LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die FEDIL-Initiative „Hellofuture“ startete gestern im Athénée - Industrie wirbt um Nachwuchs

Der Mann im Anzug mit dem weißen Hemd schaut die neun Schülerinnen und Schüler um sich herum an. „Wer kennt Hilti?“, fragt Paul Jung und hält einen dicken Bohrer hoch. „Wir machen die Spitzen. Für Hilti, aber auch für Bosch und Black& Decker.“ Die Schüler nicken. Als er eine schwarze Kugel herumreicht, wächst das Interesse. „Die gehört zu einem Kugellager einer Windkraftanlage. Weil sie aus Keramik ist, macht ihr auch Salzwasser nichts aus“, erklärt der Managing Director von Ceratizit. „Wir haben 1.200 Mitarbeiter, darunter Psychologen, Personaler, Physiker, Chemiker und Webprogrammierer. Was macht ihr im Sommer?“ Schweigen. „Vakanz“, sagt Tim Chambers (17). Die anderen nicken. „Und schaffen“, fügt seine Klassenkameradin von der 2ième hinzu. „Könnt ihr euch ein Praktikum bei uns vorstellen?“, will Jung wissen. Dann lockt er noch mit dem Fitnesscenter neben dem Hightech-Labor des auf Hartmetalle spezialisierten Konzerns, Beachvolleyball und einem coolen Betriebsausflug nach Kroatien.

Die Industrie hat es schwer mit dem Nachwuchs. Die meisten Jugendlichen denken dabei an Fabriken, Schlote, Hierarchie, Dreck und Monotonie. Dass die Wirklichkeit ganz anders ist, will „Hellofuture“ zeigen. Mit diesem Projekt will der luxemburgische Industrieverband FEDIL Jugendliche wieder für die Industrie begeistern. Am Mittwoch war Premiere im Athénée in der Stadt. Danach folgen zwanzig verschiedene Schulen quer durchs Land, in denen Unternehmen ihre Produkte vorstellen. Sie wollen eine moderne Industrie zeigen, eine saubere, umweltbewusste High-Tech-Branche, bei der Labors, Forschung und Produktion zusammenarbeiten. Coole Zukunft eben.

Industrie zum Anfassen

In der Aula räkeln sich einige Schüler der sechs Klassen, die heute kommen, auf einer Sitzecke vor dem Bildschirm, auf dem ein Film über die Industrie in Luxemburg läuft. Aufsteller informieren über Geschichte und ein Quiz stellt Fragen nach den Inhalten. Die wahre Attraktion aber sind Exponate ganz unterschiedlicher Unternehmen. Da gibt es Faltkisten von No-Nail Boxes aus Wiltz, goldene, weichfließende Viskosegarne von Textilcord, mit denen Reifen ausgekleidet werden, eine Emergency-Box von mehreren Partnern, die bei Notfällen die Kommunikation sicherstellt oder Sensoren von IEE, die im Auto feststellen, wann jemand sitzt und sich anschnallen muss.

Neben einem Bauarbeiterhelm steht ein junger Mitarbeiter der CDCL. Er führt den Schülern des Lycée Technique de Bonnevoie, die heute morgen auch da sind, einen kurzen Film vor, in dem seine Arbeit als Baustellenleiter ebenso erklärt wird wie die seines Bruders, der Projektplaner ist. „Ich bin fast immer draußen, er fast immer im Büro“, erzählt Ben. „Aber wir sind beide Ingenieure.“ Die unterschwellige Botschaft: In der Industrie gibt es interessante Jobs auch für Hochschulabsolventen.

Neun Filme über Berufe hat die FEDIL bislang produziert. Sie erklären in rund fünf Minuten anschaulich, wie Menschen in der Industrie in Luxemburg arbeiten. Schüler können sie auch auf der Webseite ansehen. Bislang sind die Branchen BioHealth, Bau, EcoInnovation, Materialien, Automobilsektor, ICT, Logistik & Maritimes sowie Weltraum vertreten. In den kommenden Monaten soll jeweils ein Film pro Monat hinzu kommen.

Am Stand von Ceratizit können sich einige Schüler schon vorstellen, im Sommer ein Praktikum in Mamer zu machen. Elena Breitenberger beispielsweise überlegt, ob sie lieber Chemie-Ingenieurin wird oder in den Gesundheitssektor geht. Die 18-Jährige will sich vielleicht eintragen.

Die Initiative „Hellofuture“ bietet Schülern und Unternehmen auf ihrer Internetseite die Möglichkeit, sich schnell zu registrieren und vorhandene Praktika einzusehen. SES, Soludec und Vodafone sind beispielsweise schon vertreten. Nicht nur Schüler mit Abschluss, sondern auch Schulabbrecher können Praktika finden.

Yannick Burlaigh (17) will vielleicht Biologie studieren. Er findet die FEDIL-Aktion gut. Bislang hatte er kaum Informationen. Seine Lehrerin Gaby Dinner ist regelrecht begeistert. „In der 4e kommen zwar verschiedene Unternehmen, aber eher Handwerker, denn das soll Schülern eher bei der Entscheidung für eine Karriere C oder D helfen“, sagt sie. Und erinnert sich fast wehmütig daran, dass es früher Praktika für Lehrer gab. „Ich war eine Woche bei Husky. Das war super.“

www.hellofuture.lu