GREVENMACHERCORDELIA CHATON

Die Direktorin des Familienbetriebs berichtet, wie Ost-Fenster es durch die Krise geschafft hat

Ost-Fenster ist ein Luxemburger Familienbetrieb, der seit über 50 Jahren Fenster, Glasfassaden und Haustüren in Luxemburg herstellt und einbaut. Damit gehört das Unternehmen zum Bausektor. Aber anders als viele andere Unternehmen ist der Betrieb relativ glimpflich durch die Krise gekommen, findet Lynn Hilger. Die Direktorin führt Ost-Fenster zusammen mit ihrem Bruder Sven Hilger in der zweiten Generation. „Uns wurde mitgeteilt, dass wir bis zum 20. März schließen sollten. Zwei Tage früher sind wir dann in den Lockdown gegangen“, berichtet sie im Gespräch mit dem „Journal“. Für 50 von 80 Mitarbeitern beantragte Ostfenster Kurzarbeit. „Wir hätten vielleicht noch produzieren können - aber im Lager war kein Platz mehr und deshalb hätte das nur Probleme bereitet“, sagt sie.

Ausgestattet für das Homeoffice

Da Ost-Fenster kurz vor dem Lockdown neue PCs gekauft hatte und die alten noch da waren, konnten die Mitarbeiter angemessen für das Homeoffice ausgestattet werden. „Schwierig war das bei den technischen Zeichnern, die mussten wegen der komplizierten Programme bald zurück kommen“, erzählt Hilger mit Blick auf den Betrieb im Gewerbegebiet von Grevenmacher. Die Chefin hat vor allem die Kurzfristigkeit der Ankündigungen gestört. „Denn wir müssen ja auch planen.“

In den ersten zwei Wochen des Lockdown waren viele Kunden zu Hause und hatten Zeit, sich mit Fragen der Renovierung oder Erneuerung auseinander zu setzen. Viele wollten es sich zu Hause schön machen. So kamen noch Anrufe und Aufträge. Ab der dritten Woche wurde es ruhig. „Hier herrschte eine Totenstille“, blickt Hilger zurück. Umso erfreuter waren die Kunden über den Neustart. „Bis auf die eine oder andere Baustelle lief alles sehr gut. Glücklicherweise hatten wir keinen einzigen Krankheitsfall“, kommentiert die Chefin den Neustart. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.“

Dennoch bleibt unterm Strich eine Zeit ohne Rechnungen und Aufträge. Für die Monate April und Mai brachen rund 80 Prozent des Umsatzes weg. „Das holt man nicht so schnell auf“, sorgt sich Hilger. Positiv überrascht war sie indes von der Geschwindigkeit, mit der das Kurzarbeitergeld floss. „Das ging ganz fix. Da war klar ein politischer Wille da.“ Die erste Priorität des Familienbetriebs war es, die Mitarbeiter zu halten und zu bezahlen. Daher begrüßt die Chefin das Kurzarbeitergeld. Kredite hat Ost-Fenster dagegen bislang nicht in Anspruch genommen. „Die Banken haben sich von selbst gemeldet und klar gemacht, dass sie an unserer Seite stehen. Aber als Familienunternehmen muss man nicht Aktionäre mit Dividenden befriedigen, sondern kann Rücklagen bilden. Das hat uns geholfen“, unterstreicht sie.

Während des Lockdowns war eine der größeren Herausforderungen die Schließung der Grenzen zu den Nachbarländern, denn Ost-Fenster beschäftigt auch Grenzgänger. „Das war teilweise dramatisch. Die standen bis zu zwei Stunden im Stau“, ärgert sich Hilger. „Europa hat es nicht fertig gebracht, sich bei diesem Thema zusammen zu setzen. Das ist traurig.“

Zum ersten Mal Kurzarbeit

Für Hilger war die Coronavirus-Krise die schlimmste, die sie bislang erlebt hat. „Kurzarbeit hatten wir vorher nie.“ Bei Ost-Fenster läuft das Geschäft. „Wir sind dauerhaft auf der Suche nach guten Mitarbeitern wie Monteuren oder Kräften für die Produktion oder Verwaltung und haben schon Anzeigen geschaltet“, berichtet Hilger. Homeoffice will sie langfristig nicht einführen. „Bei uns ist der Kundenkontakt sehr wichtig. Und für die Produktion muss man vor Ort sein.“ Insgesamt findet sie, dass Ost-Fenster gut weggekommen ist in der Krise. „Wir haben ein gut gefülltes Auftragsbuch und sind zuversichtlich.“