LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Julien Henx hat sich im neuen Jahr große Ziele gesetzt

Julien Henx ist seit vier Jahren Elitesportler der Armee, widmet sich dem Schwimmen aber bereits seit 14 Jahren. Der in Bordeaux lebende Luxemburger trainiert zwar mittlerweile in Frankreich mit seinem Trainer, tritt bei Meisterschaften aber immer noch für das Großherzogtum an. Erst kürzlich hat der 24-Jährige seine eigene Bestzeit übertroffen und arbeitet stets daran, sich zu verbessern. Wo die Passion zum Schwimmen überhaupt herkommt und was seine nächsten Ziele sind verrät der Profi-Schwimmer im Interview.

Wie hast Du das Schwimmen für Dich entdeckt?

Julien Henx Schon seit ich klein war, habe ich eigentlich immer Sport getrieben, war auch immer sehr aufgeweckt. Da habe ich dann angefangen Triathlon zu machen und habe recht schnell gemerkt, dass in Seen schwimmen nichts für mich ist. Allerdings zog es mich immer zum Wasser hin und das Schwimmtraining hat mir auch am meisten Freude bereitet. Als ich dann elf war, habe ich mich im Schwimmverein angemeldet. Das Wasser im Schwimmbecken war dann doch etwas wärmer als das im See. Die Trainingseinlagen wurden ab da auch immer häufiger und ich bin einfach nicht mehr davon losgekommen.

Wie muss man sich eine Schwimm-Meisterschaft vorstellen?

Julien Ich habe mittlerweile an vier Weltmeisterschaften teilgenommen, an der ersten im Jahr 2014 in Doha, was so ein bisschen wie mein Durchbruch war. Hier war ich vor jedem Wettschwimmen extrem nervös, weil ich auf einmal gegen Leute angetreten bin, denen ich zuvor noch im Fernsehen zugeschaut habe. Und auf einmal musste ich mich mit denen messen - ein paar Hundertstel entscheiden, ob du gut genug bist. Zum Glück bin ich da echt gut geschwommen. Diesen Sommer bin ich schon entspannter an den Start gegangen. Ich wusste, was mich erwartet, kannte meine Zeiten und Ziele und habe gelernt, mich nur mit mir selbst zu vergleichen. Solange ich einen Schritt nach vorne mache, ist das schon ein positives Erlebnis. Klar, will man dennoch immer mehr, ins Halbfinale oder ins Finale kommen, aber ich habe das Glück, dass ich bisher tatsächlich fast nur Bestzeiten geschwommen bin.

Wie bereitest Du Dich auf wichtige Termine vor?

Julien Vor einer Weltmeisterschaft arbeite ich mit einem Mental-Trainer zusammen, das gehört dazu. Meisterschaften sind der Höhepunkt der Saison, darauf muss man sich das ganze Jahr über vorbereiten. Da kann ich mir nicht erst einen Monat vor dem Termin vornehmen, mich beim Training so richtig anzustrengen. Da ich das ja auch professionell mache, muss ich jeden Tag versuchen meine 100 Prozent abzuliefern. Das bringt einem auf Dauer natürlich auch mehr: Wenn du jeden Tag gut bist, statt nur einen Monat vor der Weltmeisterschaft, sind die Resultate auch dementsprechend. Für mich ändert sich demnach vor einer Meisterschaft nicht viel, außer, dass ich Vertrauen in mich selbst und mein Training haben muss - man darf nicht anfangen auf einmal an sich zu zweifeln. Zweifel würden mich nur ausbremsen, deshalb ist dann auch der Mental-Trainer da. Er unterstützt mich vor solchen Terminen dabei, meine Energie richtig zu nutzen und nicht in Selbstzweifel zu verfallen. Kurz vor einer WM oder einer EM kann eh nichts mehr geändert werden: Das Training ist abgeschlossen und jeder muss dort einfach sein Bestes geben. Und selbstverständlich sollte zu einer Weltmeisterschaft auch immer ein gewisser Spaßfaktor gehören. Um den Rest kümmere ich mich, wie gesagt, das ganze Jahr über und muss dann einfach darauf bauen, dass meine Vorbereitung gut genug war.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis?

Julien Es ist schwer, es auf einen Moment zu reduzieren, aber wenn ich eine Meisterschaft besonders hervorheben müsste, dann wären es die Spiele der kleinen Staaten von Europa 2017 in San Marino. Die Woche war einfach perfekt. Ich bin nur Bestzeiten geschwommen, habe sechs Goldmedaillen abgeräumt, es war wirklich wie im Traum.

Ich war im Januar aus der Armee zurückgekehrt und habe vier Monate lang trainiert, mich in Topform gespürt und hatte einfach die Freiheit, meinen Sport zu machen und zu trainieren, wann und wie ich wollte. Ich bin meinen ganz eigenen Weg gegangen. Das war auch der Moment, in dem es „klick“ gemacht hat und ich mir bewusst wurde, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich hatte das Gefühl, dass ich mache, wofür ich gemacht bin.

Hast Du schon konkrete Pläne für die kommenden Monate?

Julien Auf jeden Fall. Es ist eine olympische Saison, das heißt im kommenden Sommer sind wieder die Olympischen Spiele. Jetzt ab Januar kann ich mich dann auch offiziell qualifizieren. Eigentlich konnte man sich schon seit März 2019 qualifizieren, aber ich habe mir das für Anfang 2020 vorgenommen, da zurzeit auch nur Rennen im kleinen Becken stattfanden, während Olympia im großen, also im 50 Meter Becken stattfindet. Ab Januar fangen wir dann wieder an, ebenfalls im großen Becken anzutreten. Ende des Monats habe ich schon den ersten wichtigen Termin, die „Euro Meet 2020“ - da werde ich auch zum ersten Mal versuchen, mich für Olympia zu qualifizieren. Das ist jetzt wirklich mein größtes und auch mein Hauptziel der Saison. Im Mai steht dann auch noch die Europameisterschaft an, demnach habe ich schon so einige Termine, die schon feststehen, aber immer mit Hinblick auf die Olympischen Spiele. Es wäre für mich eine riesen Ehre, da es das erste Mal wäre, dass ich dort mitschwimmen könnte. Die Möglichkeit auf eine Qualifizierung habe ich noch bis zum 28. Juni.