LUXEMBURG
CONNY REICHLING

In einigen Teilen der Welt werden nach wie vor Mädchen beschnitten. Jedoch wird diese Beschreibung der Praktik nicht gerecht, denn hierbei werden Teile des weiblichen Genitals entfernt, weshalb eher der Begriff Genitalverstümmelung passt. Die Fondation Follereau Luxembourg setzt sich seit Jahren in Afrika dafür ein, dass Frauen nicht länger dieses Martyrium durchleben müssen.

„Genitalverstümmelung bei Frauen ist in einigen Ländern nach wie vor Realität. Hierzu zählen vor allem afrikanische Länder wie Ägypten, Mali oder Burkina Faso aber auch asiatische Länder wie Indonesien sowie der Nahe Osten. Weltweit sind rund 200 Millionen Frauen von dieser Praktik betroffen. Schätzungen besagen, dass alle elf Sekunden ein Mädchen genital verstümmelt wird. Bei der Genitalverstümmelung werden je nach Region Teile oder die gesamte Klitoris entfernt oder auch die inneren und äusseren Schamlippen. In einigen Fällen wird sogar das gesamte Genital, also die Klitoris und die Schamlippen entfernt und die Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht. Diese extreme Form wird etwa im Sudan oder auch Eritrea oft durchgeführt.

Die Folgen reichen von Infektionen über Fisteln bis hin zum Verbluten. Außerdem kann der Geschlechtsverkehr durch die Verstümmelung sehr schmerzhaft sein und Geburten zusätzlich Komplikationen mit sich bringen. Die Frauen stellen oft keinen Zusammenhang zwischen der Genitalverstümmelung und diesen Folgen her. Wir als Fondation Follereau Luxembourg sind daher bemüht in den Gemeinschaften Aufklärungsarbeit sowie Sensibilisierung zu leisten. Dazu arbeiten wir in Mali und Burkina Faso mit Organisationen vor Ort zusammen.

Wir bieten neben einer medizinischen auch eine psychologische Behandlung. In einigen Fällen ist auch ein plastischer Eingriff möglich, bei dem das Genital wieder aufgebaut wird. Aber auch ein Weiterbildungsprogramm ist Teil unseres Engagements. Denn oft werden die Frauen verstoßen. Wir ermöglichen es ihnen Arbeit zu finden, um sich selber versorgen zu können.

Unser langfristiges Ziel ist es über die Gemeinschaften in diesen Ländern einen Mentalitätswandel zu erreichen. Jedoch ist die Genitalverstümmelung kulturell sehr tief verwurzelt, kann religiöse, rituelle aber auch andere Gründe haben. Die oft als Beschneidung bezeichnete Praktik wird dabei in der Regel von Frauen vorgenommen, die dies als eine große Ehre verstehen. In ihren Augen und denen der restlichen Gemeinschaft ist diese Praktik nichts Negatives, weshalb wir sie auch nicht verurteilen. Das würde auch nichts bringen. Der Wandel findet somit nur sehr langsam statt und braucht viel Zeit. In Mali zum Beispiel stellen wir erst jetzt nach rund 20 Jahren erste sichtbare Veränderungen fest. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.

In den kommenden Wochen werden wir eine Reihe von verschiedenen Veranstaltungen zur weiteren Sensibilisierung und Information über Genitalverstümmelung bei Frauen veranstalten.“

Alle nötigen Informationen und noch mehr finden Sie unter www.ffl.lu