Luxemburg steht seit Jahren vor der schwierigen Aufgabe, mit einer kleinen Armee vielen Bündnisverpflichtungen innerhalb der NATO und der EU nachkommen zu müssen. Dank privaten Dienstleistern geht das. Ein Leitartikel von Patrick Welter

Die Sache hat zunächst keinen guten Ruf. Angefangen bei den Landsknechten des dreißigjährigen Kriegs, aufgehört mit Firmen wie Blackwater.

Das Einkaufen militärischer Dienstleistungen, wenn man es denn so nennen will, gilt als anrüchig. Schnell fällt das böse Wort vom Söldner. Wobei es sich beim denen um das Einkaufen von „Manpower“ in Sachen Kampf und nicht um Spezialisten in Sachen Technik und Logistik handelt.

Die Amerikaner waren die ersten, die bei ihren militärischen Auslandseinsätzen auf „Contractors“, also Vertragspartner, für spezielle Aufgaben zurückgegriffen haben. Kaum jemand weiß, dass es private Dienstleister für militärische Aufgaben auch in Europa gibt.

Luxemburg steht seit Jahren vor der schwierigen Aufgabe, mit einer kleinen Armee vielen Bündnisverpflichtungen innerhalb der NATO und der EU nachkommen zu müssen. Ob als Aufklärer im Kosovo oder im umkämpften Afghanistan. Was aber bei Einsätzen tun, die sich auf hoher See oder vor fernen Küsten abspielen? Raushalten ist keine Option, schließlich fahren nicht wenige Schiffe auf den Meeren unter der Flagge des Binnenlands Luxemburg. Die Brieftasche aufmachen und sich von seinen Verpflichtungen freikaufen ist auch keine Alternative.

Luxemburgs Luftaufklärung im indischen Ozean

Die Lösung war einfach. Luxemburg griff als erstes oder eines der ersten europäischen Länder auf einen „Contractor“ zurück. Womit das kleine Luxemburg plötzlich in der Lage war, ab 2009 fünf Jahre lang im fernen indischen Ozean erfolgreich Luftaufklärung betreiben zu können.

Als es in diesem Sommer darum ging, sich am Marine-Einsatz der EU im Mittelmeer zu beteiligen, griff das Verteidigungsministerium auf den alten Partner zurück und bot EUNAVFOR die Luftüberwachung an.

Wer weiß, wie lange Verwaltungswege beim Militär sind, kann sich nur wundern. Keine sechs Wochen nach Vertragsabschluss hat der kleine, zweimotorige Aufklärer seine Arbeit von Sizilien aus aufgenommen. Sechs Männer aus fünf Nationen reichen aus, um als Piloten, Analysten und Mechaniker zwei Drittel der Luftaufklärung für die Operation „Sofia“ durchzuführen.

Schnell und unbürokratisch

Die private Konkurrenz ist dem klassischen Militär auch bei der Ausrüstung weit voraus. Was gut ist, wird gekauft. Ohne langes Ausschreibungsverfahren, ohne kryptische Lastenhefte, ohne langen bürokratischen Aufwand. Bis ein solches Verfahren in einer herkömmlichen Armee abgeschlossen ist, sind Markt und Entwicklung schon in großen Schritten weitermarschiert. Beispiel gefällig? Die kleinste, private Maschine auf dem Vorfeld der Basis Sigonella, optisch nur ein in Tarnfleck lackierter Businessflieger, hat die neueste technische Ausstattung und beste Ergebnisse.

Der Einsatz kostet Luxemburg fünf Millionen Euro im Jahr. Der Staat macht hier ein ausgesprochen gutes Geschäft. Die Kosten für eine eigene, dauerhaft betriebene Luftaufklärungseinheit wären erheblich höher. Es müssten Maschinen und Ausrüstung angeschafft, Mannschaften bezahlt und Spezialisten ausgebildet werden.

Es spricht nichts dagegen, auch in militärischen Fragen die Angebote des Marktes zu nutzen.

Der Hintergrundartikel: Der Flottenverband EUNAVFOR MED jagt mit luxemburgischer Hilfe Menschenschmuggler