GREVENMACHER
PATRICK WELTER

Regen der letzten Wochen hat Trauben nicht geschadet

In den letzten Wochen konnte man um die Weinlese fürchten, denn nach Monaten der Trockenheit gab es an vielen Tagen im September Dauerregen, erst seit kurzem strahlt die Herbstsonne. Landwirtschafts- und Weinbauminister Fernand Etgen überzeugte sich gestern bei einer Tour durch die Weinberge zwischen Ahn und Grevenmacher selbst vom Stand der Dinge im Weinjahr 2015.

Bei seinem politisch fein austarierten Besuch bei einem Privatwinzer, in der Genossenschaftskellerei in Grevenmacher und im Weinhandelshaus Bernard-Massard traf Etgen dabei auf weitgehend zufriedene Gesichter. Für einen Landwirtschaftsminister, der in den letzten Tagen und Wochen mit von der Milchkrise gebeutelten Bauern und dem Preisverfall auf dem Getreidemarkt konfrontiert war, stellte sich der Besuch an der Mosel damit als überaus positiv heraus. Wobei der Präsident der Privatwinzer, Ernest Schumacher, aber auch anmerkte, dass man den Minister an einem solchen Tag nicht mit unangenehmen Dingen belästigen wolle.

In Sachen Weinlese 2015 konnte Etgen von allen Beteiligten erfahren, dass die Trockenheit und Hitze im Sommer einerseits zwar zu einem unterdurchschnittlichen Ertrag geführt hat, andererseits aber auch eine gute Qualität und hohe Oechsle-Werte zur Folge hatte. Der frühherbstliche Regen hatte darauf keinen negativen Einfluss.

Was zählt ist Qualität, Qualität und nochmal Qualität

Der Luxemburger Weinbau, der seit zwei Jahrzehnten konsequent auf Qualität setzt, erntet seit Jahren die Früchte dieser Richtungsentscheidung und steht so deutlich besser da als der Rest der Landwirtschaft. Die heimischen Winzer wollen und können bei einer Gesamtanbaufläche von etwas mehr als 1.300 Hektar nicht mit den preisorientierten Großanbietern des Weltmarktes konkurrieren. Den Erfolg der Luxemburger Winzer, deren Qualitätsprodukte international voll konkurrenzfähig sind, sieht Weinbauminister Fernand Etgen in der engen Verknüpfung zwischen Winzern, Forschung (Weinbauinstitut in Remich) und der Landwirtschaftsverwaltung (Ministerium, ASTA etc.) begründet. Zusammenarbeit - konsequent Hand in Hand.

Ein leider kaum übertragbares Erfolgsrezept

Nach der Meinung von André Vandendries, leitender Regierungsrat im Landwirtschafts- und Weinbauministerium, lässt sich das Erfolgsrezept der Winzer leider nur schlecht auf die übrige Landwirtschaft übertragen. Im Weinbau sei die Identifikation mit dem Produkt einer der Schlüssel zum Erfolg, auf beiden Seiten. Ein engagierter Winzer identifiziere sich mit seinem Wein genauso, wie der Kunde, der genau diesen Wein, seinen Wein kauft. Bei Getreide, dessen Preis der Weltmarkt bestimmt, sei das unmöglich.

Die Verkostung des ersten Federweißen in den Räumen der Genossenschaftskellerei Grevenmacher sorgte für begeisterte Gesichter und lässt einen guten Jahrgang 2015 erwarten.