LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Wie zwei Luxemburgerinnen zusammen mit sieben weiteren Freiwilligen ein Zentrumfür erwachsene Flüchtlinge in Athen eröffnen wollen

Das richtige Gebäude zu finden ist gar nicht so einfach. Die beiden Luxemburgerinnen Line Didelot und Sara Vispi suchen derzeit zusammen mit sieben anderen Engagierten nach Räumlichkeiten für ein ambitioniertes Projekt in Athen. Die Mitglieder des noch jungen, seit vergangenem Oktober im Großherzogtum registrierten gemeinnützigen Vereins „ANKAA Project asbl“ wollen nämlich eine Anlaufstelle für erwachsene Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge in der griechischen Hauptstadt schaffen. So wollen sie Flüchtlingen helfen, sich in der Großstadt zurechtzufinden und ihnen Kompetenzen vermitteln, die ihnen bei der Suche nach Arbeit und ihrer Integration helfen sollen.

Kompetenzen vermitteln

Viele Flüchtlinge würden es als „Zeichen von Hoffnung“ sehen, wenn sie von den Inseln in der Ägäis aufs Festland gebracht werden. „Aber bei ihrer Ankunft sind viele überfordert, weil ihnen die notwendigen sprachlichen Kompetenzen fehlen oder weil sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen“, erklärt Line Didelot gegenüber dem „Journal“. Genau dort wollen die ehrenamtlich Engagierten ansetzen. „Weil Integration und Arbeit wichtige Themen sind, wollen wir den Menschen die Chance geben, weiterzukommen“, führt die Luxemburgerin aus, die sich parallel zu ihrem Studium engagiert. Viele Asylbewerber befinden sich über Monate, manchmal sogar länger als ein Jahr in der Prozedur. Arbeiten dürfen sie aber erst als anerkannte Flüchtlinge. Mit ihrem Zentrum wollen sie zudem wegkommen von einem Hilfsansatz, der sich darauf beschränkt, Flüchtlinge einfach nur zu versorgen. „Wir wollen mit den Menschen arbeiten“, betont Didelot.

Im vergangenen Oktober hat sich die „ANKAA Project asbl“ vor Ort über das bestehende Angebot informiert und sich Gedanken gemacht, wie dieses sinnvoll ergänzt werden kann. „Wir befinden uns derzeit in der Phase, in der wir nach passenden Räumlichkeiten und finanziellen Mitteln suchen“. Auf vier Aspekte legen sie Wert: Im Rahmen des Projekts soll es einen Aufenthaltsraum mit Küche geben und einen IT-Raum, um Weiterbildungen anbieten zu können. Auch Sprachkurse sind geplant. „Zum größten Teil kommt man mit Englisch durch Griechenland“, lautet Didelots Einschätzung. Es sollen aber auch grundlegende Griechischkenntnisse vermittelt werden. Die Besucher sollen dann ebenfalls an handwerklichen Ateliers wie Nähen teilnehmen können. Außerdem will das Team bei anderen Anliegen an andere Hilfsorganisationen oder Anlaufstellen weitervermitteln. Daran fehle es nämlich noch. „Im Gespräch mit den Behörden haben wir festgestellt, dass versucht wird, die Koordinierung zu machen“, führt Didelot aus.

„Wir haben allerdings auch gemerkt, dass es keine langfristige Planung oder Vision gibt. Alle versuchen, mit der derzeitigen Situation zurechtzukommen.“ Das hat allerdings zur Folge, dass viele Flüchtlinge keine Zukunftsperspektive entwickeln und inaktiv werden, weil ihnen der Zukunft zu Bildung, Arbeit oder schlicht Information fehlt. Viele Flüchtlinge rutschten deshalb auch in die Drogenszene oder in die Prostitution ab. Die Situation verschärft sich dadurch, dass Arbeitslosigkeit und Armut in Griechenland ohnehin weit verbreitet sind. „Griechenland ist mit dieser Krise überfordert“, sagt Didelot. Dem will der junge Verein nun etwas Positives entgegensetzen.

Auf der Suche nach finanzieller

und materieller Unterstützung

Vor Ort hat die asbl auch Flüchtlingseinrichtungen besucht. „Die meisten Flüchtlinge leben in Camps und leerstehenden Gebäuden“, berichtet Didelot. Das UN-Flüchtlingshilfswerk stelle auch Wohnungen zur Verfügung. Allerdings reiche das Angebot nicht aus. Die Situation in Camps sei aber allgemein besser als auf den Inseln. Auf der Ägäis-Insel Chios haben sich die neun Mitglieder der asbl kennengelernt. Das internationale Team, das zum größten Teil in Athen lebt, stammt aus Schottland, Schweiz, den USA, Australien, Irland und eben Luxemburg. Als freiwillige Helfer haben sie auf Chios Kleidung verteilt. Auf die Situation von Flüchtlingen auf den Inseln angesprochen, spricht Line Didelot von „katastrophalen“ Zuständen.

Um ihr Projekt verwirklichen zu können, mobilisieren die neun Freiwilligen derzeit Familie und Freunde, um ausreichend Geld für Miete und Unterhaltskosten zusammenzubekommen. Außerdem nimmt die „ANKAA Project Asbl“ auch materielle Spenden wie Teller, Gläser oder Küchenutensilien sowie funktionierende Computer an. Wenn alles klappt, soll das Zentrum Ende März seine Türen öffnen können.


Mehr Informationen unter www.ankaaproject.org