MARCO MENG

Ganz schön abgehoben. Das dachten viele, als Wirtschaftsminister Etienne Schneider das Projekt zur Nutzung von Weltraumressourcen vorstellte. Doch vieles, was in der Vergangenheit einmal „verrückt“ klang, ist heute für uns so normal, dass wir uns gar nicht mehr daran erinnern können, wie wir einst dringend eine Telefonzelle suchten, um einen Anruf zu machen. Nun war Schneider mit einer Wirtschaftsdelegation in Seattle und San Francisco und sieht seine Initiative bestätigt. Gut, in den USA im Allgemeinen und im Silicon Valley besonders lässt man sich von Neuem gerne begeistern. So war es manchmal erstaunlich, manchmal erschreckend, wie sich die Wissenschaftler begeistern, wenn es um die Begrünung des Mars geht. Natürlich stellen viele da die berechtigte Frage: Und wie sieht es mit dem Grün der Erde aus, das immer mehr abgeholzt wird? Die Erde ist sehr schön, doch manch einer scheint lieber andere Planeten besiedeln zu wollen - und wenn etwas gewollt wird, wird es auch irgendwann geschehen, wie die Menschheitsgeschichte zeigt. Freilich ist die Besiedlung des Mars fernab von dem, was Schneider mit SpaceResources.lu bezweckt. Er will der luxemburgischen Forschungslandschaft Schub verleihen, innovative Geister ins Land bringen, moderne Arbeitsplätze schaffen.

Bislang war die Weltraumbranche stark von staatlichen Akteuren geprägt. Jetzt sind es mehr und mehr Privatunternehmen, die das All als mögliches Geschäftsfeld erkannt haben. Das dürfte die Entwicklung des Sektors gegenüber früher um ein Vielfaches beschleunigen. Und wenn nun statt nationales Prestige die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund rückt, muss das nichts Schlechtes sein. Auf jeden Fall bedeutet es aber, dass die Entwicklung jetzt immer schneller voranschreiten wird. Und wie wir wissen, kam vieles, was als Weltraumtechnologie entwickelt wurde, auch dem Alltag auf der Erde zugute - zum Beispiel mit der Teflon-Pfanne.

Werden tatsächlich im All bald Roboter Satelliten warten und Asteroiden-Rohstoffe einfangen, wird tatsächlich irgendwann die Vision von Amazon-Chef Jeff Bezos Wirklichkeit, dass die schmutzige Industrie ins All verlegt wird und auf der Erde die saubere bleibt, würde noch ein weiteres, jetzt noch völlig neues Geschäftsfeld entstehen: Die Reinigung des Weltalls. Das All als Produktionsstätte? Asteroiden als Rohstofflieferant? Der Mond als Ausflugsziel und Tankstelle für weitere Reisen in die Galaxis? Alle Firmen und Firmengründer der New Economy haben das Weltall als Zukunftsgeschäft entdeckt - und stellt sich Erfolg ein, werden auch große Länder das machen, was Luxemburg jetzt beginnt. Also besser, bis dahin die eigene Nische gefunden zu haben, in der Luxemburg dann weiterhin erfolgreich bleiben kann.

Wenn im Dezember unter luxemburgischer Flagge ispace ihren kleinen Rover auf dem Mond fahren lässt mit der Aufschrift „Let’s make it happen“, wird das auf jeden Fall mehr „Nation Branding“ sein als alles, was davor war: Luxemburg als kleines, aber wagemutiges Land, modern und innovativ, das die Gelegenheit beim Schopfe packt.