LUC SPADA

Am 25. Mai 2017, also vor gut einer Woche, war Christi Himmelfahrt, und in Deutschland gleichzeitig Vatertag, oder inoffiziell: Männertag. Männer mit Bollerwägen und vielen Flaschen Bier und einer Boombox ziehen durch die Straßen und ja, grölen, Dinge wie „Wir scheißen dem Wirt auf die Theke“ und „lalaladiooooh Hurensöhne“ oder Ähnliches. Dann wird gesoffen, noch mehr gegrölt, noch mehr gesoffen und irgendwann gibt’s aufs Maul, weil wir wissen alle, nur männlich ist, wer ordentlich austeilen und einstecken kann. All die anderen sind homosexuell oder Kinder. Oder noch: Frauen!

Gefühlt begegnet man all den Männern, denen man im normalen Alltag - oder in meinem normalen Alltag - nie begegnet. Die Kellnerinnen und Verkäuferinnen, die den Männern das Bier servieren oder/und verkaufen, werden in „fickbar“ und „unfickbar“ aufgeteilt, und die „Fickbaren“ werden freundlich darum gebeten, doch mal die Möpse zu zeigen, weil schließlich ist heute Männertag.

„Hallo du kleines Luder, sind die etwa echt? Darf ich mal anfassen?“

Ich werde das Gefühl nicht los, dass das genau die Männer sind, die sich auf die Seite der Rechten begeben, weil sie Angst um unsere Frauen haben, wenn diese Flüchtlinge kommen. Habe ich schon erwähnt, dass am besagten Tag auch ein Fußballspiel war? Dynamo Berlin gegen FC Viktoria 89, Derby, yeah, noch mehr Gründe, sich aufs Maul zu hauen. Dann muss eine ganze Einheit an Polizisten ankommen, damit man sich nicht noch mehr aufs Maul haut. Aber irgendwo müssen die Steuergelder doch hin. Hauptsache nicht an die Ausländer, da sind sich die Schreihälse eins.

Als der Tag vorbei war, lagen überall in den Straßen zerbrochene Flaschen, gebrochene Männer und irgendwelche Essensreste, und meine Freundin L. meinte, dass das doch auch nicht so ist, wenn Weltfrauentag ist. Ja, wenn Weltfrauentag oder Ähnliches ist, dann wird daran erinnert, dass es noch einiges zu tun gibt, wenn es um die Rechte der Frauen geht. Nicht mehr. Und beim Männertag sind die Bordelle überfüllt, alle kotzen von zu viel Alkohol auf die Straßen und schreien lauthals irgendein Zeug, bis einer blutet. Und wenn einer blutet, dann wird applaudiert.

„Dem hast du’s aber jetzt richtig gegeben. Prost!“

Das ist natürlich jetzt ziemlich schwarz-weiß gezeichnet, aber wie soll man diese beiden Welten zusammenkriegen? Vielleicht einfach Frau - und Manntag gegen Menschtag eintauschen? Ein kleiner Schritt für die Männer und Frauen. Ein großer Schritt für die Menschen. Wenn wir alle gleichgestellt sind, sein wollen, sollten wir womöglich jetzt auch langsam anfangen, alles zusammen zu machen. In dem Sinne: Schafft die Ladies Night ab, die getrennten Saunen und Toiletten, und jeder wird lernen, sich dank zweckoptimistischer Konfrontation zu benehmen. Ok? Ok!