ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN BLOCK

Der OGBL wird 40 und blickt auf gewerkschaftliche Errungenschaften zurück

Der Unabhängige Gewerkschaftsbund hat gestern in der Escher „Maison du Peuple“ sein 40-jähriges Bestehen gefeiert. Der OGBL, der eigenen Angaben zufolge heute mehr als 70.000 Mitglieder zählt, wurde 1979 von Verantwortlichen der Arbeitervereinigung (LAV) und der Angestelltenföderation des Privatsektors (FEP) gegründet. Wie OGBL-Präsident André Roeltgen laut Redemanuskript hervorhob, fiel die Gründung der Gewerkschaft in eine Zeit, in der der Dienstleistungssektor immer wichtiger wurde und folglich immer mehr Menschen als Privatbeamte arbeiteten. Damit war der Zeitpunkt für eine Gewerkschaft gekommen, die ihre Türen für alle Arbeitnehmer öffnet, unabhängig ihres Statuts.

Roeltgen hob in seiner Ansprache die Errungenschaften des OGBL aus den vergangenen Jahrzehnten hervor. So sei es dem OGBL zu verdanken, dass es das Indexsystem heute noch gibt und wieder normal funktioniert. Auch in jüngerer Vergangenheit hätten gewerkschaftliche Aktionen - im Bau- oder im Pflegesektor - gezeigt, dass Proteste von einzelnen Berufssyndikaten „in einer Symbiose“ mit der Gesamtorganisation funktionieren. Roeltgen hält auch weiter am Ziel der Einheitsgewerkschaft fest, „weil es dazu keine sinnvolle Alternative gibt“. Mit Blick auf die Sozialwahlen am 12. März könne es nur eine „sinnvolle und zukunftsweisende Wahl“ geben, so Roeltgen weiter, nämlich eine weitere Stärkung des OGBL. Im Plenum der Arbeitnehmerkammer hält der Unabhängige Gewerkschaftsbund mit 38 von 60 Sitzen heute die absolute Mehrheit.

Sozialstaat stärken

Als Gastredner hatte der OGBL Peter Scherrer eingeladen, stellvertretender Generalsekretär des europäischen Gewerkschaftssyndikats (CES). Frédéric Krier, Mitglied des Exekutivbüros des OGBL, beschäftigte sich derweil in einem Exposé mit der Schaffung des OGBL in den Jahren 1978/1979 und der Frage der Einheitsgewerkschaft.

Im Vorfeld der Feier und der Pressekonferenz von Formateur Xavier Bettel zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen hatte Roeltgen gestern Morgen gegenüber den Kollegen von RTL an die Forderungen des OGBL erinnert. Die Gewerkschaft erwartet sich demnach von der neuen Regierung eine Stärkung des Sozialstaats durch eine Verbesserung von Sozialleistungen, den Ausbau öffentlicher Dienstleistungen, mehr Steuergerechtigkeit und ein angepasstes Arbeitsrecht.