LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Zahl der Corona-Toten steigt auf 54 (+ 2) - 3.223 Infizierte

Gesundheitsministerin Paulette Lenert hätte auf ihrer heutigen Videopressekonferenz deutlicher nicht sein können. Es gäbe zwar inzwischen weniger Neuinfektionen, doch die Krise sei noch nicht vorbei. „Mir sin nach net derduerch“, so die Ministerin, die die Bevölkerung weiterhin dazu aufruft, zu Hause zu bleiben und sich an die Regeln zu halten.

Zuvor hatte die Gesundheitsministerin zusammen mit Premierminister Xavier Bettel die Abgeordnetenkammer über die Situation in Sachen Corona ins Bild gesetzt, was dann auch erklärte, dass die ursprünglich für 17.00 angesagte Pressekonferenz um eine halbe Stunde nach hinten verlegt werden musste. Die Abgeordnetenkammer wird nächste Woche voraussichtlich trotz Osterferien am Freitag um 14.00 zu einer öffentlichen Sitzung zusammenkommen, um dringende Gesetzesentwürfe im Zusammenhang mit der Corona-Krise zu verabschieden. Im Regierungsrat wurden indes eine ganze Reihe von weiteren diesbezüglichen Reglementen gutgeheißen.

108 neue Infektionsfälle

Wie die Gesundheitsministerin mitteilte, hat Luxemburg aber auch zwei neue Corona-bedingte Todesfälle zu beklagen, nach sechs weiteren Toten am Vortag, was acht Tote in zwei Tagen ausmach6t. Damit haben hierzulande bislang 54 Menschen den Kampf gegen das Virus verloren. Das Medianalter der Verstorbenen liegt inzwischen bei 87 Jahren, das Durchschnittsalter zum jetzigen Zeitpunkt bei 84 Jahren. Wie Lenert unterstrich, hätte sie sich zu Beginn der Krise nie vorstellen können, dass Luxemburg einmal 54 Corona-Tote zu beklagen hätte.

Mit dem Coronavirus infiziert sind in Luxemburg inzwischen indes 3.223 Personen - 108 mehr als am Vortag. Der Altersdurchschnitt liegt hier immer noch bei 46 Jahren. Von den infizierten Personen sind 2.644 Ansässige und 579 Nichtansässige; 50,5 Prozent sind Männer und 49,5 Prozent Frauen.

Corona-Tests - und hier ist Luxemburg im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl der Ministerin zufolge unangefochtener Spitzenreiter - durchgeführt wurden bislang insgesamt 28.273. Hospitalisiert waren bis heute Nachmittag 234 Personen, von denen 32 (zuzüglich zehn Patienten aus dem Grand Est, von denen inzwischen aber einer verstorben ist und zwei die Intensivstation verlassen konnten) in Intensivbehandlung waren. 412 Personen konnten die Spitäler inzwischen wieder verlassen.

Bevölkerung „einigermaßen diszipliniert“

Im Vergleich zum Grand Est, wo die Situation ja dramatisch ist, habe Luxemburg durch seine Schutzmaßnahmen noch Schlimmeres verhindern könne, wie auch langsam ersichtlich werdem dass die Anstrengungen ihre Früchte tragen würden. Die Bevölkerng müsse aber auch an diesem langen Wochenende verstehen, dass das „Social distaning“ weiter eingehalten werden müsse, und dass sich jeder, auch wenn das bei diesem guten Wetter manchmal schwerfalle, weiterhin an die Regeln halten müsse. „Bleift bei der Stang“, so Lenert. Der Bevölkerung bescheinigte sie, einigermaßen diszipliniert zu sein, obwohl die Polizei immer noch jeden Tag Verstöße feststellen müsse, aber wo Menschen seien, da menschle es eben... Die Krise sei jedenfalls noch nicht beendet und Geduld sei weiter angesagt. Zu einer Exit-Strategie, die ja auch hierzulande stufenweise, also in Etappen durchgeführt werden soll, wollte die Ministerin heute nichts sagen, außer dass immer noch an einer solchen gearbeitet werde. Nächste Woche soll hier im Rahmen einer weiteren Pressekonferenz Näheres zu erfahren sein.

Niemand sollte aus Angst keine medizinische Hilfe beantragen

Sorge bereitet der Gesundheitsministerin aber auch die Tatsache, dass sich im Moment nur sehr wenige Nicht-Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern befinden würden, was die Ministerin dazu veranlasste, einen Aufruf zu machen, sich doch bitte in Notfällen auch in Corona-Zeiten an seinen Arzt zu wenden. „Eng Urgence bleift eng Urgence“, so Paulette Lenert. Keiner sollte aus Angst vor Corona keine medizinische Hilfe beantragen, zumal in den Spitälern Corona- und andere Patienten streng getrennt seien, und medizinischer Rat ja seit kurzem auch über Telemedizin angefragt werden könne.

