LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Gérard Lopez ist seit mehreren Jahren im Investmentbereich aktiv

Spätestens seit seinem Einstieg in den Formel 1-Zirkus dürfte praktisch jeder Luxemburger wissen, wer Gérard Lopez ist. Sein professioneller Erfolg als Unternehmer und Geschäftsmann ist dem 41-jährigen Escher, der in der Hauptstadt zur Welt gekommen ist, aber nicht in den Kopf gestiegen. Gérard Lopez ist auf dem Boden geblieben und ist allgemein sehr diskret, wenn es um sein Privatleben geht.

Studienzeit in Ohio

Nach dem Abitur im Escher „Jongelycée“ verschlug es ihn im Sommer 1992 ein erstes Mal in den amerikanischen Bundesstaat Ohio, wo er an der Miami University in Oxford ein paar Schnupperkurse belegte. Nach diesem Praktikum studierte er von Januar 1993 bis Dezember 1995 im 15.000-Seelenort „Management Information System“ (MIS) und asiatische Kunst.

Während seiner Studienzeit hat Gérard Lopez auch seine erste Firma „Icon Solutions“ gegründet, die Internetseiten für Betriebe erstellt hat. „Irgendwann wurde uns das zu anstrengend und da uns aufgefallen ist, dass die Leute meistens die gleichen Wünsche haben, entschieden wir uns dazu, eine Art Plattform zu schaffen, mit der es möglich war, die Seiten schneller zu entwickeln. Anscheinend hat auch Amazon, der weltweit größte Online-Versender, neben einer Reihe anderer Kunden, unsere Plattform benutzt. Nach einem Jahr habe ich meine Beteiligung an der Firma aber wieder verkauft. Ich traf diese Entscheidung unter anderem aus dem Grund, dass es meiner Mutter damals gesundheitlich nicht so gut ging. Als ich wieder in Europa war, hatte ich den Plan, wieder ein ähnliches Projekt aufzubauen.“

Anders als geplant

Wie so häufig im Leben kam es ein wenig anders und Gérard Lopez machte seine ersten Erfahrungen als Unternehmer. Er rief ein paar Firmen ins Leben, war aber auch eine Weile Angestellter bei der Prüfungsfirma „Arthur Andersen“: „Ich arbeitete bei dieser großen Gruppe, um zu sehen, wie das läuft. Nach ungefähr anderthalb Jahren hatte ich aber mehr oder weniger die Runde gemacht und entschied mich dann, selbständig zu werden.“

Ende 1999 hatte Gérard Lopez die Idee, Mangrove Capital Partners als Investmentfirma zu gründen und im März 2000 damit angefangen. Diese hilft Unternehmern beim Firmenstart und dabei ihre Organisation global aufzubauen. „Mangrove hatte und hat die wichtige Mission in Technologie zu investieren und ist heute weltweit in den ‚Top 5‘ der Technologiebranche was Investments betrifft. 2003 haben wir beispielsweise Skype unterstützt und in den letzten Jahren eine Menge Firmen an die Spitze gebracht. Es entspricht komplett meinem Charakter. Ich interessiere mich sehr für Technologie und das passt zur Philosophie von Mangrove, neue Ideen zu finanzieren.“

Einer der großen Märkte, für den die Investmentfirma sich derzeit interessiert, ist die ganze Revolution im Automobilbereich. Geographisch gesehen ist Mangrove in Osteuropa sehr aktiv.

Einstieg in die Formel 1

Die 2008 mit Eric Lux gegründete Firma Genii Capital entstand unterdessen ursprünglich aus einer sogenannten „Family Office“ und hat sich sehr schnell entwickelt. „Inzwischen ist sie auch als Investmentfirma aktiv und für uns ganz wichtig ist ihre Finanzberatungsrolle. Auch hier arbeiten wir viel in Osteuropa, sowie in Südamerika, Südostasien und Afrika. Alles verändert sich sehr schnell und fünf Jahre sind für uns eine halbe Ewigkeit.“

2010 ist Genii Capital in die Formel 1 eingestiegen und besitzt den Rennstall „Lotus F1 Team“. Das Team schloss die Saison auf Rang vier der Konstrukteurs-Wertung ab, in Abu Dhabi konnte Kimi Räikkönen erstmals einen Großen Preis für Lotus gewinnen.

„Wir sehen die Formel 1 als eine Plattform, um Leute einzuladen und Geschäfte zu machen. Übrigens ist nichts dran an den Gerüchten, unser Rennstall sei von Schulden in zweistelliger Millionenhöhe geplagt.“, unterstreicht Gérard Lopez, der aber nicht weiter über das Thema diskutieren will, im gleichen Atemzug aber den dritten Platz in der Endabrechnung der kommenden Saison anpeilt.

Freizeit hat er nicht ganz viel und da er kaum Zeit findet, selber ein wenig zu kicken, unterstützt er den Escher Fußballverein Fola seit mehreren Jahren, bei dem er selber als Jugendlicher gespielt hat. „Ich wurde vor rund sieben Jahren gefragt, ob ich nicht die Jugend unterstützen wolle anhand von Trikotsponsoring und nicht viel später wurde ich Präsident des Vereins, der derzeit am Sonnenplatz der Tabelle verweilt.“