LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

60jähriger Luxemburger muss sich vor Gericht verantworten

Der 60jährige Luxemburger Jean B. musste sich vor Gericht verantworten, weil er den 15-jährigen Steve H. sexuell missbraucht haben soll. Der Mann ist bereits aktenkundig, saß er doch unter anderem wegen Mordes 15 Jahre hinter Gittern. Der Anklageschrift zufolge soll sich B. vom 26. auf den 27. August 2017 in Hesperingen an dem damals 15-Jährigen vergangen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm außerdem „Grooming“ vor. Beim Grooming soll zunächst Vertrauen aufgebaut werden, um dann Straftaten, wie etwa die Anfertigung kinderpornografischer Aufnahmen oder sexuellen Missbrauch an Jugendlichen zu verüben. Die Vorwürfe der Vergewaltigung wies der 60Jährige vor Gericht zurück. Brisantes Detail: Bei dem Opfer geht es um den Sohn seines besten Freundes.

Opfer leicht beeinflussbar

Steve wohnt in einer Jugendhilfeeinrichtung, die sich in der Nähe von Trier befindet. Im Oktober 2017 wurde die Tat aufgrund von SMS-Nachrichten, die zwischen dem Opfer und dem Sohn des Angeklagten kursierten, bekannt. Es geht um mehrere SMS mit teils derben sexuellen Inhalten, die angeblich von dem Angeklagten stammen sollen. Am 1. Dezember wurde die Tat in Trier zur Anzeige gebracht. In seinen Aussagen in Trier sagte der Junge, dass er Geschlechtsverkehr mit B. gehabt habe. Eine Erzieherin aus Trier gab zu Protokoll, der Junge habe sich geschämt, drei bis vier Wochen habe es gedauert, bis er alles erzählt habe. Der Junge hatte ihr anvertraut, dass er im Bett mit B. lag und es zu sexuellen Handlungen kam. Steve ist laut Diplom-Psychologin Claudia Greve nicht gestört, sondern geistig minderbemittelt. Gefühlsleben und Verhalten sind dadurch eingeschränkt. Laut Greve ist der Junge unglaublich leicht beeinflussbar. In seinen Aussagen sei er sprunghaft. Er bliebe öfters am Detail hängen. Trotzdem käme er immer zum Punkt. Der Angeklagte seinerseit sei weder verstimmt, depressiv, noch psychotisch oder impulsiv, sagte der Gerichtspsychiater Dr. Marc Gleis. Die Untersuchungsbehörden durchsuchten das Mobiltelefon des Angeklagten und fanden eine Reihe von Pornofilmen.

Laut Freundin (50) des Angeklagten schlief der Junge nur ein Mal in der besagten Wohnung in Hesperingen. Sie macht sich Vorwürfe. Ferner war ihr anzumerken, dass ihr die Sache peinlich war. Die Vorsitzende Richterin fragte, was ihr Freund für ein Mensch sei. Darauf bekam sie nur widersprüchliche Aussagen. Die Richterin ist überzeugt, dass die Frau nicht ganz die Wahrheit sagt. Zu dieser Vermutung kommt die Richterin aufgrund einiger widersprüchlichen Zeugenaussagen, unter anderem über die Anzahl der vorhandenen Betten in der Wohnung von B..

Zum Thema SMS, die der Angeklagte an Steve geschrieben haben soll, weicht der Angeklagte B. aus und betont, einige SMS hätte er geschrieben, an andere SMS könne er sich nicht erinnern. „Ich wollte meinen Sohn schützen, darum habe ich diese SMS geschrieben“, sagte B.. Steve habe seinen Sohn vergewaltigt, beteuerte der Angeklagte.

„Ich möchte hervorheben, dass mein Mandant kein Geständnis für die Vergewaltigung abgelegt hat“, sagte Me Roland Michel. „Ich bin überzeugt davon, dass der Junge nicht die Wahrheit sagt. Mein Mandant bestreitet formell, sexuell etwas mit dem Jungen angestellt zu haben.“ Me Michel forderte daher Freispruch aus Mangeln an Beweisen. Seinem Mandanten sei ein bisschen Fantasie und Wahrheit in seinen SMS durcheinander geraten. „Ich hoffe, dass sie für das Schreiben der SMS eine niedrige Strafe bestimmen, die zur Bewährung ausgesetzt wird.“

„Keine Zweifel an Schuldigkeit“

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Manon Wies, betonte: „Ich habe keine Bedenken, dass der Junge hier etwas Falsches aussagte. Der Junge war ein Kind, da reicht ein Wort schon aus, ihn zu überreden.“ Die Anklagevertreterin ist überzeugt davon, dass er die Wahrheit sagt, denn er hätte dreimal dieselbe Geschichte erzählt. Es sei auch schwer nachvollziehbar, dass der Angeklagte gewisse SMS nicht geschrieben hätte. „Mir hun op sengem Handy 183 pornographesch Messagen saiséiert“, sagte Weis. Der Angeklagte soll deshalb zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt werden. In der Nebenklage beantragte die Anwältin des Opfers 15.000 Euro Schadenersatz.

Das Urteil wird am 22. Oktober gesprochen.