LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Mehrtägige Radwanderungen werden immer beliebter – auch in Luxemburg

Der Weg ist das Ziel. Auf Radurlauber trifft diese Redensart besonders gut zu. Und eben diese Touristengruppe hat sich in den letzten Jahren sehr entwickelt. Auf die steigende Nachfrage haben auch Hotels und Hostels reagiert, die somit bereit sind, radelnde Gäste zu empfangen. Auch in Luxemburg? Wie sieht es überhaupt diesseits der Grenzen in puncto Radtourismus aus? Wir haben uns mit Monique Goldschmit unterhalten. Sie ist nicht nur Präsidentin der „Lëtzebuerger Vëlos-Initiativ“ (LVI), sondern auch Gründerin sowie Geschäftsführerin der Radreiseagentur „Velosophie“. Zurzeit ist sie mit einer Radwandergruppe in Litauen unterwegs.

Was sollten Einsteiger beachten, wenn sie ihre erste Tour planen?

Monique Goldschmit Wichtig an allererster Stelle ist, dass das Rad in Ordnung ist, dass genug Luft in den Reifen ist, dass die Bremsen funktionieren und so weiter. Was das Gepäck anbelangt, so sollte man möglichst wenig Kleidung in die Radtaschen packen. Bereits beim Bekleiden sollte man nach dem Zwiebelsystem vorgehen: ein dünnes T-Shirt, ein weiteres darüber und auch noch einen dünnen Pullover. Dann braucht man nämlich keinen dicken Pulli, sondern hat gleich drei verschiedene Kleidungsstücke. Eine Wind- sowie eine Regenjacke gehören ebenfalls dazu. Damit ist man dann eigentlich schon ganz gut ausgerüstet. Festes Schuhwerk ist beim Radfahren übrigens auch wichtig. Ein anderes Paar Schuhe für den Abend sollte man ebenfalls mitnehmen. Das reicht eigentlich fast schon für eine kürzere Tour mit Übernachtung.

Und welches Fahrrad eignet sich am besten?

Goldschmit Man soll mit dem Fahrrad fahren, mit dem man gut zurechtkommt, auf dem man sich wohlfühlt. Das ist das Wichtigste. Eine Voraussetzung ist, dass es einen Gepäckträger hat. Fahrradbeleuchtung ist natürlich auch ein Muss.

Lëtzebuerger Journal

Gibt es in Luxemburg in puncto Radtourismus viele Möglichkeiten?

Goldschmit Definitiv, Radtouren durch das Großherzogtum mit Übernachtung in einem Hotel oder einer Jugendherberge sind eine tolle Sache und verlangen keine große Planung im Vorfeld. Man nimmt eine Radwanderkarte zur Hand – solche bekommt man übrigens bei der „Vëlos-Initiativ“ – und fährt los. Seine Etappen kann man so ganz bequem einplanen. Hierzulande kann man sein Rad ja auch problemlos mit dem Zug mitnehmen. Nicht viel anders ist es, wenn man bis nach Deutschland an die Mosel fährt oder nach Frankreich weiterradelt. Es sind viele tolle Kombinationen möglich. Nennen kann ich etwa die Vennbahn, ein grenzüberschreitender Fernradweg zwischen Deutschland, Belgien und Luxemburg, der über 130 Kilometer durch Eifel und Ardennen bis nach Aachen führt. In zwei, drei Tagesetappen ist diese Fahrt problemlos zu schaffen. Diese Tour empfehle ich Einsteigern. In unserer nahen Umgebung gibt es auch noch den überwiegend flachen Ahr-Radweg oder den Lahn-Radweg  am Fluss entlang.

Luxemburg ist also auch gerüstet, um Radwanderer von auswärts zu empfangen?

Goldschmit Tatsächlich haben wir viele Betriebe, die das Label „Bed and Bike“ tragen, wo es also sichere Plätze gibt, um das Fahrrad unterzustellen, wo es ein ausgewogenes Frühstück am Morgen gibt, wo man eine Luftpumpe zur Verfügung hat und so weiter. Das Angebot für Radtouristen ist hierzulande wirklich gut, und es wird auch genutzt. Man sieht immer mehr Radfahrer mit entsprechenden Gepäcktaschen durchs Land radeln. 

Sie selbst sind Inhaberin einer Radreiseagentur. Wie laufen die Geschäfte?

