COLETTE MART

…ist der Spruch, den zwei Schwestern auf ein Schild schrieben, mit dem sie vor dem Zimmerfenster ihrer Großmutter im Altenheim auf sich aufmerksam machten. Die Großmutter hinter der Fensterscheibe verstand die Message und war gerührt über die Kreativität ihrer Enkelinnen.

In der aktuellen Corona-Krise, in der unsere Straßen und Städte sich leeren, in der wir unsere alten Familienmitglieder nicht mehr im Altenheim besuchen können, ist für uns alle der Moment gekommen, andere Wege der Kommunikation und der Mitmenschlichkeit zu finden.

Die offiziellen Empfehlungen, der Appell an die nationale Solidarität lautet, ein jeder solle Verantwortung übernehmen, möglichst zuhause bleiben, niemandem zu nahe zu kommen, weil es eben wichtig ist, geschwächte Mitglieder der Gesellschaft zu schützen. Zu diesen gehören alte Menschen und chronisch Kranke, derweil immer mehr Nachrichten über Erkrankungen bei relativ jungen Menschen auftreten. Demnach ist niemand wirklich gefeit, und auch all jene, die die Angst um das Virus noch nicht ergriffen hat, müssen sich der nationalen Solidarität anschließen.

Jeder interessierte Bürger, der die Aktualität um die gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Folgen der Corona-Epidemie verfolgt, stellt sich mittlerweile die Frage, wie es weitergehen soll, wie Kinder und Jugendliche jetzt über Internet unterrichtet werden sollen, wie die Kinder zuhause versorgt werden und trotzdem Betriebe, Institutionen und Verwaltungen weiter funktionieren können. In der Telearbeit eröffnen sich derzeit neue Möglichkeiten des Fortschritts. Alle stellen Krisenpläne auf, aber nicht alles ist berechenbar, genau vorhersehbar. Wichtig ist der allgemeine Konsens, dass die Krisenmaßnahmen richtig sind, dass es besser ist, etwas zu streng zu regeln, als lasch die Ausbreitung einer Krankheit hinzunehmen. Die Gesellschaft ist gefordert, kreative Lösungen zu finden, wie Familien, Schulen, die Versorgung älterer Menschen, die Betreuung kleiner Kinder organisiert werden kann. Pfadfinder boten spontan Hilfsdienste an, Lehrer erhalten Hilfestellungen im E-Learning, Kinder müssen sich vielleicht schneller als geplant auf Hausaufgaben über Computer und Internet einstellen. Die aktuelle Situation ist demgemäß eine Chance, neue, moderne und konstruktive Wege im E-Learning zu finden, obwohl sich auf Anhieb die Frage stellt, ob nicht hier neue soziale Gräben geschaffen werden zwischen jenen Kindern, denen zuhause auch bei neuen Lernmethoden geholfen wird, und jenen, die doch eher sich selbst überlassen sind.

Die aktuelle Corona-Krise bietet auf jeden Fall Möglichkeiten, familiäre Beziehungen neu zu überdenken. Wer kann wem helfen? Wer muss wen schützen? Wer betreut die Kinder? Wer hilft bei den Hausaufgaben? Wer macht die Einkäufe für die älteren Menschen? Zuhause bleiben bedeutet ebenfalls, sich etwas anders zu beschäftigen, vielleicht ja ein Buch zu lesen, einen Dokumentarfilm zu sehen, Telearbeit zu machen, alte Freunden anzurufen. Es gilt demgemäß, festgefahrene Verhaltensschemen und Gewohnheiten neu zu überdenken und vielleicht mittelfristig positive Veränderungen in der Gesellschaft zu bewirken.