LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Ein Jazzkonzert der Extraklasse mit dem „New Gary Burton Quartet“ im Konservatorium

Perfektes Gespür bewies er noch immer bei der Auswahl seiner Mitmusiker, der mittlerweile 70jährige Vibrafonist und Komponist Gary Burton, blickt man nur auf die Liste seiner Gitarristen, die von B. B. King über Larry Coryell bis zu John Scofield und Pat Metheny reicht.

Spontane Improvisation

Am vorgestrigen Mittwoch präsentierte Burton seine letzte Produktion im Auditorium des hauptstädtischen Konservatoriums im Rahmen des „Printemps Musical“, gemeinsam mit dem jungen Gitarristen Julian Lage.

Schon nach den ersten Takten war klar, dass hier eine perfekt aufeinander eingespielte Combo am Werk war, die nichts dem Zufall überließ, aber dennoch von der spontanen Improvisation lebte.

Wie auf den beiden letzten CDs bot das Quartett abwechselnd Eigenkompositionen und bekannte Standards. Das restlos überzeugende Team eröffnete das anderthalbstündige Konzert mit „Afro Blue“ einem Klassiker der Latin-Jazz-Fusion aus der Feder Mongo Sanatamarias.

Es folgten neben eigenen Stücken das berühmte „I Hear A Rhapsody“ und, nach einem virtuosen Nonplusultra der A-capella-Einlage des Gitarristen Julian Lage, eine intensive Version von „My Funny Valentin““, einem der meistgespielten Stücke des klassischen Jazzrepertoires überhaupt.

Sensible, lyrische Melodieführung

Ein absolute Rarität ist es schon, die außergewöhnlich komplexe Musik des „New Gary Burton Quartet“ mit solch einmaliger Leichtigkeit und graziöser Souveränität zu verarbeiten, zu der maßgeblich Bassist Scott Colley und Schlagzeuger Antonio Sanchez beitrugen. Burton selbst, der dieses Ensemble fünf Dekaden nach seinem Studiodebut leitet, bestach wie gewohnt durch seine sensible, lyrische Melodieführung sowie seine markante, vollends ausgereifte Vier-Schlägel-Technik. Manchmal erinnerte das „Gary Burton Quartet“ an eine aktualisierte, intensivere Auflage des legendären „Modern Jazz Quartets“ (MJQ), aber hier dominiert Burtons Vibrafonspiel hörbar den musikalischen Ablauf im Gegensatz zu John Lewis‘ konstruktiven Pianophrasen beim MJQ. Einen der Höhepunkte des einmaligen Konzerts bildete Burtons Hommage an Astor Piazzola mit seiner neuen Kompositen „Remebering Tano“ ehe das Quartett sich mit „Bag’s Groove“ von Milt Jackson von dem leider nicht sehr zahlreich erschienen Publikum verabschiedete.