Was nun die Situation in den Altersheimen anbelangt, wo es ja rund 100 Infizierte geben soll, so gab die Ministerin auf eine entsprechende Frage, ob hier nicht alle Bewohner getestet werden sollten, an, dass die Priorität ganz klar beim Pflegepersonal liege. Die älteren Bewohner würden nur getestet werden, wenn ein Verdacht auf Corona bestehe und sie Symptome vorweisen würde. Das Gesundheitsministerium stehe aber in diesem Zusammenhang im tagtäglichen Kontakt mit dem Familienminsterium.

Schutzmasken: Gemeinden stehen nicht auf der Prioritätenliste

In Bezug auf die Verteilung von Schutzmasken - Kritik gab es ja heute unter anderem von CSV-Präsident Frank Engel, der der Regierung auf Facebook vorwarf, keine einheitliche Linie zu verfolgen - erinnerte die Ministerin daran, dass die Regierung sich hier immer an die Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation gehalten habe, an die sie sich regelmäßig anpasse.

Da aber immer noch Materialmangel herrsche und man dem Material trotz zahlreicher Lieferungen zum Teil weiterhin mühselig hinterher laufen müsse, seien hier Prioritäten gesetzt worden, und diese würden beim Gesundheits- und Pflegepersonal liegen. An Gemeinden sollen zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls keine Schutzmasken verteilt werden. Wenn diese das jedoch selbst tun würden, dann könne das Gesundheitsministerium ihnen dies nicht verbieten, aber man sollte sich auch klar sein, so die Ministerin, dass man limitiertes Material dorthin bringen sollte, wo es gebraucht werde.

Zum Schluss ihrer Pressekonferenz via Videoschalte gab die Ministerin dann noch zu bedenken, dass die Situation sich jeden Tag weiterentwickle und es auch bei als geheilt geltenden Patienten keine 100prozentige Sicherheit gäbe, hätten wir es hier doch mit einem neuen Virus zu tun.

Dann sagte die Gesundheitsministerin aber auch noch, dass Luxemburg im Moment keine weiteren Patienten aus dem Grand Est aufnehmen wolle, wisse man doch nicht, ob man die Intensivbetten demnächst nicht auch selber brauche. Was nun die Schließung der Grenzen mit Deutschland anbelangt, so seien Premier Bettel und Außenminister Asselborn im ständigen Kontakt mit ihren deutschen Amtskollegen, um hier eine Lösung zu finden. Sie bleiben jedenfalls bei ihrer Meinung, dass ein Virus keine Grenzen kenne... Dann hatte RTL Radio aber auch von einer „großen Verunsicherung“ bei den Ärzten gesprochen, was das Management der Krisenmedizin anbelangt. Beklagt wurde eine mangelnde Kommunikation. Auf Nachfrage sagt Dr. Alain Schmit, „Coordinateur médical national“ und früherer Präsidenten der Ärztevereinigung AMMD, er könne die Kritik so nicht nachvollziehen. „Sicher gibt es Kollegen, die sich Fragen stellen, aber die Allermeisten sind sich bewusst, dass die Übung, die hier ansteht, nicht aus dem Ärmel zu schütteln ist“. Heute sollte auch noch ein Mailing mit Informationen und Dienstplänen an alle Ärzte verschickt werden. Die Gesundheitsministerin rief die Ärzteschaft ihrerseits zur Geduld auf, man könne nicht mehr als arbeiten...

Uni Luxemburg bleibt geschlossen

Heute war des Weiteren zu erfahren, dass die Universtät Luxemburg in diesem Semester nicht mehr aufmacht und geschlossen bleibt. Da das normale Semester sowieso am 14. Mai zu Ende gewesen wäre, Bildungsminister Claude Meisch aber eine allgemeine Schulschließung bis zum 4. Mai angekündigt hat, hätte es keinen Sinn gemacht, die Studenten extra für zehn Tage antreten zu lassen. Da aber bei den praktischen Examina eine physische Präsenz vonnöten ist, soll das Semester RTL-Informationen zufolge zur Abnahme dieser Prüfungen bis zum 4. September verlängert werden.

Bargeldzahlungen weiter möglich

Das Finanz- und das Verbraucherschutzministerium riefen ihrerseits die Konsumenten als auch die Geschäftsleute in einer gemeinsamen Mitteilung über die Benutzung von Bargeld beim Bezahlen zu gegenseitigem Respekt und gesundem Menschenverstand auf. Verschiedene, vor allem verletzliche Leute seien eben nun einmal nicht im Besitz von Bancomat- oder Kreditkarten, so dass das Bezahlen mit Bargeld auch in der Krise nicht in Frage gestellt werden dürfe.

CHEM: Neuer Scanner wird am Mittwoch in Betrieb genommen

Seit Donnerstag ist im Kirchberger Spital der „Hôpitaux Robert Schuman“ (HRS) ein neuer Scanner in Betrieb, der die Erkennung von Covid-19- Symptomen erleichtern soll. Bereits Ende März wurde ein solcher Scanner im „Centre hospitalier du Nord“ in Ettelbrück in Betrieb genommen. Im Escher „Centre hospitalier Emile Mayrisch“ (CHEM) wird nun am kommenden Mittwoch ebenfalls ein solcher Scanner in Betrieb genommen. Ein zusätzliches Gerät soll auch noch im „Centre hospitalier“ installiert werden.