LUXEMBURG
INGO ZWANK

Zusammen handeln für ein sauberes Trinkwasser -Umweltministerium weist sieben neue Trinkwasserschutzzonen-Projekte aus

Rund 120.000 Kubikmeter Trinkwasser fließen täglich durch Luxemburger Leitungen. Und diese Menge wird aus dem Grundwasser und vom Sebes aus dem Stausee gewonnen. Sauberes Wasser muss geschützt werden. Trinkwasserschutzzonen sehen die Rahmenbedingungen für die zukünftige Nutzung der Quellen vor, mit dem Ziel, die Trinkwasserversorgung in Luxemburg zu dezentralisieren und aufrecht zu erhalten. „Vorfälle in der Vergangenheit haben gezeigt, wie weit die Qualität des Oberflächen- und Quellenwassers in Gefahr ist und entschlossenes Handeln notwendig ist“, sagte Sam Tanson, Parteipräsidentin „déi gréng“, noch im Dezember 2014. Mit drei Wasserschutzzonen, die Ende 2014 im Mémorial veröffentlicht wurden, und den weiteren, die in Ausarbeitung sind, sowie der Umsetzung des neuen Pestizidgesetzes zeige die Regierung, „dass jahrelange Versäumnisse beim Wasser-, Umwelt- und Gesundheitsschutz nun endlich ernst genommen werden.“

Wirkungsvoller Wasserschutz

Mit der Ausweisung von sieben neuen Trinkwasserschutzzonen haben Umweltministerin Carole Dieschbourg und Staatssekretär Camille Gira gestern weitere konkrete Maßnahmen für einen wirkungsvollen Wasserschutz umgesetzt. Dieschbourg verwies darauf, dass bereits 2014 Maßnahmen von der Regierung getroffen wurden, „um Pestizide aus dem Trinkwasser zu verbannen. Auch was Nitrate angeht, so sind wir mit der Landwirtschaft im Gespräch. Wir müssen eine proaktive Politik betreiben, denn jedes Jahr kommen 10.000 bis 12.000 Leute im Land hinzu, und auch die müssen Wasser bekommen, Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Daher müssen wir immer mehr Trinkwasser aufbereiten, was auch bedeutet, dass das Wasser etwas teurer werden kann.“ So müsse die Sicherheit für das Trinkwasser gewährleistet sein, Verunreinigungen verhindert und die Kosten für die Aufbereitung verringert werden. Doch eine Schutzzonen-Ausweisung sei nicht alles. Genauso wichtig sei, dass die Gemeinden dafür sorgten, dass es gute „Infrastrukturen gibt, damit eine Versorgung gegeben ist, das Knowhow muss passen und zusammen mit uns als Ministerium kann dieses Knowhow umgesetzt werden.“

Zwei weitere Zonen sind in der Endphase der Ausweisung, „20 weitere Studien für zwölf weitere Projekte sind abgeschlossen. Insgesamt wurden 75 Studien mit 3,5 Millionen Euro vom Wasserfonds unterstützt“, sagt Dieschbourg mit Blick auf die zehn Prozent Staatsgebiet, die als Zonen ausgewiesen werden sollen. So liegen insgesamt 50 Prozent der Schutzzonen in den luxemburgischen Wäldern, nur vier Prozent unmittelbar bei Ortschaften - und bei Ortschaften, die in der Schutzzone liegen, werden bereits im jeweiligen Bebauungsplan entsprechende Hinweise gegeben werden.

Alle Zonen müssten eigentlich bis Ende des Jahres ausgewiesen sein. „Doch wir werden schnellstmöglich weiterarbeiten, es wird aber wohl 2016, bis alles umgesetzt ist“, sagte Dieschbourg - eine provisorische Begleitung der betroffenen Ortschaften und Gebiete liefe, so dass jeder in etwa wüsse, was auf ihn zukäme. Denn wenn man sähe, dass „20 Jahre nichts geschehen ist und wir präsentieren, dass wir es in den Griff bekommen, dann haben wir wohl auch nicht mit Strafen von europäischer Seite zu rechnen“, sagte Staatssekretär Gira.

50 Kriterien

Tom Schaul von der Wasserverwaltung erklärte das Trinkwasserreglement und die 50 notwendigen Kriterien, die am Wasserhahn beim Konsument erfüllt sein müssen, damit man gutes Trinkwasser im Haus hat. „Diese Arbeit beginnt natürlich vor Ort. Denn Trinkwasserschutzzonen sollen so groß wie notwendig und so klein wie möglich sein. Aktuell liegen diese Schutzzonen-Projekte in den Gemeinden aus und Bürger können Einsprüche und Bedenken vorbringen.“

Änderungen im Wassergesetz sollen vorgenommen werden, die Maßnahmen vorsehen, damit dieser Schutz weiter gewährleistet ist. Davon betroffen werden sicherlich einige landwirtschaftliche Betriebe sein, doch „da wollen wir uns mit den landwirtschaftlichen Diensten zusammensetzen und schauen, wie man das regeln kann.“ Gira sprach hier unter anderem die Gülle-Ausfahrt an, wo sehr oft Auswaschungen möglich sind und dann „die Gülle ins Wasser gelangt.“ Da vom Wasserfonds keine Gelder direkt in die Landwirtschaft gegeben werden dürfen, wird ein Blick auf Förderprojekte wie eine Schleppschlauchausbringung der Gülle geworfen, Das seien „Projekte, die dann beiden Seiten helfen. Denn in der Thematik Wasser muss man sehen, es treffen zwei Produktionsbereiche zusammen: Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung. Daher muss man beide Bereiche entsprechend würdigen“, ergänzt Dieschbourg. Bisher sei ein breites Verständnis von Seiten der Landwirtschaft der Verwaltung und dem Ministerium „entgegengebracht worden“.