LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Vor 120 Jahren wurde Alfred Hitchcock geboren

Unumstritten gilt er bis heute als einer der größten Regisseure aller Zeiten. Als Meister seines Fachs hat er das Genre des Thrillers geprägt wie kein anderer. Alfred Hitchcock verstand es, ein ganz neues Gefühl des Unbehagens zu erzeugen und die Spannung bis ins Unermessliche zu steigern. Dies brachte ihm letztlich den Titel als „Master of Suspense“ ein.

Vor 120 Jahren, am 13. August 1899, wurde Alfred Joseph Hitchcock in London geboren. Obwohl er das dritte Kind von William Hitchcock und Emma Jane Whelan war, war seine Kindheit von Einsamkeit geprägt. Weder verstand er sich sonderlich gut mit seinen Geschwistern, noch hatte er wirklich Freunde. Seine Körperfülle machte ihn als Kind oft zum Opfer von Gespött durch Gleichaltrige. Mit 14 verließ er die Jesuitenschule und lernte technisches Zeichen in Abendkursen.

Anfänge als technischer Zeichner

Mit Anfang 20 kam er in Kontakt mit der Filmbranche, dies als technischer Zeichner bei dem Londoner Filmstudio „Famous Players-Lasky“, wo er anfangs Zwischentitel für Stummfilme gestaltete. Später sammelte er Erfahrung als Gestalter von Szenebildern, bis er schließlich seinen ersten eigenen Film machen durfte: „Number 13“ (1922). Sein Regiedebüt konnte aufgrund finanzieller Engpässe des Filmstudios aber nicht vollendet werden. Die darauffolgenden Jahre war Hitch, wie er sich selbst schon früh nannte, weiter als Szenenbildner aktiv, etwa für den britischen Regisseur Graham Cutts. 1925 übertrug ihm Michael Balcon die Regie für einen eigenen Film: Das Melodram „Irrgarten der Leidenschaft“, das aber in Großbritannien nicht veröffentlicht wurde, ebenso wenig wie „Der Bergadler“ (1926). Beide Filme liefen derweil in den deutschen Kinos.  „Der Bergadler“ ist übrigens der einzige von Hitchcocks Filmen, der nicht mehr erhalten ist.

Mit dem Thriller „Der Mieter“ (1926) gelang ihm dann aber der Durchbruch als Regisseur. Gleichzeitig hatte er sein Thema gefunden, das des unschuldig Verfolgten: In dem Film ging es um einen Einzelgänger, der fälschlicherweise verdächtigt wird, ein Serienmörder zu sein. Es folgten weitere Stummfilme, die er durch Toneffekte aufzuwerten verstand. Den ersten Höhepunkt seines Schaffens erreichte er mit dem Spionagethriller „Der Mann, der zuviel wußte“ (1934). Angst, Schuld und Identitätsverlust waren Motive, die stets in seinen Filmen wiederkehrten. Spannung verstand er mit Humor zu verbinden.

Einstand in Hollywood

Ende der 1930er Jahre wurde der amerikanische Produzent David O. Selznick auf den britischen Filmemacher aufmerksam. Wenig später feierte er mit dem Thriller-Drama „Rebecca“ (1940) seinen Einstand in Hollywood. Der Film, der in elf Kategorien für einen Oscar nominiert war, gewann die Preise für den besten Film - den aber nicht Hitchcock, sondern der Produzent David O. Selznick entgegennehmen durfte - und die beste Kamera in einem Schwarzweißfilm.

Apropos Academy Award: Sechsmal wurde Hitchcock für den Oscar nominiert, fünfmal für die Beste Regie („Rebecca“, 1941; „Das Rettungsboot“, 1944; „Ich kämpfe um dich“, 1945; „Das Fenster zum Hof“, 1954, „Psycho“, 1960) und einmal als Produzent für den Besten Film („Verdacht“, 1942). Allerdings ging er jedes Mal leer aus. 1968 bekam er immerhin den „Irving G. Thalberg Memorial Award“, der seit 1938 an besonders kreative Filmproduzenten vergeben wird, die sich durch langjähriges Bemühen um hohe künstlerische Qualität hervorgetan haben. Der Preis wird stets anlässlich der Oscarverleihung überreicht. „Thank you. Very much indeed“, sagte Hitchcock, als er die Auszeichnung in Empfang nahm. Es war die kürzeste Dankesrede aller Zeiten. Vier Jahre später, 1972, konnte er außerdem den Golden Globe, beziehungsweise den „Cecil B. DeMille Award“ für sein Lebenswerk entgegen nehmen. Am 29. April 1980 starb er in Los Angeles.

Bis heute unvergessene Schocker

Mehr als 50 Spielfilme hat Hitchcock letztlich in seiner Karriere gedreht. Angefangen mit schicksalhaften Melodramen und romantischen Thrillern folgten schließlich die Schocker, die ihn berühmt machten: „Vertigo“ (1958), „Psycho“ (1960), „Die Vögel“ (1963) und „Marnie“ (1964) haben Generationen von Filmemachern beeinflusst. „Ich will sicher sein, dass es den Leuten Spaß macht, wenn ich ihnen Furcht bereite“, hat der Kultregisseur einmal selbst gesagt. „Spaß“ machen die Hitchcock-Klassiker bis heute.