BRÜSSEL
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Der Preisverfall macht den Milchbauern das Leben schwer - Nun soll die EU helfen - Finanzhilfen und staatliche Eingriffe sind in der Debatte

Der Verfall der Milchpreise bringt viele Milchbauern in in Not. Für einen Liter Milch bekommen die Landwirte weniger als 30 Cent - damit können die Betriebe nicht einmal ihre Futterkosten decken. Seit Tagen gehen Landwirte in Luxemburg und Europa auf die Straße, um die Politik zum Eingreifen zu bewegen. Auch beim gestrigen Treffen der EU-Agrarminister in Brüssel kam es zu teils heftigen Protesten. Fragen und Antworten:

Warum ist der Milchpreis so stark gefallen?

Grund dafür ist ein Überangebot, weil die Betriebe mehr Milch produzieren als nachgefragt wird. Dafür sind unter anderem Russlands Einfuhrverbot für europäische Agrarprodukte und eine sinkende Nachfrage aus China verantwortlich. Dieses Überangebot nutzt der Handel aus, um die Preise knallhart zu drücken. Welche Rolle die Abschaffung der Milchquote bei der Preisentwicklung spielt, ist umstritten, da der Preisverfall zum Teil schon vor dem Ende der Milchquote eingesetzt hat.

Was heißt das für die Betriebe?

Für einen Betrieb mit 120 Milchkühen bedeutet ein Preisverfall von zehn Cent rund 80.000 Euro weniger Einnahmen im Jahr. Viele Milchbauern werden ihren Betrieb deshalb aufgeben müssen. Dieser Trend ist seit Jahrzehnten ungebrochen. Kleine Betriebe sind besonders stark betroffen, da ihre Kosten höher sind als bei Großbetrieben mit Hunderten Kühen.

Was fordern die Bauern?

Eine zeitlich befristete Deckelung der Milchmenge, bis sich die Preise wieder erholen. Der europäische Verband verlangt kostendeckende Milchpreise und Unterstützung für einen freiwilligen Lieferverzicht.

Was kann die EU tun?

Die Bauern unterstützen. Dafür gibt es eine Reihe von Maßnahmen, etwa Subventionen, um Magermilchpulver und Butter einzulagern. Die Produkte könnten dann später, wenn die Preise wieder gestiegen sind, gewinnbringend verkauft werden. Die EU-Kommission will zudem direkte Einkommenshilfen an Landwirte früher auszahlen, also schon Mitte Oktober statt Anfang Dezember. EU-Kampagnen für Milch sollen den Export - etwa in den Nahen Osten - ankurbeln. Staaten sollen leichter Kredite an notleidende Landwirte vergeben können.

Kann die EU auch am Milchmarkt eingreifen?

Ja, aber dies ist unter den Staaten umstritten. Während Frankreich Eingriffe befürwortet, lehnt der deutsche Landwirtschaftsminister dies ab. Die EU kann derzeit rund 109.000 Tonnen Milchprodukte ankaufen, einlagern und später auf den Markt bringen, um den Preis zu stützen. Sie könnte nun den Interventionspreis anheben. Das Problem: Für Länder wie Litauen und Lettland, wo der Preis bei 20 Cent pro Liter Milch liegt, wäre dies ein Anreiz, noch mehr zu produzieren. EU-Agrarkommissar Phil Hogan ist dagegen. Die EU-Kommission hält die Krise für vorübergehend und erwartet künftig einen durchschnittlichen Milchpreis von 35 Cent pro Liter.

Warum führt man nicht einfach wieder eine Milchquote ein?

Weil diese sich aus Sicht der Politik nicht bewährt hat und gerade erst abgeschafft wurde. EU-Kommissar Hogan spricht davon, dass die Quote „unwiderruflich vorbei“ sei.

Wie unterstützen andere EU-Staaten ihre Bauern?

Belgien hat nach wochenlangen Verhandlungen Extra-Hilfen für Milch- und Schweinefleischerzeuger für sechs Monate beschlossen. Für Milcherzeuger sollen insgesamt 46 Millionen Euro zusammenkommen. Frankreich hat Notkredite, Zahlungsaufschübe und Investitionshilfen angekündigt. •