LUXEMBURG
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Plastikbecher und Co.: Mehr als 56 Unternehmen wollen Einweg-Plastikprodukte verbannen

In Sachen Ressourceneffizienz soll Luxemburg eine Vorreiterrolle einnehmen. Damit das gelingen kann, „braucht man alle Akteure“, sagt die Ministerin für Umwelt, Klima und nachhaltige Entwicklung, Carole Dieschbourg. Also auch die Wirtschaft.

Auf Initiative von IMS Luxemburg (Inspiring More Sustainability) haben sich inzwischen 56 Banken, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Dienstleistungsunternehmen, Anwaltskanzleien und andere Betriebe dazu engagiert, Einweg-Plastikprodukte bis Ende 2020 aus ihren Unternehmen zu verbannen - und weitere kündigen sich an. Die Initiatoren erhoffen sich dadurch, jährlich bis zu 145 Tonnen an Bechern, Besteck, Flaschen, Tüten, Behältern und Strohhalmen aus Kunststoff zu vermeiden.

Auf der Suche nach dem geeignetsten Pfandsystem

Wie die Direktorin von IMS Luxemburg, Nancy Thomas, gestern zu berichten wusste, gab es Ende 2017 beziehungsweise Anfang 2018 den Impuls, das Thema Plastik in Angriff zu nehmen. In der ersten Jahreshälfte fand 2018 eine Konferenz statt. Über den Sommer „haben wir uns dann gesagt, dass Zeit ist, zu handeln“. Das Ergebnis ist ein Manifest, mit dem sich die Chefs der jeweiligen Unternehmen verpflichten, einen betriebsinternen „Zero Single-Use Plastic“-Botschafter zu ernennen sowie genannte Produkte abzuschaffen oder durch nachhaltigere Alternativen zu ersetzen. Die Initiatoren beziehen sich dabei zunächst auf eben jene Produkte, denen die EU ebenfalls bis 2021 einen Riegel vorschieben will. Wie Nancy Thomas gestern berichtete, gebe es auch Unternehmen, die über Rührstäbchen, Chipstüten, Luftballons und Co. hinausgehen wollen. Die 56 teilnehmenden Unternehmen beschäftigen mehr als 30.000 Menschen. IMS Luxemburg steht den Unternehmen beratend zur Seite. In einer zweiten Phase sollen auch die Zulieferer und Händler eingebunden werden, um eine Art Hebelwirkung zu erzielen.

Laut Angaben der Grünen-Ministerin machen Plastikabfälle 17,8 Prozent des Gewichts und 43,7 Prozent des Volumens von Haushaltsabfällen aus. Bei den Überlegungen, von einer Abfallgesellschaft wegzukommen, spiele einmal verwendeter Plastik eine große Rolle. Die Regierung denkt deshalb unter anderem über einen Ausbau des Pfandsystems in Luxemburg nach. Derzeit sei man noch dabei zu prüfen, welches System sich am besten eigne.

Auch an den Frischetheken könne man über ein Pfandsystem nachdenken. so die Ministerin. Noch in diesem Jahr will die Regierung Gesetzesentwürfe ins Parlament einbringen, die sich mit den Themen Kreislaufwirtschaft und der Vermeidung und Reduzierung von Plastikabfällen befassen. Darin sollen auch in insgesamt sechs Workshops gesammelten Ideen einfließen.