Auch wenn man grundsätzlich mit der Ideologie der „déi Lénk“ nicht viel am sprichwörtlichen Hut hat, so muss man doch einräumen, dass ihre Analyse des Wohnungsmarktes in Luxemburg -Stadt ausgesprochen fundiert ausgefallen ist.
Gestern stellten Guy Foetz und Joël Delvaux, Vertreter der „ déi Lénk“ im hauptstädtischen Gemeinderat Zahlen zur Wohnungssituation in Luxemburg vor, die einen von Guy Foetz schon länger eingebrachten Entschließungsantrag (Motion) im Stadtrat unterfüttern. Der Antrag enthält eine Reihe von Vorschlägen, mit denen die Situation auf dem Wohnungsmarkt, insbesondere auf dem Mietwohnungsmarkt, nach Ansicht beider Räte schnell entspannt werden könnte.
108.059 Einwohner
Joël Delvaux nannte zunächst die aktuelle Einwohnerzahl zum Stichtag 6. Mai 2015 - 108.059 Einwohner. Schon wieder einige Hundert mehr als noch zum 31.Dezember 2014. Im Schnitt der letzten zwölf Jahre ist die Einwohnerzahl jährlich um durchschnittlich 2.500 gestiegen. Dagegen wurden im selben Zeitraum im Jahresmittel Baugenehmigungen für nur rund eintausend Wohnungen ausgestellt. Als Quelle der Zahlen wurde die Stadtverwaltung angegeben.
Für Luxemburg-Stadt lägen derzeit die verlangten Durchschnittspreise bei 957.000 Euro für Häuser und für Wohnungen bei 635.700 Euro, was in letzterem Fall einem Quadratmeterpreis von 6.894 Euro entspricht.
Der gemittelte Mietpreis pro Quadratmeter lag im vierten Quartal bei 22,62 Euro, im preiswertesten Stadtviertel bei 16,51 Euro. Die Mietkommission, die über die Rechtmäßigkeit von Mieten zu entscheiden hat, sei in nur 22 Fällen angerufen worden. Daneben habe es im letzten Jahr einhundert Zwangsräumungen von Wohnungen gegeben.
Nach Auffassung der „déi Lénk“ ist der soziale Wohnungsbau in der Hauptstadt, selbst wenn man die Planung bis 2017 mit einbezieht, völlig unzureichend. Die Stadt selbst besitzt nur 488 Wohnungen und aus dem „Baulückenprogramm“ entständen auch nur 199 Wohnungen, darunter lediglich 31 Mietwohnungen. Der Anteil an Sozialwohnungen in Luxemburg-Stadt liegt bei 0,95 Prozent. Was der Stadt einen der hinteren Plätze im europäischen Vergleich garantiert.
Lösungsvorschläge
Da die weiter steigenden Immobilienpreise nicht nur Geringverdiener, sondern auch schon „Mittelverdiener“ in Bedrängnis bringen, müsse man endlich handeln, so Guy Foetz. Als einen Weg zur Entspannung der Lage setzt Foetz darauf, den Wohnungsmarkt nicht mehr nur den privaten Bauträgern, die mit Margen von bis zu 30 Prozent arbeiten würden, zu überlassen. Die hohen Grundstückspreise könnten auf dem Weg der Erbpacht umgangen werden.
Die Stadt muss selbst aktiv werden
Die Stadt sollte selbst im großen Stil in den Mietwohnungsbau einsteigen. Ganz neu für Luxemburg wäre die Förderung des genossenschaftlichen Bauens und Wohnungskonzepte die nicht mehr auf das klassische Familienmodell ausgerichtet sind.
Die Stadt Luxemburg sollte endlich eine Auflistung aller Baugrundstücke durchführen die in ihren Händen sind. Aufgrund ihrer großen Finanzreserven - laut „déi Lénk“ handelt es sich um 380 Millionen Euro - sei die Stadt in der Lage Baugrund zu erwerben und in Erbpacht weiterzugeben oder selbst als Bauträger aufzutreten. Wobei ein qualitativ anspruchsvoller Mietwohnungsbau im Vordergrund stehen sollte.
Unorthodoxe Ideen
Um den Preisanstieg zu bremsen sollte für jedes Stadtviertel der Durchschnittsverkaufswert für Immobilien ermittelt und veröffentlicht werden. Außerdem sollten endlich hohe Steuern auf brachliegende Baugrundstücke erhoben werden. Foetz hält überdies eine städtische Wohnungsvermittlung, also eine Art kommunaler Makler, für sinnvoll. Grundsätzlich sollten die Mieter besser geschützt werden, hier könnte das Sozialamt der Stadt eine wichtige Rolle spielen. Zu den interessantesten Ideen zählt auch ein Programm, um ältere Mitbürger davon zu überzeugen, nach dem Auszug der Kinder, ihre Wohnung zu verkleinern oder zu teilen um weiteren Wohnraum zu schaffen.


