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Europol gibt Details über Operation „Green Tuscany“ gegen die Abfall-Mafia

Sie macht Umsätze in Milliardenhöhe: Die Abfallentsorgungs- und verwertungsindustrie. Aber nicht jeder Akteur in dem Bereich ist ein ehrlicher, wie die europäische Polizeibehörde Europol jetzt in einem Bericht über die Operation „Green Tuscany“ schreibt.

Kriminelle Banden würden nämlich Firmen gründen, die als Müllentsorger registriert sind. Allerdings bieten sie ihre Dienste dann unter dem Marktpreis an. Ein Indiz dafür, dass der Abfall nicht etwa fachgerecht entsorgt wird, sondern auf illegalen Deponien landet. So maximiert man Profit zu Ungunsten der Umwelt und im Endeffekt der Bevölkerung.

Gefälschte Papiere

Manch kriminelle Müllschieber würden sogar so weit gehen, dass sie etwa Plastik zu neuen Flaschen verarbeiten, ohne dass aber die notwendigen Recycling-Standards eingehalten werden.

Der Konsument riskiert dann später, Lebensmittel aus Behältern zu sich zu nehmen, die möglicherweise toxisch belastet sind. Müll wird zwischen den EU-Ländern hin und her geschoben, um die fachgerechte Beseitigung im Einklang mit der EU-Gesetzgebung zu vermeiden.

Die italienischen Forstbehörden haben im Mai mit Unterstützung von Behörden aus Italien und Slowenien, sowie von Europol eine kriminelle Bande ausgehoben, die sich auf Geschäfte mit dem Abfall spezialisiert hatte. Auf die Spur führte eine andere Ermittlung zu illegalen Textilverkäufen zwischen Italien und Nordafrika, die offen sichtlich von der Mafia gesteuert wurden.

Aus Italien über Slowenien nach China

Die gleichen Kriminellen hatten ihre Finger bei den Müllschiebereien zwischen Italien und Slowenien im Spiel. Slowenische Scheinfirmen stellten italienischen Unternehmen falsche Papiere aus, die bezeugten sollten, dass der Müll recycelt wurde. In Wahrheit wurde der Abfall dann nach China weiterverschifft. In der Zeit, in der die Aktivitäten des kriminellen Netzwerks beobachtet wurden, zählten die Behörden etwa 560 solcher illegalen Transporte, jeder im Wert von 10.000 bis 15.000 Euro.

Die Gangster kassierten also im Beobachtungszeitraum mindestens acht Millionen Euro.

96 Personen vor Gericht

Die Operation „Green Tuscany“ endete mit der Festnahme von 74 Italienern - davon zwei Mitglieder der kampanischen Mafiaorganisation Camorra - sowie 22 Chinesen, die sich seit dem 20. Mai vor Gericht verantworten müssen. „Der Handel mit illegalem Müll hat bedeutenden negative Auswirkungen auf die Umwelt“, schreibt Europol in einer Pressemitteilung, „auch wenn es schwierig ist, die exakten finanziellen Auswirkungen dieser Art von Kriminalität zu messen, so fallen signifikative Kosten für die Säuberung illegaler Müllhalden an. Und die Produkte aus nicht fachgerecht recyceltem Plastik können sehr schädlich für die Gesundheit sein“.