LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Microlux bietet offiziell in Luxemburg Geld für jene, die sonst keines erhalten würden

Wer als Arbeitsloser oder RMG-Empfänger ein Unternehmen gründen will und bei der Bank nachfragt, hatte bislang schlechte Karten. Das ist seit gestern anders. Microlux, die erste Institution, die Mikrokredite in Luxemburg anbietet, startete offiziell. Bei der Präsentation in den Räumen der BGL BNP Paribas auf Kirchberg war auch Großherzogin Maria Teresa anwesend. Sie setzt sich seit Jahren für Mikrofinanz ein, die bislang vor allem in Entwicklungsländern populär war.

Auch in Frankreich wird das Konzept seit 25 Jahren mit Erfolg umgesetzt, wie Jérémy Del Rosario weiß, der dort bereits in diesem Bereich gearbeitet hat. Seit einigen Monaten kümmert er sich mit Samuel Paulus als Manager gemeinsam um die Anfragen. Der offizielle Start erfolgte jetzt, weil der Europäische Investitionsfonds (EIF) eine Garantie gibt, die mögliche Verluste abdeckt. „Ohne sie ginge es nicht“, versichert Del Rosario.

Die Kunden der beiden Manager sind Arbeitslose, Flüchtlinge, RMG-Empfänger oder andere Gründer, die bei einer Bank keinen Kredit erhalten würden. Zahlreiche Nationalitäten sind vertreten. Die durchschnittliche Kreditsumme liegt bei 12.500 Euro, maximal sind 25.000 Euro möglich. „Nicht jeder erhält einen Kredit“, erklärt Del Rosario. Bislang hatte Microlux, das inoffiziell Ende 2016 startete, rund 60 Anfragen, die in elf Krediten resultierten.

Die Antragssteller melden sich zunächst über Mail, Telefon oder Internet bei Microlux. In einem persönlichen, rund einstündigen Gespräch besprechen sie mit Paulus oder Del Rosario ihr Projekt. „Uns ist wichtig, dass sie mit dem Budget umgehen können und ihre Idee Erfolg hat“, erklärt Del Rosario. Beispiele für Projekte sind ein syrisches Restaurant in Luxemburg oder eine Kosmetikboutique in Esch.

„Wir begleiten sehr stark und müssen manche auch bremsen“, weiß Del Rosario. Dabei sind er und sein Kollege nicht allein, sondern es gibt rund 40 Ehrenamtliche, die mitwirken. Del Rosario beobachtet einen steigenden Bedarf vor allem im Süden und Norden des Landes. Um Microlux bekannter zu machen, gehen die beiden Manager auf ihre Kunden zu, sind auf dem „Festival des Migrations“ oder beim Asti zu finden und begleiten auch schon mal Sozialarbeiter.

Da Microlux gerade erst gestartet hat, lässt sich noch nichts über den Erfolg sagen. „Wir gehen aber davon aus, dass es wie in Frankreich ist. Dort waren nach drei Jahren noch rund 60 Prozent der Unternehmen da“, erläutert Del Rosario. „Es ist kein Wunder, aber eine Möglichkeit für viele.“ Dabei traf das Projekt anfangs auf enorme Zurückhaltung. „Es hieß, es gebe keinen Bedarf. Aber das stimmt nicht. Nicht jeder in Luxemburg arbeitet in einer Bank“, stellt Del Rosario klar.

Kreditlinie von einer Million Euro für drei Jahre

Microlux wurde von der BGL BNP Paribas, „Appui au développement Autonome“ (ADA), „Association pour le droit à l´initiative économique“ (Adie) und dem EIF gegründet. Die Macher wollen „die Kosten in fünf Jahren wieder reinholen“, erklärt der Manager. Vom Erfolg der Idee ist er schon jetzt überzeugt. „Es mangelt noch an Vereinfachungen bei der Gründung von Strukturen. Man sieht aber, dass sich etwas bewegt.“

Wie wichtig der Termin war, zeigte sich an der anwesenden Prominenz. Neben der Großherzogin war viel Prominenz vor Ort: der Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, Pim van Ballekom, Ehrenstaatsminister Jacques Santer, Carlo Thill, CEO der BGL BNP Paribas, Familienministerin Corinne Cahen, Arbeitsminister Nicolas Schmit sowie die ehemalige Ministerin Erna Hennicot-Schoepges.

www.microlux.lu