LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Sicario“ ist ein bescheidener Thriller geworden, dem der Biss und die Originalität fehlen

Der kanadische Regisseur Denis Villeneuve begeisterte mit seinen Filmen „Polytechnique“ (2009), „Incendies“ (2010) und „Prisoners“ (2013), während „Enemy“ (2013) eher enttäuschte. Auch sein neuer Film „Sicario“ kann nur teilweise begeistern. „Sicario“ bedeutet in Mexiko „Hitman“, also Auftragskiller.

Racheakt

Weil bei einem Einsatz gegen Kidnapper zwei ihrer Kollegen getötet wurden, will FBI-Agentin Kate Mercer (Emily Blunt) unbedingt die wirklichen Hintermänner stellen. Matt Graver (Josh Brolin) leitet mit dem wortkargen Alejandro (Benicio del Toro) eine Spezialeinheit, die dem mexikanischen Drogenbaron Alarcon (Julio Cedillo) auf der Spur ist, den sie ebenfalls als Auftraggeber der Kidnapper verdächtigen. Kate lässt sich lange bitten und stimmt der neuen Mission dann zu. Ein erster Weg führt sie in die mexikanische Grenzstadt Juarez, wo das Team den Drogendealer Guillermo (Edgar Arreola) nach Amerika überführen soll.

Die Operation gelingt, es kommt aber zu einer Schießerei, bei der viele Gauner sterben. Kate zweifelt immer mehr an den Aktionen Gravers und muss schließlich feststellen, dass er das Drogenkartell mit illegalen Methoden bekämpft, so wie dieses mit allen unerlaubten Mitteln die Drogen vermarktet und alle Querdenker ermordet. Alejandro geht es nur darum, sich wegen des Mordes an seiner Familie an Alarcon und seiner rechten Hand Manuel Diaz (Bernardo P. Saracino) zu rächen.

Von eindrucksvoll bis langatmig

Der Film beginnt mit extrem eindrucksvollen Bildern, von Leichen, die in Plastik eingewickelt sind. Doch Villeneuve beschäftigt sich nicht mit der Aufklärung dieser mysteriösen Morde, sondern verlegt den Plot ins Drogenmilieu, in den Kampf der Justiz gegen die Drogenkartelle. Es folgt eine imposante Fahrt nach Juarez, bei der die Bilder von Roger Deakins und die Musik von Jóhann Jóhannsson die Spannung aufbauen. Gespenstisch wirken kurz die Leichen, die an einer Brücke hängen. Da die Geschichte im weiteren Verlauf nichts wirklich Neues erzählt, und man sich den Fragen Kates nur anschließen kann und keine Antworten bekommt, verliert sich das Interesse langsam, aber sicher. Einzig die kaltblütige Art und Weise von Alejandro sich am Schluss zu rächen, imponiert noch einigermaßen. Emily Blunt hat ebenfalls Probleme, ihre Figur glaubhaft zu spielen, da sie doch sehr fragil wirkt und in zwei Handgemengen immer den Kürzeren zieht. „Sicario“ ist somit ein bescheidener Thriller geworden, dem der Biss und die Originalität fehlen.