Anlässlich der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2000 einigten sich 189 Staaten auf die mittlerweile weltberühmte Millenniumserklärung, mit der Armut und Hunger bis zum Jahr 2015 halbiert werden sollten.

Menschliche Würde, Gleichstellung der Geschlechter, Demokratie, Menschenrechte, Primärschulbildung für alle, Gesundheitsförderung für Mütter, Kampf gegen Aids und Malaria, gute Regierungsführung, Frieden, Sicherheit und Abrüstung sind einige Begriffe, die mit diesen Zielen verknüpft wurden.

Mittlerweile haben die Medien begonnen, Bilanz zu ziehen und auch Kritikpunkte hervorzuheben. In diesem Sinne erwies sich vorige Woche die 3-Sat-Fernseh-Dokumentation „Versuchslabor Armut“ um die Entwicklungsforscherin Esther Duflo als besonders interessant. Es stellte sich nämlich heraus, dass tatsächlich der Hunger weltweit eingedämmt werden konnte, was jedoch keineswegs zu einer substantiellen Reduzierung der Armut führte. Es geht nämlich nicht nur darum, ob Menschen essen, sondern auch was sie essen. Duflo konnte beweisen, dass in einem indischen Dorf die Anreicherung von Salz mit Magnesium die Blutarmut der Menschen reduzierte, und damit auch ihre Arbeitsfähigkeit verbesserte.

Wichtig sei, die Armen zu verstehen, ihren stressigen Tagesablauf nachzuvollziehen, zu sehen, wo ihre Menschenwürde angetastet wird und präzise hier einzugreifen. Entwicklungskonzepte, die auf europäischen oder amerikanischen Schreibtischen ausgearbeitet werden, und in denen die Sensibilitäten der Menschen und ihr urbanes oder natürliches Umfeld außer Acht gelassen werden, haben kaum eine nachhaltige Chance. Errichtet man zum Beispiel saubere Toiletten in indischen Slums, so dass die Intimität der Frauen respektiert wird, kann man allgemein die Menschen in ihrer Würde weiterbringen. Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass Bildungssysteme in armen Ländern oft reiche und begabte Kinder privilegieren, während die Kinder der Armen außer Acht gelassen werden. Frühförderung von Kindern in Slums, Lehrerweiterbildung, Sensibilisierung der Lehrer für die Anliegen benachteiligter Kinder, sowie Bewertungssysteme für Lehrer nach diesen Prinzipien sind weitere unkonventionelle Ansätze in der Entwicklungspolitik. Auch konnte festgestellt werden, dass es absolut wichtig ist, den allerärmsten eine Hand zu reichen, also denen, die gar nichts haben, vor allem kein Selbstvertrauen. Wer also den Allerärmsten auch nur minimal auf die Sprünge hilft, der verbessert deren Akzeptanz im eigenen Umfeld, schafft Entfaltungsmöglichkeiten und Inklusion. Mikrokredite helfen eher Geschäften, die schon bestehen, sich zu vergrößern, sind aber keine Lösung für ganz Arme, die niemand beachtet.

Im namibischen Otjivero zum Beispiel, wo Kriminalität und Prostitution grassierten, initiierten Kirche und Gewerkschaften ein Pilotprojekt, bei dem jeder Einwohner 100 Namibiadollar (umgerechnet sieben Euro) pro Monat bekam. Dank dieser Initiative konnten sich wirtschaftliche Aktivitäten auf bescheidenem Niveau entwickeln, was dem Klischee entgegenwirkte, dass die Slumbewohner „faul und abhängig“ seien. Diese Beispiele zeigen, dass neue, innovative Ansätze in der Entwicklungshilfe absolut notwendig sind. Luxemburg sollte diesen Zug nicht verpassen.

Referenzen: Versuchslabor Armut/Fernsehdokumentation 3-Sat: Namibia verstehen/Sympathiemagazine