PASCAL STEINWACHS

Erinnert sich noch jemand an den Facebook-Kommentar der adr-Politikerin Sylvie Mischel, die Ende des vergangenen Jahres ein von LSAP-Außenminister Asselborn ebenfalls auf Facebook gepostetes Bild, auf dem er zusammen mit Flüchtlingen zu sehen war, die gerade erst in Luxemburg angekommen waren, mit dem Spruch „Der LSAP hiert éischt Walplakat fir 2023“ versehen hatte. Dazu schrieb die Dame unter anderem, dass es auch hierzulande viel Elend gebe, und es Zeit werde, „datt mer d’Land erëm zu deem maache wat et war, e Land an deem och erëm no de Lëtzebuerger gekuckt gëtt“, so die adr-Politikerin, die dazu aufrief, bei den nächsten Kammerwahlen ihre Partei zu wählen.
Nun, an genau diesen Facebook-Post erinnerte gestern Jean Asselborn, als die adr im Rahmen einer von ihr angefragten Aktualitätsstunde im Parlament, bei der es ausschließlich darum ging, wie der Minister unser Land im Ausland vertritt (!), doch tatsächlich anhand einer Motion die Demission von Asselborn forderte. Dies weil das Image unseres Landes angeblich unter den Auftritten Asselborns leide, dessen Entgleisungen immer wieder für Schlagzeilen sorgen würden, wie es vonseiten der adr hieß, die hier unter anderem auf die im Zusammenhang mit dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria gemachten Äußerungen Jean Asselborns anspielte, dass die Österreicher durch die Gegend jodeln würden, anstatt sich um die Aufnahme von Flüchtlingen zu kümmern.
Asselborn  kündigte also gestern also auf den Mischel-Post eingehend an, dass heute 14 Menschen aus dem Niger in Luxemburg ankommen würden, was die adr ja dann wieder mit einem Foto kommentieren könne.
Der frühere Spitzendiplomat Fernand Kartheiser, der inzwischen ja den Vorsitz der adr-Gruppe im Parlament übernommen hat und dem die Außen- und Flüchtlingspolitik Asselborns schon lange ein Dorn im Auge ist, lässt sowieso keine Gelegenheit aus, seinem ehemaligen Vorgesetzten am Zeug zu flicken.
Dabei kann Luxemburg stolz sein, dass es über einen Politiker wie Jean Asselborn verfügt, der mit seiner direkten und ehrlichen Art sowie seinen Ecken und Kanten deutlich macht, dass man auch als Berufspolitiker nach all den Jahrzehnten in der Politik noch menschlich sein kann. Von diesen aalglatten, empathielosen Gestalten wie Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, die auch noch Beifall für ihre harte Linie gegenüber den Flüchtlingen bekommen, gibt es inzwischen leider auch in Europa mehr als genug. 
Unterstützung für die menschliche Politik von Jean Asselborn, ja ausnahmsweise sogar Beifall, was normalerweise in der Abgeordnetenkammer ja nicht Usus ist, gab es gestern in der „Chamber“ auch von DP, LSAP, Grünen, „déi Lénk“ und Piraten, derweil die CSV dem Außenminister vorwarf, mit seinen Auftritten nicht immer die Interessen Luxemburgs zu vertreten, was Asselborn zu der Bemerkung verleitete, dass die CSV, in diesem Fall Claude Wiseler, sich in Flüchtlingsfragen besser an Kardinal Jean-Claude Hollerich als an Fernand Kartheiser orientieren sollte. Die Motion der adr stimmte die CSV dann aber nicht mit.
Die nächste Runde im Streit um eine gemeinsame Migrationspolitik ist übrigens für den 13. November angesagt. Mit Resultaten ist - merde alors! - eher nicht zu rechnen, aber Jean Asselborn wird bestimmt
weiterkämpfen...