LUXEMBURG
SVEN WOHL

DVD-Kritik: Resident Evil: Retribution

Die „Resident Evil“-Filmreihe schlägt das Videospielvorbild in einer Hinsicht: Beständigkeit. Soll heißen, sie sind, im Gegensatz zu den Spielen, beständig schlecht. Verschiedene Grade von „schlecht“, sicherlich, aber sie befindet sich auf bemerkenswert konstante Art und Weise unter dem notwendigen Unterhaltungsminimum. „Resident Evil: Retribution“, der bereits fünfte Film, für diejenigen die, wie ich, die Übersicht verloren haben, hat die einschläfernde Qualität einer handelsüblichen Dosis Valiums.

Unterirdisches „Best of“

Dabei ist die Idee für die Story gar nicht mal so schlecht: Alice, gespielt von Milla Jovovich, wird in einen unterirdischen Komplex eingesperrt, wo der böse Pharmakonzern „Umbrella“ Zombie-Apokalypsen in Modell-Städten wie New York, Moskau und Tokyo testet. Sie soll flüchten, während sie vom Sicherheitspersonal und Zombies verfolgt wird. Ebenfalls vorhanden sind eine Truppe von Söldnern, die aus dem Rest-Personal der Spiele bestehen und so offensichtlich Zombie-Futter sind, dass es schon nicht mehr lustig ist. Interessantes Konzept, mangelhafte Ausführung.

Denn die Ballereien mit dem Sicherheitspersonal, sind unsäglich langweilig inszeniert, während sich die relativ guten Nahkampfszenen zu rar machen. Das Ganze ist zudem ein „Best-of“ der vorangegangenen Filme, womit ohne Scham alles recycelt wird, was in den bisherigen Teilen der Serie bereits verwurstet wurde. Neuheiten oder Überraschungen gibt es keine, aber das wäre ja nicht das Schlimmste, wenn der Film in seinem Pacing wüsste, was er tut.

Kakophonie des Grauens

Das weiß er aber nicht. Meistens fragt man sich als Zuschauer, ob die Macher überhaupt etwas mit dem Begriff „Rhythmus“ oder „Pacing“ anzufangen wissen. Sicher, sie wissen was Tempo ist, aber das war dann auch alles. Beim Schauen dieses Streifens formierte sich etwa in meinem Hirn ein neuer Begriff: „Kampfporno“.

Damit wird ein Actionfilm bezeichnet, der das Verhältnis Actionszene zu Narrativ so hält, wie ein Porno Sex-Szenen zum Narrativ gewichtet. Genauso wie Pornos mit der Zeit ins Dröge abdriften, schafft es dieser Film, trotz aller kompetent inszenierten und optisch hübschen Kampfszenen, zu keinem Moment zu begeistern. Der Vergleich mit Pornos kommt ja nicht von ungefähr, haut die Milla im feinsten Fetisch-Outfit den Zombies was auf die Rübe oder dieselbe ab.

Zusätzlich wird geballert, gesprengt, geschlagen, gesprungen, gefahren und gestorben was das Zeug hält und das alles lässt den Zuschauer absolut kalt, weil dieser keinerlei dramaturgisches oder narratives Gewicht hinter der ganzen visuellen Sturmflut vermutet. Die audio-visuelle Kakophonie dient hier zum Selbstzweck, der Hauch einer Geschichte verleiht dem Streifen nicht die notwendige Dichte, um es vom handelsüblichen Trailer abzuheben. Somit überrascht es wenig, dass mir persönlich gerade einmal 120 Sekunden des Filmes halbwegs gefallen. Das rechtfertigt nicht einmal das Ausleihen des Films aus einer Videothek…