WOLFSBURG
RALF E. KRÜGER, MARCO HADEM (DPA)

Das monatelange Rätseln um die Führung des VW-Konzerns hat ein Ende

Der Chef und sein wichtigster Mann als neues Tandem an der Spitze von Volkswagen: Der bisherige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll künftig gemeinsam mit Konzernchef Martin Winterkorn bei Europas größtem Autobauer den Ton angeben. Damit steuert die lange Nachfolger-Suche für den geschassten Patriarchen Ferdinand Piëch auf ihr Ende zu. Im November würde der ebenso wie Piëch aus Österreich stammende Pötsch bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung an die Spitze des Kontrollgremiums gewählt.

Kompromisskandidat

Das von Gerüchten getriebene Personalkarussell würde damit abrupt gestoppt - und Vorstandschef Martin Winterkorn künftig von seinem früheren Vorstandskollegen kontrolliert werden. Doch warum Pötsch? Der Entscheidung des VW-Präsidiums sind hinter den Kulissen viele Gespräche vorausgegangen. Dabei konnten sich die Familien Piëch und Porsche nach dpa-Informationen nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten aus den eigenen Reihen einigen. Weder Wolfgang Porsche noch andere Nachfahren des berühmten Autokonstrukteurs konnten überzeugt werden, Piëch im Amt zu beerben. Also musste kurzerhand die Suche ausgedehnt werden.

Doch weder der frühere Top-Manager von BMW und Ford, Wolfgang Hans Reitzle, ein enger Freund von Piëch, noch Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie fanden eine Mehrheit im Nominierungsausschuss. Daraufhin besann man sich im Konzern auf interne Lösungen. Mit Erfolg, wie es scheint. Die Suche brachte am Ende die Lösung: Denn mit Hans-Dieter Pötsch können alle Seiten gut Leben: Die Familien Piëch und Porsche ebenso wie die Anteilseigner um Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und die Arbeitnehmer um Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh.

Dem Österreicher wird zudem zugeschrieben, keine unnötigen Reibungspunkte mit Konzernchef Martin Winterkorn zu haben. Pötschs Personalie berge auch kaum Konfliktpotenzial, mit ihm könne die seit dem Machtkampf von Piëch und Winterkorn so ersehnte Ruhe im Konzern wieder einkehren. „Pötsch ist grundsätzlich eine gute Wahl“, sagt der NordLB-Analyst Frank Schwope, „er hat bei Volkswagen bisher eine präzise Arbeit abgeliefert und kennt den Konzern.“

Hinzu kommt Rückhalt bei den Mehrheitseignern. Der Aufsichtsratschef der Porsche-Holding, Wolfgang Porsche, ist Ferdinand Piëchs Cousin. Früh hatte Porsche sich in dem von Piëch im April angezettelten Machtkampf mit Winterkorn hinter den VW-Chef gestellt. Nach dem Abgang von Piëch ist der ruhig und besonnen auftretende Wolfgang Porsche die ordnende Kraft auf der Kapitalseite. Nun hat er erneut eingegriffen, um mit der Nominierung von Pötsch die Zukunft des Konzerns zu entscheiden. Es sei allerdings „ein Konsens aller Anteilseigner“, gewesen, sagte ein Sprecher der Porsche Holding. Damit dürfte die Nominierung auch das Okay von Ferdinand Piëch gehabt haben, der nach wie vor seine Anteile an der Porsche Holding hält. Pötsch kennt zudem die Herausforderungen, die auf ihn zukommen. „Wir kämpfen um jeden Euro“, hatte der Herr der Konzernfinanzen Ende Juli noch zu den Produktionskosten erklärt.