LUXEMBURG
DJUNA BERNARD

Nach den Wahlen wurde viel Kritik laut: Unter den frisch gebackenen Abgeordneten finden sich verhältnismäßig wenige Frauen und auch junge, frische Gesichter machen sich rar. Die junge Politikerin Djuna Bernard (déi gréng), erklärt, was eine Partei dagegen tun kann:

„Unsere Politik hat nicht unbedingt einen Mangel an jungen Frauen, sondern einen Mangel an jungen Politikern und einen Mangel an Frauen. Um diese unterschiedlichen Gruppen anzusprechen und sie an die Politik heranzuführen, benötigt es unterschiedliche Herangehensweisen.

Um das Interesse für Politik bei Jugendlichen anzukurbeln haben wir uns schon einige Instrumente gegeben. Dazu gehören beispielsweise das Jugendparlament und die politische Bildung, aber auch die Vermittlung gesellschaftsrelevanter Themen in der Schule oder auch in der nichtformellen Bildung. Dies hilft, Jugendlichen die Politik attraktiver zu machen, so dass sie die Parteipolitik als Werkzeug begreifen, um ihren politischen Ansichten Ausdruck zu verleihen.

Wenn es um Frauen in der Politik geht, muss man anmerken, dass wir in diesen Wahlen bereits eine Quote hatten. Auf den Wahllisten mussten 40% der Personen Frauen sein, damit Parteien von finanziellen Konsequenzen verschont bleiben. Obwohl die großen Parteien dies umgesetzt haben, sitzen aktuell nur zwölf Frauen im Parlament. Auch wenn nach der Regierungsbildung einige Frauen nachrücken, erreichen wir hier keine Anzahl an Frauen, die für mich im Jahr 2018 akzeptabel ist. Die Parteien müssen sich hier die notwendigen Mittel geben, um dieses Problem anzugehen. Ich komme aus einer Partei, die dies intern umsetzt. Unsere Kandidatenlisten haben eine paritätische Aufteilung mit jeweils zwei Spitzenkandidaten pro Bezirk. Natürlich muss man sich schon etwas bemühen, um Frauen davon zu überzeugen, in der Politik aktiv zu werden.

Das Problem reicht allerdings weiter als die Listenaufteilung. Man muss sich auch trauen, Frauen auf Spitzenposten zu setzen. Frauen müssen in der Politik sichtbarer werden. Das bedeutet, dass sie auch an Rundtischgesprächen teilnehmen müssen und insgesamt mehr Verantwortung übernehmen müssen. Denn in Luxemburg werden Politiker gewählt, die die Menschen auch kennen. Wenn Frauen nur auf den Kandidatenlisten landen und sonst nicht in Erscheinung treten und zeigen können, was sie drauf haben, dann werden sie auch nicht gewählt.

Wenn wir in den Parteien von einer Erneuerung sprechen, gehört es zur Nachhaltigkeit einer Partei, pro-aktiv die Nachfolge von etablierten Politikern zur fördern und zu planen. Das geschieht nicht von heute auf morgen. Man muss hier langfristig denken: Wer ist unser Nachwuchs? Welche jungen Personen, welche Frauen kann man auf welche Posten setzen? Wie kann man hier für das notwendige Knowhow und Kompetenzen sorgen? Nur so kann man erreichen, dass auch neue Gesichter später auf den Kandidatenlisten zu sehen sind. Das sollen dann auch junge Menschen, Frauen, Personen mit Migrationshintergrund sein. Das gehört zum Partei-Management. Das ist nicht immer einfach, denn die Förderung von neuen Gesichtern bedeutet auch ein Risiko. Es ist jedoch ein Risiko, das sich bezahlt macht.“