selten auch noch später. Zuvor hat das Kind bereits eine Zeit lang flüssig gesprochen. Bei fünf Prozent aller Kinder entwickelt sich zunächst Stottern. Von diesen Kindern sprechen insgesamt vier Fünftel bis zur Pubertät wieder flüssig. Es lässt sich bislang nicht vorhersagen, welche Kinder das Stottern wieder verlieren und bei welchen es bestehen bleibt. Etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen beginnen zu stottern. Mädchen verlieren das Stottern häufiger wieder, wodurch das Verhältnis auf 5:1 anwächst. Bei Erwachsenen schätzt man, dass ein Prozent stottert. Bei Erwachsenen verliert sich das Stottern nur noch in seltenen Fällen vollständig.

Beruht Stottern auf psychischen Problemen?

Nein. Stotternde Kinder und ihre Eltern unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit und ihrem Umgang miteinander nicht von der übrigen Bevölkerung. Es gibt keine typische „Stotterer"-Persönlichkeit und keine typischen „Stotterer"-Familien. Stotternde Menschen sind nicht nervöser, ängstlicher oder gehemmter als normal sprechende, nur weil sie stottern. Stotternde Menschen sind auch nicht weniger intelligent. Stottern ist eine Störung des Sprechablaufs. Die Gefühlslage eines Menschen und das Stottern können sich allerdings in hohem Maße gegenseitig beeinflussen.

Wird Stottern vererbt?

Stotternde Menschen haben im Vergleich zu nicht stotternden etwa dreimal häufiger Verwandte, die ebenfalls stottern. Stotternde Frauen haben häufiger stotternde Kinder als stotternde Männer. Zwillingsstudien haben ergeben, dass bei eineiigen Zwillingen (identisches Erbgut) häufiger beide Zwillinge stottern als bei zweieiigen Zwillingen (unterschiedliches Erbgut). All dies spricht dafür, dass ein Erbfaktor bei der Entstehung des Stotterns eine Rolle spielt. Stottern wird jedoch nicht direkt vererbt, sondern vermutlich wird eine Veranlagung zum Stottern weitergegeben. Damit ist eine Bereitschaft des Körpers gemeint, die zum Stottern führen kann, aber nicht muss. Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Durchschnitt 70 bis 80 Prozent der Wahrscheinlichkeit, ob ein Kind stottert, genetisch bedingt ist, während Einflüsse aus der Umgebung hierzu 20 bis 30 Prozent beitragen.

Können Eltern das Stottern ihres Kindes verursacht haben?

Es gibt darauf keinerlei Hinweise. Stottern entsteht aus dem Zusammenspiel dreier Einflussbereiche: Einer Veranlagung zum Stottern, einem Auslöser, der das Stottern auftreten lassen kann, und aufrechterhaltenden Bedingungen, die dafür sorgen, dass das Stottern bestehen bleibt und sich weiterentwickelt. Man kann also nicht von der Verursachung des Stotterns sprechen.

 

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