LUXEMBURG/SANKT GALLEN
CORDELIA CHATON

Samuel Agutu hat eine Mikro-Gesundheitsversicherung in Kenia gegründet

In Nairobi ein Taxi mit dem Handy zu bezahlen, ist einfacher als in Luxemburg. 17 Millionen Kenianer, zwei Drittel der Bevölkerung also, sind Kunden von Safaricom. Die Telefongesellschaft hat 2007 gemeinsam mit Vodafone M-PESA auf den Markt gebracht. Mit diesem System kann man mit dem Handy zahlen, auch wenn man kein Bankkonto hat. Das zieht in dem ostafrikanischen Land, in dem immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung von der Landwirtschaft lebt, aber auch knapp drei Millionen Menschen die Stadt Nairobi bevölkern. M-PESA war ursprünglich zur Abwicklung von Mikrofinanzgeschäften gedacht. Es hat Kenia zum führenden Land in Sachen mobile Bezahlung gemacht. Viele nutzen es auch als elektronische Sparbüchse. Und es brachte Samuel Agutu auf eine Idee - und zwar zu jenem Zeitpunkt, als M-PESA lanciert wurde.

Agutu ist Kenianer und CEO der „Changamka Health Innovation“. Der 60-Jährige hatte schon einige Posten inne: Als Manager bei Coopers&Lybrand, bei einer Versicherung, einer Bank und schließlich sechs Jahre beim Rückversicherer „Africa Re-Insurance“, einer Marketingagentur und einem Versicherungsmakler. „Ich wollte eine Krankenversicherung für alles anbieten, was bis dahin den Reichen vorbehalten war“, erklärt er. Denn eine staatliche Krankenversicherung gibt es nicht in Kenia. Auf dem Land entbinden viele Frauen immer noch zu Hause. „In manchen Orten werden Menschen einen Monat lang nicht beerdigt, weil es keine Versicherung gibt, die das bezahlen kann“, erzählt Agutu. Aber ihm war klar: Mit M-PESA würde das gehen.

Kenia als Land des Mobiltelefons

„In Kenia gibt es in jedem Dorf einen Hotspot. Kenianer wickeln alles mobil ab“, erklärt Agutu. Um die Versicherung auf die Beine zu stellen, sprachen er und seine Geschäftspartner erst mit der nationalen Rückversicherung, dann mit anderen Versicherungen. „Wir brauchten eine möglichst große Zahl von Versicherten“, erklärt er das Problem.

Für Agutu war der Markt da. „In Kenia gibt es rund 40 Millionen Menschen. Davon sind weniger als eine Million versichert. Viele Menschen haben gar keine Krankenversicherung.“ Es gab auch noch eine sehr persönliche Erfahrung. „Meine Schwester starb, als die schwanger war, weil sie keine Krankenversicherung hatte und mit einem Arztbesuch zu lange gewartet hat“, erinnert sich Agutu. Damals beschloss er, etwas zu tun. Gemeinsam mit einem Freund entwickelte der Kenianer sein Produkt. Sieben Jahre ist das jetzt her.

Changamka bietet vor allem drei Produkte an: Eine Beerdigungsversicherung, die rund 600 Kenia-Schilling kostet - umgerechnet rund 5,10 Euro - und 100.000 Kenia-Schilling (850 Euro) auszahlt.
Der Gegenwert von 600 Kenia-Schilling sind rund zehn Brotlaibe oder sechs Coca Colas in Kenia. Dann offeriert Changamka eine Krankenversicherung, die umgerechnet zehn Euro im Jahr kostet und schließlich eine Premium-Familien-Versicherung für rund 8,50 Euro.

Aufklärung wichtig

Der Weg dahin war steinig. „Wir haben 2009 unser erstes Produkt auf den Markt gebracht. Als wir damit fertig waren, war die Technologie obsolet. Wir mussten alles auf einer mobilen Plattform umsetzen“, erzählt Agutu. „Wir entwickeln ständig weiter.“ Agutu und seine Partner sind noch nicht am Ende der Schwierigkeiten. „Wir dachten, die Geburtenversicherungen würden sich wie geschnitten Brot verkaufen. Aber es ist ein Investment. Die Frauen müssen erst ihre Männer überzeugen, bevor sie eine Geburtenversicherung abschließen. Deshalb reden wir mit Partnern und der Regierung.“

TV- und Radiospots kann sich Changamka nicht leisten. Deshalb sind die Gründer froh über die Kampagne der Versicherungsregulierer, die die Bevölkerung aufklärt. „Unsere Mitarbeiter gehen in die Dörfer und Städte“, berichtet Agutu. In 21 Monaten hat Changamka 20.000 Versicherte angesammelt. Er ist ein bisschen müde.

„Ich weiß, dass meine Idee gut ist. Die Leute brauchen das. Aber es verlangt einen langen Atem“, seufzt er. Immerhin erhält er Schützenhilfe auf internationaler Ebene. Obama hat ihn 2015 sogar auf den 6. Global Entrepreneurship Summit in Nairobi eingeladen. Und eine Hoffnung liegt im Namen. Changamka bedeutet so viel wie „freudig, erfreut“ auf Deutsch.


www.changamka.co.ke