LUXEMBURGPATRICK VERSALL

Jérôme Lulling arbeitet als Luxemburgischlehrer für die Stadt Luxemburg

Kann man im Luxemburgischen auch einen „Präbbeli“ aufspannen, wenn die Sonne scheint oder wird aus dem Regenschirm dann ein „Sonnepräbbeli“? Welche Endungen hängt man an die Nomen für die Pluralbildung im Luxemburgischen? Versteht jemand, der gerade erst seit einigen Monaten Luxemburgisch lernt die Dialoge im aktuellen Kinofilm „Heemwéi“ ohne die Untertitel auf Englisch zu lesen? Alles Fragen, auf die der promovierte Linguist Jérôme Lulling und seine gut zwanzig Sprachschüler jeden Donnerstag zwischen 12.15 und 13.55 während des Luxemburgischkurses im „Centre Sociétaire et Sportif“ in Luxemburg-Stadt Antworten suchen. Und in der Regel auch finden; „die Endungsregeln muss man aber lernen“, unterstreicht der Sprachforscher Lulling mit Nachdruck vor seinen Schülern. Lulling ist einer von sieben hauptberuflichen Luxemburgischlehrern, die die Sprachkurse der Stadt Luxemburg leiten. Der Mittagskurs richtet sich an deutschsprachige Teilnehmer, das Niveau des Kurses bezeichnet der Linguist und Buchautor als „hoch“.

Die Veranstaltungen beginnen im Oktober und dauern bis Juni, die ersten Sprachschüler drücken schon morgens um 8.30 die Schulbank, die letzten verlassen abends um 21.30 die Unterrichtsräume in den verschiedenen Kulturzentren auf dem Gebiet der Hauptstadt. Sprachschüler haben allerdings auch die Möglichkeit, sich für einen Intensivkurs einzuschreiben, der, von Februar bis Oktober, viermal wöchentlich stattfindet. 55 Euro Einschreibegebühr zahlen die Sprachschüler pro Jahr; Immigranten, die einen Contrat d’accueil et d’intégration unterzeichnet haben, zahlen weniger

Kein Prüfungstress

Als Arbeitsinstrument benutzen Lulling und seine Schüler das Lehrbuch „Lëtzebuergesch fir all Dag“, das bereits im Jahre 2000 vom Bildungsministerium herausgeben wurde. Das Lehrbuch dient als Leitfaden für den Sprachkurs, der von Teilnehmern unterschiedlichen Alters besucht wird. Lulling führt seine Schüler durch die grammatischen Labyrinthe des Lëtzebuergeschen, regt in den Kursen Diskussionen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen an wie z.B. über das Sprachgesetz von 1984. Da für viele Kurs-Teilnehmer das Deutsche die Muttersprache ist, fällt es den meisten vergleichsweise leicht, sich in die Diskussionen mit ein zu bringen.

Prüfungsstress werden die Luxemburgischschüler auf ihrem Bildungsweg keinen haben. Jérôme Lulling vergibt Hausaufgaben an seine Schützlinge, die die Sprache aus privaten oder beruflichen Gründen lernen; Prüfungen oder Klausuren werden aber keine geschrieben. „Wer an mindestens 70% der Sitzungen teilgenommen hat, bekommt im Juli ein Teilnahmezertifikat ausgehändigt“, erklärt der Forscher. Allerdings sei die Anzahl jener, die die Kurse vorzeitig verlassen, nach wie vor relativ hoch, bemerkt Lulling. Die Gründe hierfür seien vielseitig: Scheidungen, neue Arbeitszeiten oder ein Wechsel des Wohnortes.