Goldschmit Gut. Seit zehn Jahren betreibe ich nun schon diese Reiseagentur für Radtouristen. Die Branche hat sich immens entwickelt, in den letzten drei, vier Jahren sogar massiv. Es gibt immer mehr Einsteiger, die eine solche Reise mit dem Fahrrad ausprobieren wollen. Dementsprechend haben auch wir unser Angebot ausgebaut und vervielfältigt. Mittlerweile haben wir quer durch Europa Touren im Programm. Diese sind dann komplett organisiert, sodass man sich um fast nichts selbst kümmern muss. Gerade sind wir mit 14 Leuten zehn Tage in Litauen unterwegs. Gruppen begleiten wir demnach auch, damit sie unterwegs etwas über die Region und ihre Geschichte erfahren. Aber auch unsere kleinen Reisen kommen gut an. Die Vennbahn-Tour - das sind drei Tage - wird oft gebucht, genau wie die einwöchige Radwanderung durch Ostfriesland. Wir richten uns natürlich nicht nur an Luxemburger, sondern organisieren auch Rundfahrten durchs Großherzogtum für Leute von außerhalb. Wie lange die Touren sein sollen, kann individuell abgestimmt werden. Wir richten uns da ganz nach den Wünschen der Kunden.

Und wie erfolgt die Hinreise, nach Litauen etwa?

Goldschmit Mit der Fähre. Alle von „Velosophie“ angebotenen Reisen werden so geplant, dass sie mit dem öffentlichen Transport machbar sind. Wir fliegen nicht mit dem Flugzeug! Wir reisen also im wahrsten Sinne des Wortes. 

Wie lange sitzt man denn im Durchschnitt pro Tag auf dem Rad?

Goldschmit Wenn wir in der Gruppe fahren, sind es rund 50 Kilometer. Das ist ein guter Durchschnitt. Wenn man alleine unterwegs ist, kann man natürlich machen, wie man will. Unsere Empfehlung ist 40 bis 50 Kilometer pro Tag.

Für einen Anfänger ist das aber schon ziemlich viel…

Goldschmit Nein, das ist kein Problem, auch wenn viele Leute erstmal erschrecken. 50 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h, das ist schönes, gemütliches Fahren, zwei Stunden am Morgen und zwei am Nachmittag, die man wirklich mit allen Sinnen genießen kann.

Wurden Radwanderkarten eigentlich noch nicht von Navigeräten verdrängt?

Goldschmit Nein, viele benutzen beides. Das Navi eignet sich wohl gut, um unterwegs zu wissen, wo man dran ist. Auf einer Landkarte sieht man aber viel besser, was noch so in der Umgebung zu finden ist. Mit ihr vor Augen kann man auch viel besser im Vorfeld planen. Das Papier ist also noch nicht verschwunden, im Gegenteil, es kommen immer noch neue regionale Rad-Karten hinzu. Eine gute Vorbereitung ist ohnehin wichtig, um zu vermeiden, dass man plötzlich auf großen, viel befahrenen Straßen landet.

Wenn man nun eine richtig lange Radwanderung oder sogar Weltreise plant, ist wohl ein bisschen mehr Vorbereitung nötig…

Goldschmit Leute, die eine solche Tour ins Auge fassen, wissen, wie sie ausgerüstet sein müssen und wo sie die nötigen Informationen herbekommen. Sie nehmen aber auch nicht viel mehr an Material mit, als wir es für dreiwöchige Radwanderungen tun. Ein gutes Fahrrad ist absolute Voraussetzung, es sollte aber technisch nicht zu hochentwickelt sein. Scheiben- oder Hydraulikbremsen repariert man nämlich nicht so leicht, einfache Felgenbremsen sind dagegen kein Problem. Die meisten Reparaturen muss man auf einer solchen Reise selbst erledigen können. Je technischer das Fahrrad ist, desto schwieriger könnte dies in so manchem Land werden.   

„Velosophie“ (144, avenue de la Faïencerie,  L-1511 Luxemburg) ist mittwochs von 12.00 bis 18.00 geöffnet und ansonsten täglich während der Bürozeiten telefonisch zu erreichen: +352 26 20 01 32 oder +352 621 45 85 25. Weitere Infos im Netz: www.velosophie.lu