LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Vergewaltigungsprozess gegen 43-Jährigen

Vergewaltigung und sexueller Missbrauch einer betäubten Frau in mindestens zwei Fällen, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Vertrauensbrauch und Diebstahl werden dem 43-jährigen Luxemburger Serge W. vorgeworfen, der sich aktuell vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg verantworten muss. Seit Juni 2017 sitzt er in Haft.

W. soll zwischen März 2016 bis Mitte Februar 2017, aber speziell im Februar 2017, eine damals 21-jährige Frau mindestens zweimal vergewaltigt haben. Um sie gefügig zu machen, soll er der Frau Beruhigungsmittel, die aufgrund von Depressionen in ärztlicher Behandlung ist, verabreicht haben. Zusätzlich soll er ihr die Ausweispapiere und das Handy abgenommen haben. Mit den Worten „Ohne Papiere wirst Du nicht weit kommen!“ habe er sie erpresst. Der Gerichtspsychiater Dr. Marc Gleis sagte über den Angeklagten, dass dieser unter einer dissozialen Persönlichkeitsstörung (psychische Erkrankung und Verhaltensstörung) leiden würde. Der Mann würde von sich selbst behaupten, dass er Analphabet sei.

Auch ein Zeuge der Tat sitzt vor Gericht

Weil er in aller Ruhe zugeschaut haben soll, wie die junge Frau in seiner Wohnung in Limpertsberg vergewaltigt wurde, sitzt auch der 49-jährige Thomas H. auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem unterlassene Hilfeleistung vor. Der Angeklagte soll sich zwar nicht an der Vergewaltigung beteiligt haben, griff aber auch nicht helfend ein. Auch nicht, als die Frau sich wehrte, um Hilfe schrie und W. nicht von ihr abließ. Er wäre stattdessen einkaufen gegangen.

Mit W. war die Frau zuvor schon einmal enger befreundet gewesen. Über seine Tochter habe sie ihn im Oktober 2016 kennen gelernt. Er sei wie ein Vater für sie gewesen und sie wohnte mit ihm in Medernach in einem Zimmer - zusammen mit Hunden, Katzen und Kaninchen. Dort seien sie dann rausgeflogen. Für sie bedeutete das, wieder ins Heim zu gehen oder auf der Straße zu landen. Beide wohnten dann eine Zeit lang zusammen bei seinen Eltern. Er hätte sie oft geschlagen. Im Suff soll er gesagt haben: „Wenn Du fort gehst, werde ich Dich töten.“ Nachdem sie bereits mehrmals erfolgreich ihrem Quäler entflohen war, kam die Frau in einem Foyer unter. W. habe ihr dann vorgespielt, sich umbringen zu wollen, damit sie zu ihm zurückkehrt. Am 10. Februar 2017 verschwand die Frau. Offiziell hieß es, sie sei aus dem Heim abgehauen und schließlich abgetaucht. Die Frau wurde als vermisst gemeldet.

Dem Opfer wurde auch aufgelauert

Die 23-Jährige, die am Donnerstag und Freitag als Zeugin vernommen wurde, berichtete vor der Kriminalkammer über das Vorgehen von W., dass er sie gegen ihren Willen ausgezogen und sich mehrfach an ihr vergangen hätte. Der Missbrauch sei immer intensiver geworden. Immer, wenn W. sie missbrauchen wollte, sei Thomas H. aus dem Zimmer gegangen. W. hätte H. dann ein Augenzwinkern gegeben. Das Opfer sei traumatisiert, schlafe nachts unruhig, liege viel wach und grübele über den kommenden Tag. Den Blickkontakt zum Angeklagten vermied sie vor Gericht. Laut Opfer hatten die beiden Männer ihr auch vor dem Heim aufgelauert. „Du kënns elo mat. Mir fannen dech souwisou“, hätten sie ihr zu verstehen gegeben. Vor Gericht konnten die Begleitumstände, warum die 23-Jährige am 9. Februar den zwei Männern gefolgt war nicht ganz geklärt werden. Sie sagte, sie sei ihnen aus Angst gefolgt, weil W. ihr mit dem Tode gedroht habe. Obschon die Frau aufgrund ihrer mentalen und emotionalen Verfassung sich in einer potenziell schwachen Position befand, ist der Psychologe Robert Schiltz dennoch überzeugt, dass die Aussagen der Frau auf wahren Begebenheiten beruhen.

Als die Polizisten am 17. Februar die Wohnung betraten, habe sie sich unter dem Bett versteckt. Die Polizisten waren zu der Wohnung gekommen, um zwei Haftbefehle zu vollstrecken.

Dabei seien sie auf den stark betrunkenen Thomas H. getroffen. Ein Polizist gab zu Protokoll, dass H. aufgrund des starken Alkoholkonsums (2,7 Promille) auf einem Stuhl saß und vor sich her lallte. Die kurzen Aussagen des Beschuldigten W. wären lebensfremd und konstruiert gewesen.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.