LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Urteil in Totschlagsprozess fällt am 31. März

Mitten in der Rümelinger Innenstadt soll der 28-jährige David F. am 18. September 2013 gegen 19.15 aus Eifersucht seine Exfreundin Sabrina C. angegriffen und mit einem zwölf Zentimeter langen Küchenmesser schwer verletzt haben, so schwer, dass ein Lungenflügel der Frau kollabierte.

Um ein Haar tödlich

Wäre der andere Lungenflügel auch ausgefallen, wäre es vorbei gewesen, sagt die medizinische Gutachterin Dr. Bellmann. Ein Stück der abgebrochenen Klinge musste aus dem Rücken des Opfers notoperiert werden. Laut Dr. Bellmann konnte das Opfer nur dank der schnellen Hilfe überleben. F. muss sich jetzt wegen versuchten Totschlags vor der Kriminalkammer Luxemburg verantworten. Der Mann saß acht Monate in Untersuchungshaft und steht seit dem 20. Mai 2014 unter polizeilicher Aufsicht. Gegen 19.05 an diesem 18. September 2013 bekommt Sabrina C. eine SMS von ihrem Ex-Freund. David F. wolle seine Sachen abholen. Gegen 19.15 steht er auf der Terrasse und will in das Studio. Sabrina C. gibt ihm seine Sporttasche und will, dass er sofort verschwindet. Doch er tritt ans Fenster und lässt die Rollläden herunter. Dann eskaliert die Gewalt. Er schlägt sofort auf sie ein. Weil Sabrinas Freundin Lynn B. in den Kampf eingreifen will, wird auch sie zu Boden geworfen, geschlagen, getreten und gestoßen. Dann sieht sie David F. in die Küche verschwinden, tritt auf die Terrasse und ruft über das Handy die Polizei. Der Mann huscht an ihr vorbei und verschwindet spurlos in der Straße. Als Lynn B. ins Studio zurück kommt, sitzt ihre Freundin auf einem Hocker - blutend, mit einem Messer im Rücken.

Die Beziehung mit ihrem damaligen Freund sei „meistens nicht sehr gut“ gewesen, sagt das 27-jährige Opfer am Donnerstag vor Gericht. Doch sie habe ihn einfach gern gehabt. David F. sei ein Partnertyp, der viel sozialen, emotionalen und psychologischen Schaden in ihrer Beziehung angerichtet hat. Er habe sie ständig mit anderen Frauen betrogen. Doch wenn sie ihn verlassen wollte, habe er auf Gewalt und Drohungen zurückgegriffen. Er neige dazu, gequält zu sein von der Furcht, dass er von ihr ebenfalls betrogen werden könnte. Er sei immer und auf jeden eifersüchtig gewesen, gab die junge Frau zu Protokoll.

Starke psychische Spannungen

Laut psychiatrischem Gutachten leidet der ehemalige Dachdecker F. unter einer Persönlichkeitsstörung. Er sei ein impulsiver Typ und nicht sehr frustrationstolerant. Während seiner Tat habe F. unter starken psychischen Spannungen gelitten. Eine starke affektive Einengung sei für eine partielle Amnesie verantwortlich. Die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit habe nicht gefehlt, war aber durch Amnesie vermindert. Laut dem Experten Dr. Hirsch kann eine Strafmilderung in diesem Fall in Frage kommen. Gestern Morgen ging der Prozess weiter. In ihrem Plädoyer war die Anklagevertreterin Martine Wodelet der Meinung, dass die Grundlage für einen versuchten Totschlag gegeben sei. Sie forderte 12 Jahre feste Haft für den Beschuldigten. Das Urteil wird voraussichtlich am 31. März 2015 gesprochen.