BETTEMBURG
CLAUDE KARGER

Verspätete Eröffnung des "Parc Merveilleux" in Bettemburg wegen Covid-19

Lëtzebuerger Journal

"Et ass e besse Stress“, sagt Guy Feidt und schnauft immer ein wenig, wenn das Telefon beim Zuständigen für Tourismus, Freizeit und Öffentlichkeitsarbeit des 1956 gegründeten „Parc Merveilleux“ in Bettemburg klingelt. Und das tut es unablässig. Denn die Attraktion mit den zweitmeisten Besuchern im Land bereitet sich auf die Eröffnung an diesem 1. Juli vor.
Eigentlich hätte der Saisonstart bereits am 28. März sein sollen. Die Einladungen waren bereits verschickt, die Flyer in der ganzen Großregion verteilt. Dann kam die Covid-Krise. Und der forcierte Quasi-Stillstand über fast drei Monate - wichtige Monate in der Existenz des „Parc Merveilleux“, in die einige Schulferien fielen.
Nach und nach konnten die Arbeiter zurück kehren, aber erst vor etwa zwei Wochen gab das Gesundheitsministerium grünes Licht für das Eröffnungskonzept mitsamt strengen Hygienemaßnahmen und einer Begrenzung von 2.000 Besuchern pro Tag. Der Durchschnitt in normalen Jahren liegt bei 4.000 in der Saison, „wobei an manchen Wochenenden auch schon mal 12.000 Besucher da waren“, weiß Guy Feidt, der seit 2001 im Park arbeitet, schon manche Probleme zu lösen hatte, aber noch nie eine Situation erlebte wie jetzt.

Organisatorische Challenge

Die Vorgaben bedeuten für den „Parc Merveilleux“ erstmal eine organisatorische Herausforderung. Quasi über Nacht wurde ein Online-Reservierungssystem aufgebaut, über das man sich anmelden muss, um Zutritt zum Park zu erhalten. Kurzfristig stornieren, umbuchen, Eintrittsgeld rückerstatten usw. ist da natürlich schwierig. Dann musste ein System eingeführt werden, um zu gewährleisten, dass sich tatsächlich nicht mehr als 2.000 Besucher im Park befinden und Ansammlungen bei den Attraktionen vermieden werden.
Da braucht es deutlich ausgewiesene Wege. Und es braucht Aufpasser. Der Park konnte kurzfristig 36 Studenten verpflichten, um dabei mitzuhelfen. Auch für sie müssen natürlich Arbeitspläne erstellt werden. „Das ist alles gar nicht so einfach“, sagt Guy Feidt, und zeigt einen ellenlangen Organisationsplan.

Baustellen im Verzug

Schwierige Baustellen gibt es derzeit allerdings weit mehr im „Parc Merveilleux“. Durch das „Confinement“ sind neue Projekte ins Hintertreffen geraten. Deshalb wird an allen Ecken und Enden gehämmert, gesägt und gebaut, was das Zeug hält, um die Vorgaben pünktlich zur Eröffnung zu erfüllen.
So gibt es etwa ein neues Erdmännchengehege, einen zweiten „Luxair“-Spielplatz, einen zweiten Bauernhof mit Ponys, Mini-Eseln und Zwergpferden, ein Brücke über dem großen Hirschgehege und einen neuen Märchenpavillon - letzterer wird wahrscheinlich erst später fertig. Die Einschränkungsmaßnahmen durch die Covid-19-Krise und die Grenzschließungen haben auch bei verschiedenen Tiertransporten zu Verzögerungen geführt. Die Mannschaft des „Parc Merveilleux“ ist froh, dass auch im „Lockdown“ alles mit der Verpflegung und Versorgung der Tiere geklappt hat.
Guy Feidt haben besonders die vielen Unterstützungsangebote für den Park gefreut. Viele Anrufer hätten sich gemeldet, um bei der Tierversorgung mit anzupacken oder aber mit Nahrungsspenden zu helfen. Hilfsangebote, auf die man allerdings nicht hat zurückgreifen können, weil einerseits der Zugang zum Park begrenzt war und andererseits nicht genügend Personal da war, um Helfer ordentlich einzuweisen. Auch spontane Nahrungsspenden kann der Park kaum annehmen, denn viele Tiere - besonders die exotischen - brauchen eine ganz besondere Ernährung.

Tierpatenschaften und Eichenprozessionsspinner

Besser sind daher Geldspenden. Etwa in Form der Übernahme einer „Patenschaft“ für eines der Tiere im Park. Vor Guy Feidts Büro steht übrigens eine Litfasssäule mit Fotos der Tiere und den Namen der Paten. Trotz Stress und hohem Arbeitspensum - ein gerüttelt Maß davon wird auch durch die Eichenprozessionsspinnerplage verursacht, die der Park zudem mit viel Mühe zu bekämpfen hat - verlässt das Lächeln kaum Guy Feidts Gesicht. Der „Parc Merveilleux“ freut sich drauf, wieder Besucher empfangen zu dürfen. Aber: „Wir hoffen nur, dass sich jeder an die Anweisungen hält“, sagt Guy Feidt. 

Lëtzebuerger Journal
DIE TIERE IM „PARC MERVEILLEUX“

200 Arten von fünf Kontinenten

Erdmännchen, Affen, Stachelschweine, Hirsche, Pfauen, Papageien, Schlangen, Capybaras, Beulenkrokodile, Rote Pandas, Schabrackenschakale... Rund 2.400 Tiere, aus etwa 200 unterschiedlichen Arten von fünf Kontineten leben im „Parc Merveilleux“. Viele von ihnen haben ganz spezifische Bedürfnisse, was ihren Lebensraum und ihre Ernährung anbelangt. Deshalb gibt es auch eine Menge unterschiedlicher Speisepläne. Laut Veterinär Guy Willems werden im „Parc Merveilleux“ jährlich rund 80 Tonnen Obst und Gemüse, zehn Tonnen Fleisch und zwei Tonnen Trockenfutter verfüttert, nicht mit eingerechnet spezifische Lebensmittel für einige Arten. Jedes Tier besitzt übrigens einen Pass mit Informationen etwa über Körpermasse, Herkunft, Eltern usw. Der „Parc Merveilleux“ ist seit 2008 Mitglied der „European Association of Zoos and Aquaria“, die rund 400 Mitglieder zählt. In deren Rahmen können Tiere etwa getauscht werden, die Vereinigung ist aber auch eine Plattform für den Austausch von Wissen über die fachgerechte Haltung von Tieren. LJ

Mehr: parc-merveilleux.lu
Lëtzebuerger Journal