LUXEMBURG/LAROCHETTE
PATRICK WELTER

Bürger von Nommern und Fischbach stimmen mit überwältigender Mehrheit gegen Fusion

Nach der Vorstellung von drei Schöffenräten hätte die Wüstung, Fachbegriff für untergegangene Dörfer, Meysembourg rund um das Schloss wieder auferstehen sollen. Nicht wie vor zehn Jahren geplant, als Retortendorf, sondern als Name einer neuen Gemeinde mit 4.500 Einwohnern. Zusammengesetzt aus den drei Landgemeinden Fischbach, Larochette und Nommern - so war es geplant. Gestern ist der Traum geplatzt, die Bürger haben gesprochen und in einem Referendum dem eigenen Kirchturm, und mochte er noch so klein sein, die Treue gehalten. In zwei von drei Gemeinden fiel das Fusionsprojekt mit Pauken und Trompeten durch.

Dramatische Zahlen

Die Klatsche für die politischen Verantwortlichen ist heftig. In Fischbach wurde die Fusion mit 76,02 Prozent und in Nommern mit 70,05 Prozent abgelehnt. Einzig und allein die Bürger von Larochette haben mit 66,53% für eine Fusion der drei Gemeinden gestimmt. Auch wenn die Politik Fusionen und eine gewisse Mindestgröße von Gemeinden als wünschenswert einstuft - der ehemalige Innenminister Jean-Marie-Halsdorf sprach immer von einer kritischen Masse von mindestens 3.000 Einwohnern - scheint das die Bevölkerung in den beiden Gemeinden Fischbach und Nommern nicht zu interessieren.

Das Ergebnis ist umso überraschender weil nahezu alle Fusions-Abstimmungen der letzten Jahre erfolgreich waren, mit Ausnahme von Koerich-Simmern (siehe unten).

Wies: Dogmatische Debatte

Überrascht waren auch die drei Bürgermeister der Gemeinden. Pierre Wies, dessen Gemeinde Larochette für die Fusion gestimmt hatte, stellte bei einer Pressekonferenz fest, dass er sich nicht gut fühle, angesichts des Ergebnisses. Das Schulproblem - in diesem Fall die Angst vor einer Zentralschule - sei dogmatisch aufgebauscht worden und den Zusagen der drei Schöffenräte kein Glauben geschenkt worden.

Marc Eicher, Bürgermeister von Nommern, sagte, den Bürgern sei mit simplizistischen Argumenten Angst gemacht worden. Die Behauptung der Fusionsgegner „Wir haben doch alles“ sei zwar ein Lob für den amtierenden Schöffenrat, gelte aber nur für die Gegenwart und nicht für die Herausforderungen der Zukunft. Der Weg zu einer Fusion sei nun verstellt.