LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Die Clearstream-Affäre im Film „L’Enquête“

Der französische Investigations-Journalist Denis Robert veröffentlichte 2001 das Buch „Révélation$“, in dem er die in Luxemburg ansässige Firma Clearstream beschuldigte, eine internationale Plattform für Geldwäsche und Steuerflucht zu sein. Die im Buch vorgebrachten Informationen stammten unter anderem vom Ex-Clearstream-Mitarbeiter Ernest Backes. Die luxemburgische Produktionsfirma Samsa Film nahm sich der filmischen Umsetzung der Affäre an, zusammen mit belgischen und französischen Co-Produzenten. Somit konnte Vincent Garenq seinen Film „L’Enquête“ in Angriff nehmen. Anscheinend sorgte diese Verfilmung im Vorfeld für viel Aufregung, und so mancher Finanzier machte sich Sorgen, was auch zu anonymen Telefonaten, sprich Drohungen, führte. Ernsthafte Folgen hatten diese Nachforschungen jedoch nicht.

Geld regiert die Welt

Die Untersuchungen von Denis Robert (Gilles Lellouche) werden in Rückblenden erzählt. Alles beginnt damit, dass er wegen eines zensierten Leitartikels seinen Posten bei der Zeitung „Libération“ aufgibt. Durch die Informationen von Ernest Backes (Marc Olinger) wird er auf die unlauteren Geschäfte innerhalb der Zentralverwaltung von Clearstream aufmerksam. Sein Familienleben mit seiner Frau Géraldine (Florence Loiret Caille) und seinen Kindern leidet unter den Untersuchungen, die permanent zunehmen, da immer mehr Informationen bekannt werden, wie die zum Beispiel von Régis Hempel (Christian Kmiotek) und Imah Lahoud (Laurent Capelluto). Unterstützung bekommt Robert vom Richter Renaud van Ruymbeke (Charles Berling). Eine zweite Affäre um den dubiosen Verkauf von Fregatten der Thomson-CSF aus Frankreich an Taiwan vermischt sich mit der Clearstream-Affäre. Schnell wird Robert bewusst, dass Geld immer noch die Welt regiert, und dass mit den in die illegalen Transaktionen verwickelten Finanziers und Anleger nicht zu spaßen ist.

Konzentration erfordert

Um auch nur ein Minimum von diesen illegalen Aktionen zu verstehen, ist eine maximale Konzentration erfordert, denn sonst verliert man schnell den Faden, und der Film wird zum Martyrium. Regisseur Garenq gelingt es, trotz der vielen auf den Zuschauer einprasselnden Informationen, Spannung aufzubauen. Als Zuschauer wird man neugierig, wie die Affäre enden wird, selbst wenn man den Ausgang seit langem weiß, und was noch alles passieren wird. Gilles Lellouche spielt den nicht klein zu kriegenden Journalisten mit viel Kraft und Überzeugung. Man spürt seine Neugier, den Willen einen Betrug aufzudecken, wie seine Angst. „L’Enquête“ ist auch der letzte Film von Marc Olinger, der am 8. Januar verstarb. Weitere luxemburgische Schauspieler im Cast sind unter anderem Germain Wagner, in der Rolle des Clearstream-Direktors Lussi, Gilles Soeder, Raoul Schlechter, Frédéric Frenay und Jean-Paul Raths, dessen Rolle aber Opfer der Schere wurde.