LUXEMBURGDANIEL OLY

„Sir, you are being hunted“ vereint Survival und Humor

Wer kennt die Situation nicht: Man führt ein gemütliches Leben als Lord oder Lady, bis plötzlich ein Experiment mit einer seltsamen Maschine im eigenen Schlosskeller schief läuft und man sich unversehens auf einer fremdartigen Insel in einer Paralleldimension vorfindet, auf der hochintelligente Gentleman-Roboter die gefährlichste Jagd der Welt veranstalten - die Menschenjagd. Fortan heißt es für den Spieler: Sammeln, jagen, überleben und entkommen. „Sir, you are being hunted“ hat damit eine ebenso geniale wie skurrile Hintergrundgeschichte, denn in kaum einem anderen Spiel wird ein viktorianisches Steampunk-Setting derart humorvoll porträtiert.

Der Spieler, dem übrigens die Wahl des Geschlechts beim Spielstart ebenso offen steht wie seine Klasse (Titel wie ein „Baron“ oder „Offizier“ bieten jeweils eine unterschiedliche Startausrüstung), wird damit in eine völlig fremde Welt im Steampunk-Stil hinein gezogen und muss sich zurecht finden. Gut, dass der eigene Butler auf mysteriöse Weise immer noch mit der werten Lordschaft in Kontakt geblieben ist und hin und wieder hilfreiche Informationen bietet. Das Ziel des Spiels ist es demnach, auf allen fünf Inseln Teile des kaputten Experiments zu bergen, um wieder sicher und wohlbehalten im heimischen Schloss anzukommen. Allerdings sollte der Spieler auf einige Dinge Acht geben. Nicht zuletzt auch, weil es in der seltsamen, zufällig generierten Paralleldimension nicht mit rechten Dingen zugeht.

Käse schließt den Magen

In der unwirtlichen Umwelt überlebt also nur, wer vorsichtig vorgeht: „Sir, you are being hunted“ ist eindeutig kein Shooter, auch wenn der Spieler seinen Jägern die ein oder andere Flinte mitsamt Munition abnehmen und sich so seiner Haut erwehren kann. Die Roboter selbst jagen stets in Gruppen und gehen dabei systematisch vor, während sie das hohe, dichte Gras nach ihrem Ziel durchsuchen; der Spieler sollte daher stets Vorsicht walten lassen und nur dann kämpfen, wenn es absolut unumgänglich ist. Etwa, wenn sich der Bauch zu Wort meldet: Der blaublütige Körper möchte nämlich brav gefüttert werden und so kann es durchaus nötig werden, sich in Gefahr zu begeben, um aus einem der vereinzelten Dörfer etwas Essbares zu retten. Ansonsten müsste im Notfall der seltsam stinkende Käse herhalten, den man einige Stunden zuvor in einem vergammelten Schuh gefunden hat - keine gute Option. Trotzdem, die Entscheidung zum weiteren Vorgehen bleibt allein dem Spieler überlassen, die einzige Regel lautet: Überleben.

Es scheint also, als sei das Survival-Spiel in den letzten Jahren in eine Art Renaissance geraten: Titel wie „DayZ“ schienen den Weg für eine Vielzahl an neuen Projekten geebnet zu haben. „Sir, you are being hunted“ umreißt das Thema dabei so skurril und unterhaltsam zugleich, dass sich ein Blick auf den Indietitel durchaus lohnt: Das abgedrehte Roboter-Steampunk- und Nobilitäts-Setting sowie die unheimliche und interessante Spielwelt mitsamt passender, liebevoll gestalteter Grafik heben es dabei sicherlich auf angenehme Art und Weise von dem heutigen Shooter-Einheitsbrei ab.