LUXEMBURG
JEFF KARIER

Interview mit Pascale Link, Präsidentin von „Aidez-Moi à Voir Autrement“

Seit vielen Jahren setzt sich die a.s.b.l „Aidez-Moi à Voir Autrement“ (AMVA) für eine Sensibilisierung der Gesellschaft für die Herausforderungen und Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten ein. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die AMVA bereits viele Projekte ins Leben gerufen, die den Alltag für Blinde und Sehbehinderte erleichtern und das Verständnis von nicht Betroffenen steigern sollen. Die Präsidentin der AMVA, Pascale Link ist selbst seit ihrem 11. Lebensjahr blind und weiß deshalb, wo es Probleme gibt und versucht diese mit ihrem Team zu bekämpfen. Im Interview erzählt sie, welche Projekte die AMVA aktuell durchführt und welche in Zukunft noch geplant sind.

Frau Link, Sie gehen unter anderem in Schulen, um Kinder und das Lehrpersonal zu sensibilisieren. Wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Pascale Link Ich und mein Team versuchen, den Kindern die Thematik eher spielerisch und mit vielen verschiedenen Übungen nahe zu bringen. Wir besuchen Klassen, in denen auch ein oder mehrere blinde Kinder sind, aber auch Klassen ohne Blinde oder sehbehinderte Schüler. Aber wir beziehen auch das Lehrpersonal mit ein, denn die wenigsten wissen mit einem blinden Kind umzugehen. Ich habe das selbst als Kind erlebt und versuche, meine Erfahrungen in den Unterricht mit einfließen zu lassen. Damit die Kinder sich in eine blinde Person hineinversetzen können, verbinden wir ihnen die Augen, dann stellen wir ihnen verschiedenen Aufgaben, wie etwa Formen zu ertasten. Wir zeigen ihnen auch, wie man mit einem Blindenstock oder Blindenhund umgeht und bringen ihnen die Blindenschrift bei. Wir zeigen ihnen außerdem, wie man als Blinder einen Computer, Handy oder Tablet nutzen kann. In den drei Stunden, in denen wir in den Klassen sind, versuchen wir, ihnen möglichst viele Facetten des Blindseins zu zeigen, damit sie zumindest ansatzweise verstehen, wie das Leben eines Blinden aussieht.

Wie ist die Resonanz auf Ihr Schulprojekt?

Link Die Resonanz ist sehr positiv. Wir werden immer wieder von allen Seiten angesprochen und erhalten Briefe von Lehrern aber auch von Schülern, um in ihre Klasse zu kommen. Wir sind aber bereits für die nächsten zwei Jahre ausgebucht.

Werden Sie vom Staat in Ihrer Arbeit unterstützt oder finanzieren Sie sich lediglich über Spenden?

Link Wir haben mit dem Schulministerium gesprochen, die fanden unser Projekt zwar gut, aber eine finanzielle Unterstützung erhalten wir bisher nicht. Daher sind wir auf Spenden angewiesen. Was ich sehr schön finde ist aber, dass die Kinder, die wir besuchen, sogar Geld für uns sammeln.

Nun steht ein neues Projekt in den Startlöchern, eine Reihe von „Blind Dinner“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Link Seit einiger Zeit sind „Blind Dinner“ im Trend, also Essen, bei denen man meistens die Augen verbunden bekommt oder in einem dunklen Restaurant sitzt und nicht sieht, was man isst oder wer neben einem sitzt. Wir werden in wenigen Wochen ebenfalls ein solches „Blind Dinner“ organisieren, allerdings nicht nur zur Belustigung der Leute, sondern um ihnen zu vermitteln, wie sich ein Blinder in einem Restaurant fühlt. Unsere Gäste bekommen allerdings nicht die Augen verbunden, sondern sitzen in einem komplett dunklen Raum. Das Personal, das das Essen serviert, wird dabei nicht wie andernorts Nachtsichtgeräte tragen, sondern besteht aus Blinden. Auf diese Weise wird es für den Gast realistischer. Wenn man die Augen nur verbunden bekommt, dann gibt es immer welche, die mogeln. Das haben wir bereits bei einem „Blind Dinner“ in Bartringen festgestellt. Was wir aber auch gemerkt haben ist, dass die Gäste oft viel lockerer waren, als sie nichts gesehen haben, als nachdem sie die Augenbinden abgenommen hatten.

Wo und wann findet das „Blind Dinner“ statt?

Link Das erste „Blind Dinner“ wird vom 09. Juli bis zum 11. Juli in der Brasserie Soundcheck in Mertzig stattfinden. Wir haben uns für das Soundcheck entschieden, weil es einen Raum hat, den man komplett abdunkeln kann und weil darüber hinaus die Akustik dort hervorragend ist. Wir wollen solche „Blind Dinner“ in Zukunft aber auch in anderen Restaurants quer durchs Land organisieren. Idealerweise alle ein bis zwei Monate.

Welche Projekte haben Sie noch geplant?

Link Wir wollen den Leuten möglichst viele Situationen, die Blinde erleben, nahebringen. Daher wollen wir unter anderem Konzerte im Dunkeln für Oktober organisieren. Ich habe deswegen bereits mit dem luxemburgischen Perkussionisten Luc Hemmer gesprochen, für den das Spielen in kompletter Dunkelheit eine besondere Erfahrung aber auch Herausforderung wäre. Außerdem planen wir ein Theaterstück im Dunkeln, bei dem die Zuschauer ihre Fantasie benutzen sollen. Das Stück wird dann im Anschluss nochmal mit Beleuchtung aufgeführt, damit die Zuschauer vergleichen können zwischen ihrer Fantasie und der Wirklichkeit. Das wird aber wohl frühestens Ende des Jahres stattfinden.


Alle weiteren Informationen zum ersten „Blind Dinner“ der AMVA finden Sie unter www.brasserie-soundcheck.com